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Bars in Frankfurt „Oscars“ für Frankfurter Bars

Zwei Frankfurter Bars gewinnen in Berlin die „Mixology Bar Awards“: das „Seven Swans & The Tiny Cup“ und das „ Roomers“. Doch nicht nur dort werden in der Stadt exquisite Drinks serviert. Wir geben Ihnen einen Überblick.

In The Kinly Bar mixen die Barkeeper eigene, aufregende Kreationen – wenn’s sein muss aber auch ’ne Rum-Cola. Foto: Alex Kraus

Wer zum ersten Mal kommt, läuft wahrscheinlich vorbei. Neben dem Hotel Elbe ist eine schwarze Tür, kein Schild, nur eine Klingel. Es dauert einen Moment, dann öffnet Barchef Michele Heinrich. Raus aus Neonreklame, Rotlichtmilieu und Autoverkehr, rein in schummriges Licht. Eine Treppe führt ins Untergeschoss der Nummer 34. In den kleinen Gewölberäumen mit dunklen Holzmöbeln hat seit März The Kinly Bar geöffnet.

Hinter dem Tresen hackt Geschäftsführer Armin Azadpour Eis. Gemeinsam mit Partner René Soffner hat er die neue Einkehrmöglichkeit im Bahnhofsviertel ins Leben gerufen. „Wir wollten ein kleines schönes Speak Easy“, sagt Azadpour, der zuvor ein ähnliches Lokal in Zürich führte. Ein Konzept nach dem Stil der versteckten Bars zu Zeiten der Prohibition in Amerika, deren Existenz durch Mundpropaganda weitergetragen wurde. Soffner war Chef in der Bar Roomers und im Parlour.

Es habe eine Bar werden sollen, zur der sie selbst gerne gehen würden, in der sich die Gäste wohlfühlten, beschreibt Azadpour. Gute Bedienung gehöre dazu. Die Räume der ehemaligen Kiezpraline im Bahnhofviertel kamen ihnen da gerade recht. Trotz der rauen Umgebung, dem Drogennotruf zwei Häuser weiter – oder eben deswegen.

Die ersten Gäste bestellen ihre Drinks. Heinrich, der auch zuvor im Roomers gearbeitet hat, bereitet sie vor. Er schneidet Orangen, schält eine Gurke, schüttelt, rührt und setzt eine Hibiskusblüte an den Rand eines Messingbechers. Vor ihm stehen silberne Shaker, hinter ihm Spirituosen und in einem kleinen Holzschrank Gewürze und Sprays. Auf der Karte findet man nur sechs Drinks, wie den Queen Park-Fizz für 13,50 Euro, mit Rum, Lime, Vanille und Bitter Soda Chocolate. „Sie wechselt etwa alle drei Monate“, sagt Heinrich, „saisonal“. Im Vordergrund stehen die maßgeschneiderten Drinks. „Wir fragen die Gäste, auf was sie Lust haben, welchen Alkohol sie mögen.“ Viele ließen sich darauf ein, sagt er, während er eine bräunliche Flüssigkeit in kleine Flaschen füllt. Das Gemisch ist das hauseigenen Bier.

Die Arbeit beginnt für das Team nicht erst, wenn die Bar um 20 Uhr öffnet. Es steckt viel Vorbereitungszeit dahinter, drei Stunden wird vorher mindestens gewerkelt. „Wir machen auch unseren eigenen Bitterlemon-Gin mit hausgemachtem Tonic, eigene Säfte und Sirup“, sagt Azadpour. Dafür kaufen sie in der Kleinmarkthalle frisch ein. Hinzu kommen neuste Techniken der Sterneküche wie Rotationsdampfer, Vakuum-Infusionen oder selbst hergestellte Hydrosol-Eiswürfel, damit der Drink nicht verwässert.

Doch das Kinly ist nicht die einzige Frankfurter Bar, die Wert auf besondere Getränke legt. Längst schon haben ausgefallene Drinks Caipirinhas, Piña Coladas und Co. ersetzt. Der Gast kann zwischen zahllosen Ginsorten und unterschiedlichen Tonics wählen, bekommt alten Whiskey, und die Cocktails werden mit frischen Säften, Kräutern oder aufwendiger Deko zubereitet.

