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Batschkapp Batschkapp zieht um

Die neue Batschkapp in Seckbach sieht innen fast so aus wie die alte in Eschersheim - nur viel größer. 1500 Menschen werden in den traditionsreichen Frankfurter Rock-, Tanz- und Kontaktschuppen nach dem Umzug hineinpassen.

Die neue, alte Batschkap in Seckbach: Im Dezember sollen in der neuen Unterkunft bereits Veranstaltungen laufen. Foto: Peter Jülich

Das hier ist der Eingangsbereich“, sagt Ralf Scheffler, der Batschkapp-Chef. Wer sich mit Batschkapp-Eingangsbereichen der vergangenen 37 Jahre ein bisschen auskennt, der wird sofort den entscheidenden Unterschied bemerken: Das Ding hat ein Dach. Man wird nicht mehr nass beim Warten auf Einlass. „Na ja“, sagt Scheffler, es sei denn, es kommen so viele Leute auf einmal, dass nicht alle unters Dach passen.“

Durchaus möglich, denn die neue Batschkapp ist richtig groß – da gehen 1500 Leute rein. Das ist ja der Sinn der Sache. Deshalb zieht der traditionsreiche Frankfurter Rock-, Tanz- und Kontaktschuppen von Eschersheim nach Seckbach. Auf der Baustelle an der Gwinnerstraße lichtet sich schon ein wenig der Staub und gibt den Blick frei auf die monumentale Halle.

„Da haben wir einen kleinen Tresen, hier die Garderobe“, sagt Scheffler hinterm überdachten Eingangsbereich, „und hier sind die Toiletten – jetzt haben wir auch welche für Behinderte.“ Ein großer Fortschritt. In Eschersheim ist gar nicht dran zu denken. Da ist schon die Treppe zur Halle das Ende aller Bestrebungen, mit dem Rollstuhl zu rocken, wenn einen nicht jemand hochträgt. Ja, die alte Batschkapp hat so manche Macke. Andererseits ist die alte Batschkapp die alte Batschkapp. Kann man die so einfach verlassen?

„Nein!“, heißt es vielfach auf der Facebook-Seite des Clubs, beziehungsweise „Gefällt mir nicht“, „Dislike!“ oder auch: „Oh fuck. Ich hatte immer gehofft, dass dieser Tag nie kommen mag. Bye alte Batsche.“ Ralf Scheffler hat sich, was das betrifft, mittlerweile ein dickes Fell zugelegt. „Ich spüre keine Sentimentalität“, sagt er, „wir haben die Faxen dicke, es reicht. Man merkt zunehmend die Beschränkungen in Eschersheim, vor allem platzmäßig.“ Was die Leute da in Scharen auf Facebook hinterlassen: „Man kann das glauben oder nicht“, sagt der Macher. Im persönlichen Gespräch seien viele, die ihre Jugend im Club an der Maybachbrücke verbrachten, förmlich zusammengebrochen wegen des Umzugs: „Oh Gott! Oh Gott!“ Aber auf die Frage, wann sie zuletzt in der Batschkapp waren, hätten sie oft sehr lang nachdenken müssen.

„Das aktuelle Publikum wird es begrüßen, dass es etwas kommoder wird“, sagt Ralf Scheffler. Eine Zeitlang habe es den Leuten gar nicht eng und heiß genug sein können. Wer einst die Toten Hosen, Ideal oder Nichts in Eschersheim erlebt hat (ja, die Band hieß: Nichts), der weiß, wovon die Rede ist. Volle Halle, volles Rohr. Viele haben es heute gern etwas luftiger beim Musikgenuss.

Die Toilettenanlagen sind teilbar, zeigt der Chef: bis hierhin bei kleinen Gigs, doppelte Größe bei Top-Ereignissen. Dann betritt er die Konzerthalle, in der die Bauarbeiter werkeln – winzig kleine Bauarbeiter, wenn man sie in Beziehung zu ihrer Umgebung setzt. Da: die Empore, auf die alle im Batschkapp-Team spürbar stolz sind. Unten drunter wird eine Bar sein, oben drauf noch eine. Und 400 Leute passen allein auf diese Empore. So viele wie in die ganze alte Batschkapp. Offiziell. Man munkelt, es wären mitunter ein paar Leute mehr drin gewesen.

