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Beck-Ausstellung Mit Detlef Beck nach Damaskus

Mit der Beck-Ausstellung wächst in Frankfurt humoristisch zusammen, was sich nicht gehört. Er fühle sich maßlos geehrt, in der Frankfurter Caricatura, dem „Museum der Superstars“, gezeigt zu werden, sagt er.

Ist bescheidener, als er sein müsste: Beck. Foto: christoph boeckheler*

Vor knapp 2000 Jahren: Dem Christenfresser Saulus erscheint kurz vor Damaskus der Herrgott und fragt diesen, warum er ihn denn bloß verfolge. Saulus fällt vor Schreck vom Kamel und steigt als geläuterter Paulus wieder auf, der Christenverfolgung für immer entsagend und das Gegenteil praktizierend. Seitdem nennt der Oberstudienrat es Damaskuserlebnis, wenn er vom Kamel fällt und danach klüger ist.

Vor knapp 24 Jahren: Detlef Beck, Karikaturist, Grafiker, Illustrator und Cartoonist aus Leipzig und noch keine Mitte 30, reist per Anhalter zur Eröffnung der Ausstellung „Schluss jetzt!“ ins Museum für Sepulkralkultur nach Kassel. Alle Großen der Komischen Kunst haben sich dort versammelt, und Beck ist da bereits einer von ihnen, jedenfalls steht er in der Ausstellerliste neben Namen wie F.W. Bernstein, Bernd Pfarr, Eugen Egner und Rattelschneck. Die Eröffnungsrede aber hält der Größte der Großen, Robert Gernhardt, und Beck, der bislang der festen Überzeugung war, „dass wir im Osten die intellektuelleren Intellektuellen hatten“, ist „wie vom Donner gerührt“ ob der gernhardtschen Brillanz.

Vor gut 24 Stunden: Detlef Beck, der sich heute nur noch Beck nennt und „BeCK“ schreibt, sitzt am Dienstagmorgen zur Eröffnung seiner eigenen Ausstellung im Frankfurter Caricatura-Museum, neben ihm Museumsleiter Achim Frenz. Beck und Frenz hingen bereits vor 24 Jahren bei der Kasseler Ausstellung miteinander ab, beide hatten damals noch andere Haare: Beck längere, Frenz mehr. Man kennt sich. Man mag sich.

Überhaupt ist es schwer, Detlef Beck nicht zu mögen. Er fühle sich maßlos geehrt, in der Frankfurter Caricatura, dem „Museum der Superstars“, gezeigt zu werden, sagt er, und das nimmt man ihm sogar ab. Dann beginnt er, sein Licht ordentlich unter den Scheffel zu stellen. Redet von seinen frühen Arbeiten, die „gar nicht so gut“ gewesen seien. Preist seine Idole wie F.K.Waechter, mit denen er sich weder messen könne noch wolle, schließlich sei er doch eher Kunsthandwerker als Künstler, und sein Geld verdiene er dadurch, dass er Auftragsarbeiten erledige. Und gesteht, wie er doch seine West-Kollegen Greser & Lenz beneide, die es gar zu den offiziellen Hofnarren der FAZ gebracht hätten, „aber die sind ja auch viel witziger als ich“. Beck zeichnete immerhin für die „Zeit“.

Nun ist es das Schicksal der meisten Menschen, unwitziger als Greser & Lenz zu sein. Aber bei Beck ist das zumindest fraglich. Der Führer etwa, der vor einem völlig überdimensionierten Pissoir steht und in verzweifelter Notdurft nach seinem Architekten Speer brüllt – das ist schon ziemlich komisch. Ebenso wie der Köter, der an einem Laternenpfahl schnüffelt, während sein Herrchen kommentiert: „Für die einen ist es ein Laternenpfahl, für ihn ,Facebook für Hunde‘.“

„Herr Müller-Lüdenscheidt!“

„Ich bin der erste Ossi“, sagt Beck zu Beginn der Pressekonferenz – und meint damit, er sei der erste Ossi, dem die Ehre einer Ausstellung in der Frankfurter Caricatura zuteil werde. Vielleicht braucht es ja tatsächlich einen Ossi, um ein halbes Jahrhundert bundesrepublikanischer Nachkriegskomik in einem einzigen Cartoon zu verdichten. „Opa Hoppenstedt!“, schwärmen da zwei Erwachsene, „Herr Müller-Lüdenscheidt!“ und – zunehmend euphorisiert – „Nudelsketch!!“; „Frühstücksei!!!“ „Ich bring’ sie um“, denkt sich im letzten Bild der junge Mann, der die Lobhudelei mitanhören musste, „morgen bringe ich sie um!“

Und es gibt da dieses schöne Bild, in dem drei Besoffene die Kneipe betreten und dem Wirt vor den Tresen kotzen. „Wir sind von Alkaida – dem alkoholisierten Flügel der Pegida“, stellt sich das Trio vor. Wer also der Meinung ist, im Osten regiere ausnahmslos die unfreiwillige Komik und ein zumindest gewöhnungsbedürftiger Rechtsrabulismus, der sollte die Beck-Ausstellung besuchen oder gar am 23. April den sympathischen, bescheidenen und saukomischen Beck in der Nacht der Museen in der Caricatura besuchen – er könnte ein Damaskuserlebnis haben.

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