Das zeigt sich auch bei den sogenannten Oscars der Branche, den Mixology Awards, einer der wichtigsten Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Gleich mit acht Nominierungen ist die Frankfurter Barszene in diesem Jahr vertreten gewesen. Das Kinly war in der Kategorie „Neue Bar“ aufgelistet, musste aber als Sieger dem Seven Swans den Vortritt lassen.

Das Parlour hat bereits seinen festen Platz in der Barszene. Chef Yared Hagos saß in diesem Jahr in der Mixology-Jury. Barkeeper Maxim Kilian wurde im vergangenen Jahr bei einem Wettbewerb zum besten Barkeeper Deutschlands gewählt. Seit 2010 versteckt das Parlour sich mit seinen 40 Quadratmetern in der Zwingergasse, zufällig vorbei kommt hier niemand. Und wenn, würde er wahrscheinlich gar nicht bemerken, dass sich in dem Haus mit der Nummer 6 eine Bar versteckt. Wer rein will, muss auch hier klingeln.

Sechs festangestellte Fachkräfte, alles Profis, wollen ihren Gästen was Besonderes bieten. Frisches Fruchtpüree, Marmelade, Mini-Baisers – das findet man hinter der Theke des Parlours. Zwischen Gin und Rum stehen Schälchen mit Marshmallows, im Kühlschrank selbst hergestellte Säfte, in einer Box liegen Kräuter. Auch hier ist die Karte bewusst kleingehalten und wechselt regelmäßig.

„Wir haben mit Absicht nicht die üblichen Drinks aufgeschrieben. Wir wollen die Gäste aus ihrer Komfortzone locken“, sagt Kilian. Sie sollten mal etwas probieren, das sie noch nicht kennen. Trotzdem wolle er keinem Gast etwas aufschwätzen. Wenn jemand mit einem Rum-Cola glücklich sei, bekomme er ihn. Im Schnitt 15 Drinks stehen auf dem Papier, sie kosten zwischen 13 und 16 Euro.

Kilian denkt sich immer wieder neue Kreationen aus. Doch hinter dem Barkeepern stecke ja nicht nur die Zubereitung der Getränke, sondern viel mehr, sagt der 28-Jährige. Etwa das Gastgebertum. „Wir wollen nicht nur tolle Drinks, sondern auch geilen Service bieten.“ Darum auch hat der Tresen im Parlour mit 90 Zentimetern die ideale Höhe.

„Gerade beschäftigen wir uns viel mit Küche“, erzählt Kilian. Die Verwendung von Salz sei etwa noch recht ungewöhnlich. Auch im Parlour bereitet das Team die meisten Zutaten selbst zu, von Flüssiggas bis zu den Säften. Hinter der Bar führt eine kleine Tür in den Küchenraum der Bar, auf dem Herd köchelt Sirup vor sich hin. Sogar die Eiswürfel werden selbst gemacht. Dabei gibt es Unterschiede, neben dem crushed ice gibt es große Blöcke mit eher trockenem Eis. „Das hält länger die Temperatur der Drinks“, so Kilian: bei 7,5 Grad, es schmilzt nicht so schnell und verwässert die Drinks nicht.

Die Barszene in Frankfurt sei sehr vielschichtig, findet Kilian. „Viele behaupten sich schon lange auf dem Markt, wie Jimmy’s oder die Rote Bar, die eher klassisch sind.“ Viele hätten ein sehr hohes Niveau, wie das Roomers oder Geckos, die modern und sexy seien. Aber es tue sich viel, das sei sehr spannend. Doch jetzt hat er keine Zeit mehr, die ersten Gäste stehen vor der Tür, der Abend beginnt.

The Kinly Bar ist Dienstag bis Samstag von 20 bis 3 Uhr geöffnet, Elbestraße 34, www.kinly.com

The Parlour öffnet montags bis mittwochs von 20 bis 2 Uhr, donnerstags bis samstags bis 3 Uhr, Zwingergasse 6, www.theparlour.de

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