Damit man hinten oben gut sieht, werden vorne auf der Empore in sechs Reihen feste Stuhlreihen montiert. An den Hallenwänden beherrschen riesige gelbe Stahlriegel das Bild. Da waren fahrbare Kräne befestigt, denn einst baute die Firma Zimmer hier Anlagen zur Trevira-Verarbeitung. Gut, dass sie da sind, die Stahlriegel, da kann man Dinge dranhängen: Raumteiler etwa, denn die Halle soll für drei verschiedene Größen variabel sein (circa 600, 1000 und 1500 Besucher). Und es lassen sich dort die Lautsprecher anbringen. Die bewährte Anlage aus Eschersheim? Scheffler lacht. „Teile davon nutzen wir vielleicht für die Monitoranlage.“ Damit die Künstler auf der Bühne hören, was sie spielen. Für die Zuschauerbeschallung haben die Spezialisten von Satis&Fy etwas Neues geplant – „eine ganz andere Dimension“.

Die neue Batschkapp soll die Lücke füllen, die das Ende des Volksbildungsheims und der Music Hall in den 90er Jahren riss. Seither müssen Veranstalter mit Konzerten, die zu klein für Jahrhundert- oder Festhalle sind, aus der Stadt hinaus: nach Offenbach oder Neu-Isenburg. Die Zeiten sollen ab Dezember vorbei sein. „Und wir wissen, was wir tun“, sagt Scheffler. Anders als in der Isenburger Hugenotten- oder der Offenbacher Stadthalle sitzen die Fachleute für alles rund ums Konzertgeschäft in der Batschkapp unter einem Dach, von der Band-Buchung bis zum Ticketverkauf.

Beziehungsweise direkt nebenan im Bürogebäude, das schon am 1. November mit Leben erfüllt wird. Da ziehen auch Leute aus dem Batschkapp-Umfeld mit ein, etwa Rolf Ellmer; er betrieb schon an alter Stätte sein Studio. Ein paar Büroräume wären sogar noch frei für Kurzentschlossene.

Beinahe wäre der Club ins Palais gezogen

„Hier geht’s zum Backstage-Bereich“, sagt Scheffler und kraxelt eine Stahltreppe hinter der künftigen Bühne hinauf. Oben: mindestens vier Räume für die Bands, verwirrend viele Duschen und Toiletten, alles hell und geräumig, am liebsten würde man selbst einziehen. Aber das Herzstück ist die Konzerthalle. So groß sie auch ist – sie erinnert schon jetzt, ohne Einbauten, an das alte Zuhause in Eschersheim. „Schuhkarton halt, schwarz, vorne Bühne, hinten Tresen. Das ist die Batschkapp. Nur größer.“ Neu: Einmal im Monat wird Techno-Disco sein. Und weil die Halle, wenn gewünscht, auch Stühle hat, werden Ereignisse abseits des Üblichen möglich, bis hin zu Orchester, Comedy, Kabarett.

Das alles hätten sich die Macher viel früher gewünscht. Aber jahrelang passierte nichts, weil geeignetes Gelände fehlte. Sogar mit den Planern von Frankfurt Hoch Vier (heute: Palais Quartier) gab es Gespräche über eine Batschkapp an der Zeil zwischen Einkaufszentrum, Hotel und Bürohochhaus. „Da waren wir schon ziemlich weit in den Verhandlungen“, sagt Scheffler, „aber dann ist es – zack! – geplatzt. Und wir sind auch ganz froh darüber.“

Irgendwann meldete sich Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel und schlug das Seckbacher Areal vor. „Das wär’s eigentlich“, kam man in Eschersheim überein. Nun pachtet der Batschkapp-Verein das Gelände von der Stadt. Parkplätze gibt es, verglichen mit der Maybachstraße, im Überfluss. Die U-Bahnlinie 7 braucht zwölf Minuten von der Hauptwache.

Dass die Batschkapp auch weiterhin Batschkapp heißt, daran gab es nie einen Zweifel. „Die Marke ist unbezahlbar“, sagt Scheffler. Er lässt seinen Blick über die neue Umgebung schweifen. Industrie zur einen Seite, ein Schrottplatz zur anderen. „Und die Aussicht hier gefällt mir gut.“

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