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Bahnhofsviertel Musik statt Drogendealer

Agressive Dealer, hohe Kriminalitätsrate: Die B-Ebene des Frankfurter Hauptbahnhofs macht immer wieder Negativschlagzeilen. Ein Kulturprojekt soll nun eine positive Atmosphäre schaffen.

„Für ein Miteinander – wir nehmen uns den Raum“ heißt die Aktion, die die B-Ebene im Hauptbahnhof schöner machen soll. Foto: peter-juelich.com

Durch die B-Ebene des Hauptbahnhofs zieht schneller, rhythmischer Sprechgesang. Dort, am Aufgang zur Taunusstraße, steht Michael an einem Mikro und rappt darüber, dass es Zeit sei, etwas zu ändern. Ein Mann wühlt ein paar Meter weiter im Mülleimer, die Sicherheitsleute der Deutschen Bahn patrouillieren, in der Ecke stehen Polizisten mit einem krächzenden Funkgerät. Und Michael singt weiter.

Denn Michael ist Teil einer Aktion des Drogenreferats und der Deutschen Bahn. „Für ein Miteinander – wir nehmen uns den Raum“ heißt sie und soll der B-Ebene eine positive Atomsphäre zurückbringen. Denn in den vergangenen Monaten war das Untergeschoss wegen Drogendealern, Kriminalität und Drogenkonsum in die Schlagzeilen geraten. „Berechtigterweise“, sagte Hartmut Schwarz von der Deutschen Bahn, Chef des Hauptbahnhofs. „Aber wir hoffen, dass die B-Ebene durch die Aktion positiver wahrgenommen wird – damit wäre schon viel erreicht.“

Zwei Wochen lang werden Schulen, Chöre, Kunst- und Kulturschaffende täglich Musik, Tanz und Bildende Kunst am Aufgang zur Taunusstraße darbieten. „Es geht um die Frage: Wem gehört öffentlicher Raum“, sagte Stadtrat Stefan Majer (Grüne) am Mittwochmittag beim Start des Kulturprojekts. Die Stadt, die Bürger würden die B-Ebene weder den Dealern überlassen, noch einfach nur der Polizei . „Wir mischen uns selber ein“, sagte Majer.

Ehrenamtlich machen die Kreativen mit, innerhalb von drei Wochen hat das Drogenreferat zahlreiche Akteure zusammengefunden, die in der B-Ebene auftreten. So wie Michael. Er ist Teil eines Kulturprojekts von Studierenden der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule. Sie machen zusammen mit aktiven und ehemaligen Drogenkonsumenten Kunst. Songs wurden mit ihnen produziert, Videos, Fotos. Sie alle zeigen die Lebenswelten, Hoffnungen und Träume von Drogensüchtigen – und die Songs bildeten den Auftakt der Aktion in der B-Ebene.

Für Regina Ernst, Leiterin des Drogenreferats, geht es vor allem darum, dass die Menschen in der B-Ebene einmal „inne halten, Luft holen und sich über die Darbietung freuen“. Negative Berichte hätten eine Stimmung der Angst ausgelöst, das Projekt solle nun positive Akzente setzen. „Wir wollen zeigen, dass man auch einen Stein ins Wasser werfen kann, der positive Wellen schlägt.“

Aber eines ist auch für Stadtrat Majer klar: „Wir können die Probleme in der B-Ebene nicht wegsingen.“ Drogenabhängige gebe es im Untergeschoss, man müsse mit den Problemen umgehen und sich den Herausforderungen mit Ideen stellen. „Daran wird weiter gearbeitet, aber neben der Pflicht gibt es auch die Kür.“ Und die Aktion bringe nun einmal einen anderen Akzent in die Diskussion.

Hauptbahnhof-Chef Schwarz verspricht zudem, dass Kunstdarbietungen im Untergeschoss „keine Eintagsfliege“ bleiben sollen. Zwar solle die B-Ebene ab Ende 2018 dann umgebaut werden, „aber nur schick machen reicht nicht“.

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