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Beratungstelle „Response“ Frankfurt Hilfe nach rassistischer Gewalt

Seit einem Jahr gibt es die Opferberatungsstelle „Response“ in Frankfurt. Sie hilft nach rassistischen Pöbeleien und Angriffen.

Demo in Frankfurt
Demonstration gegen rechte Gewalt und Rassismus. Foto: Michael Schick

Ein Mensch wird rassistisch angepöbelt. Eine muslimische Person mit Kind wird auf offener Straße mit einem Messer attackiert. Betroffene dieser und anderer Fälle rechter und rassistischer Gewalt betreut seit rund einem Jahr die hessische Beratungstelle „Response“ in der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank. Seit Februar 2016 seien rund 40 Anfragen eingegangen, mehr als 20 davon seien in eine intensivere Beratung gemündet, bilanzierte Leiterin Olivia Sarma  das erste Jahr. „Dabei gehen die tätlichen Angriffe immer häufiger von Menschen aus, die sich nicht der extremen Rechten zuordnen lassen und die sich auch selbst nicht als rechtsextrem bezeichnen.“

„Es gibt ein großes Vorurteilspotenzial in der Mitte der Gesellschaft“, sagte Reiner Becker, Leiter des an der Universität Marburg angesiedelten Demokratiezentrums im Beratungsnetzwerk Hessen, dem Auftraggeber von Response. Der erstarkende Rechtspopulismus und die damit einhergehenden polarisierten gesellschaftlichen Debatten, etwa zur Flüchtlingspolitik, bildeten auch in Hessen zunehmend einen Nährboden für Diskriminierung und Gewalt. Dies zeige sich in den Beratungsfällen des Demokratiezentrums, die sich binnen eines Jahres auf 139 verdoppelt hätten, die Response-Fälle bereits einbezogen. Auch die jüngst vom Landeskriminalamt (LKA) veröffentlichte Statistik politisch motivierter Kriminalität zeigt einen starken Anstieg rechter Gewalt um 18,8 Prozent auf 840 Straftaten.

Response berät laut Sarma häufig auch in Fällen, die nicht zur Anzeige gebracht wurden und sich entsprechend nicht in der Statistik des LKA niederschlagen. Das Spektrum reiche von rassistischem Mobbing im Wohnumfeld, Bedrohungen am Arbeitsplatz oder in öffentlichen Verkehrsmitteln bis hin zu Polizeigewalt und tätlichen Angriffen auf offener Straße. In vielen Fällen sei antimuslimischer Rassismus Grund für Übergriffe und Beschimpfungen gewesen, auch Antisemitismus sei zweimal gemeldet worden, sagte Sarma.

Zweigstelle in Kassel geplant

Zudem sei ihr Team selbst aktiv geworden in bislang elf Fällen, von denen die Mitarbeiter etwa aus Presseberichten erfahren haben. Auf diese Weise habe Response beispielsweise Roma betreut, die Opfer mutmaßlich antiziganistisch motivierter Übergriffe geworden waren. Diese „aufsuchende Arbeit“ wolle Response mit seinem mehrsprachigen Beratungsteam ausbauen, da viele potenziell Betroffene, etwa die „besonders vulnerable“ Gruppe der Asylsuchenden, den Weg zu institutionalisierter Hilfe oft nicht alleine fänden.

Die aktuell fünf Beraterinnen und Berater von Response klären Betroffene über ihre strafrechtlichen Möglichkeiten auf, begleiten sie auf Wunsch durch Ermittlungsverfahren und Gerichtsprozesse und leisten psychosoziale Unterstützung. Dabei hinterfrage das Team Schilderungen nicht, sondern handele parteiisch und stärkend, sagte Sarma. Sie erläuterte, dass Betroffene rassistischer Gewalt oft ein zweites Mal zum Opfer gemacht würden – dadurch, dass ihnen nicht geglaubt oder der politische Hintergrund einer Tat abgewiegelt werde. Das führe zu einer „massiven Erschütterung“ des Selbstwert- und Sicherheitsgefühls der Betroffenen, die ohnehin oft schon viele Erfahrungen mit Alltagsrassismus gemacht hätten.

Über das Marburger Demokratiezentrum wird Response aus Bundes- und Landesmitteln finanziert. Durch eine deutliche Aufstockung der Landesmittel auf 430 000 Euro jährlich könne man in diesem Jahr eine Zweigstelle in Kassel einrichten, die voraussichtlich im September ihre Beratungsarbeit aufnehmen werde, kündigte Sarma an.

 

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