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Bahnhofsviertel in Frankfurt Polizei braucht Hilfe bei Umgang mit Süchtigen

Innenminister Peter Beuth (CDU) fordert den Bund und die Stadt Frankfurt auf, die Polizei im Bahnhofsviertel beim Umgang mit Cracksüchtigen zu unterstützen.

Bahnhofsviertel
Polizei stärkt das Sicherheitsgefühl am Hauptbahnhof. Foto: Peter Juelich

Im Kampf gegen die Drogenkriminalität im Bahnhofsviertel hat die hessische Polizei in den vergangenen Monaten immer wieder um Unterstützung gebeten, nun macht Innenminister Peter Beuth (CDU) ernst. Er will einen Runden Tisch in Wiesbaden initiieren und insbesondere von der Bundespolizei und von der Stadt Frankfurt Unterstützung einfordern. Vor allem in der Auseinandersetzung mit den nur schwer zu bändigenden Cracksüchtigen hat sich die Polizei alleingelassen gefühlt, da die Betreuung von Schwerstabhängigen nichts mit Kriminalitätsbekämpfung zu tun hat.

Der Polizei schwebt laut Polizeipräsident Gerhard Bereswill ein „rustikaler Aufenthaltsraum“ für Cracksüchtige vor, aus dem die aggressiven Junkies nicht rausgeschmissen werden. Das Gesundheitsamt hält das jedoch für den falschen Weg. „Damit ziehen wir nur zusätzliche Leute an“, sagt Referent Ingmar Bolle.

Um den Hilferuf der Polizei zu unterstützen, hatte das Gesundheitsdezernat Anfang Juli die „Offensive Sozialarbeit“ gestartet. Sie umfasst eine Ausweitung der mobilen Betreuung. Bis dahin waren die Sozialarbeiter nach Schließung der Druckräume bis etwa zwei Uhr in der Nacht mit einem Bus im Bahnhofsviertel unterwegs gewesen, um Crackabhängige anzusprechen und von dem Besuch einer Aufnahmeeinrichtung zu überzeugen. Derzeit sind die Sozialarbeiter auch von zwei Uhr bis zur Öffnung der Druckräume am Morgen unterwegs.

30 bis 80 schlaflose Süchtige im Bahnhofsviertel

Laut Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) sind jede Nacht zwischen 30 und 80 schlaflose Cracksüchtige im Bahnhofsviertel unterwegs. Gut ein Dutzend von ihnen soll seit dem Beginn der Aktion schon zu einer dauerhaften nächtlichen Bleibe in einer Hilfseinrichtung bewegt worden sein, was das Gesundheitsdezernat als großen Erfolg sieht. „Wir werden da nie die 100 Prozent erreichen, das ist illusorisch“, räumt Dezernent Majer ein. Im Oktober wollen sich die Polizei und die Stadt zusammensetzen und prüfen, inwieweit die Offensive Sozialarbeit erfolgreich war. „Wenn wir noch nachlegen müssen, dann werden wir das tun“, verspricht Majer.

Auch in Sachen Sauberkeit sieht Innenminister Beuth Handlungsbedarf und spricht von „massiven Verunreinigungen“, die das Sicherheitsempfinden der Bürger ebenfalls beeinträchtigen würden. Der Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, Claudia Gabriel, ist allerdings nicht nach Nachbessern zumute. „Eine 24-stündige Präsenzreinigung können wir nicht leisten und halte ich auch nicht für sinnhaft“ sagt Gabriel. Schon jetzt gebe es von Montag bis Freitag eine vorgezogene Frühreinigung, dazu Sondereinsätze an den Hotspots zwischen 11 und 20 Uhr. Doch Pendler, die ihre Einwegkaffeebecher wegschmeißen und Geschäftsleute, die ihren Unrat auf die Straße kehren, würden die Reinigung zusätzlich erschweren. Zudem gebe es mittlerweile „viel Partyvolk“ im Viertel. „Wir brauchen die Unterstützung der verschiedenen Ordnungsorgane“, fordert Gabriel. Verschmutzung sei kein Kavaliersdelikt und gehöre bestraft.

Auch von der Bundespolizei erhofft sich  Beuth mehr Unterstützung. In der Inspektion am Hauptbahnhof sind gut 250 Bundespolizisten stationiert, allerdings reicht deren Einsatzgebiet bis Wiesbaden. Verstärkung kann der Sprecher der übergeordneten Bundespolizeidirektion Koblenz, Christian Altenhofen, erst vom nächsten Jahr an versprechen. Dann werde „eine hohe zweistellige Zahl“ an Bundespolizisten mit der Ausbildung fertig, von denen „ein Großteil“ nach Frankfurt kommen solle.

Ein Termin für den Runden Tisch in Wiesbaden gibt es noch nicht, die Einladungen dazu seien aber am Mittwoch verschickt worden. „Mal schauen, ob sie angenommen werden“, so Beuth.

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