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Bedingungsloses Grundeinkommen Verliebt ins Grundeinkommen

Der Bad Homburger Robert Carls sucht Mitstreiter für sein Konzept gegen Armut. Im Hessischen Sozialforum in Frankfurt will er für ein bedingungsloses Grundeinkommen werben.

Im Hessischen Sozialforum wird es auch um ein bedingungsloses Grundeinkommen gehen. Foto: rtr

Robert Carls steckt „tief in der Materie drin“. So tief, dass es ihm schwerfällt, in einfachen Worten sein Modell des bedingungslosen Grundeinkommens zu vermitteln. Ein Hindernis auf der Suche nach Mitstreitern. Doch so kompliziert ist sein Konzept gar nicht. Für sein Referat beim Sozialforum hat der gebürtige Rheinländer es auf das Wesentliche reduziert, so dass auch der Laie versteht, wie Umverteilung funktioniert, die Armut beseitigen kann. Wesentlich unterstützt hat ihn bei der Vereinfachung Ehefrau Anita.

Zehn Minuten hat der Diplom-Volkswirt aus Bad Homburg am Samstag Zeit, seine Ideen vorzustellen. Die beiden gängigen „Totschlagargumente“ lässt der 73-Jährige nicht gelten. Es sei genug Geld vorhanden, wenn Einkommen einheitlich mit 61 Prozent versteuert würden. Und kein Mensch liege gerne sein Leben lang auf der faulen Haut. Arbeiten besitze ja auch eine soziale Komponente. „Das ganze Jahr Ballermann finden selbst junge Leute langweilig.“

Jahrzehntelang hat die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich Robert Carls relativ wenig gejuckt. Er lebte mit Frau und den beiden jetzt erwachsenen Söhnen im Eigenheim mit Garten, war bis vor zehn Jahren im Marketing beschäftigt, ging vorzeitig in den Ruhestand. Als Kind der Nachkriegszeit, sagt er, habe er das goldene Los gezogen: „Ich arbeitete in der Boomphase der 60er und 70er Jahre und habe daran auch kräftig mitgewirkt.“ Mit seinem sozialen Engagement für Obdachlose, Alte oder Hartz-IV-Empfänger will er nun etwas zurückgeben. „Ich schulde der Gesellschaft etwas.“

Damit meint er jene Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen: Die alleinerziehende Hartz-IV-Empfängerin, die ohne Geld dasteht, weil die Behörden ihren Antrag verschlampt haben. Der Bittsteller, der wegen Personalmangels kein Wohngeld bekommt. All dies Folgen eines ungerechten Systems, das seiner Auffassung nach umorganisiert gehört – nicht erst in zehn Jahren, sondern jetzt. Aus dieser Erkenntnis heraus hat Carls sein Modell entwickelt. „Meine Liebe hängt am bedingungslosen Grundeinkommen.“

Jahrelang hat der Volkswirt an der Finanzierung getüftelt, sie nach Rücksprache mit einem Experten noch einmal korrigiert. Hat, zum Teil in der eigenen Küche, einen Warenkorb mit Produkten und Dienstleistungen berechnet, der ein menschenwürdiges, bescheidenes Leben ermöglicht. Ergebnis: Für Erwachsene muss das Grundeinkommen 1100 Euro betragen, für jedes Kind 500 Euro. Dafür fallen Renten weg, Grundsicherung, Kindergeld, Sozialleistungen, Ehegattensplitting und es gibt eine Bürgerversicherung für alle. „Die Einsparungen sind größer als das Grundeinkommen“, hat der Bad Homburger ausgerechnet. Lediglich zehn Prozent der Reichsten hätten mehr Steuern zu zahlen. Und selbst Millionäre profitierten von der Regelung: „Sie müssen nicht mehr das Studium ihrer Kinder finanzieren.“

Und wer erledigt die „Drecksarbeiten“, die keiner machen will? Auch darauf hat der 73-Jährige eine Antwort: Sie werden entweder automatisiert oder besser bezahlt, was ohnehin dringend geboten sei. Auch das Risiko der Altersarmut für pflegende Angehörige sei gebannt. „Das wäre auch ein Akt der Dankbarkeit gegenüber ihnen.“

Manchmal fühlt sich Carls schon wie eine „Missionar“. Und ewig wird er die Suche nach Unterstützung auch nicht fortsetzen. Er ist sicher: Mit Lobbyisten im Rücken kann seine Vision Realität werden. „Das ist ein Schatz, den man bekannt machen muss.“ Das Hessische Sozialforum bietet ihm am Samstag die Möglichkeit dazu.

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