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Bahnhofsviertel in Frankfurt Keine Angst vorm Bahnhofsviertel

Der Gewerbeverein möchte das Bahnhofsviertel attraktiver machen. Doch die Geschäftsleute haben auch Probleme. Einige Grünen-Politiker versuchen zu helfen.

Frankfurter Bahnhofsviertel. Foto: dpa

Drogenkriminalität, Rotlicht, Bettler, Schmutz – das Bahnhofsviertel hat im Allgemeinen keinen guten Ruf. „Doch das Viertel hat Flair, und die Leute haben nur vor etwas Angst, das sie nicht kennen“, sagt Nazim Alemdar vom Gewerbeverein Treffpunkt Bahnhofsviertel. Er selbst wohnt und arbeitet seit 37 Jahren in dem Frankfurter Stadtteil. Um sich über die Situation am Bahnhofviertel auszutauschen, besuchten die Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen, Nargess Eskandari-Grünberg, und der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die Vertreter des Gewerbevereins und machten sich selbst ein Bild von den wirtschaftlichen Bedingungen im Kiez.

„Wir müssen als Politiker vor Ort sein“, erklärte die OB-Kandidatin und sagte, dass das Bahnhofsviertel ein Ort voller Kontraste sei. Al-Wazir, der in Frankfurt studiert hat, lobte die Vielfalt des Stadtteils und sah es als wichtig an, diese zu „erhalten, ohne das Gefühl von Sicherheit zu verlieren“. Beide Politiker lobten den Frankfurter Weg in der Drogenpolitik und dass damit auch ein Kompromiss gefunden werden müsse, um auf der einen Seite den Abhängigen Hilfe zu bieten und auf der anderen Seite die Wünsche der Geschäftsleute zu erfüllen.

Alemdar sagte, dass Treffpunkt Bahnhofsviertel der einzige Verein sei, der akzeptiere, dass im Bahnhofsviertel gedrückt werde und es ein buntes Nachtleben gebe. Außerdem forderte er: „Wir müssen den Frankfurter Weg weitergehen und ihn sogar noch ausbauen.“ Dann sprach er ein Problem an, das vielen Geschäftsleuten im Viertel Sorgen bereite: Die Mieten würden permanent steigen. Er konnte spontan sieben Geschäfte nennen, die bereits schließen mussten.

„Die Ketten wie Rossmann kommen nun wieder, bewirken aber nichts und werden in ein paar Jahren wieder gehen.“ So sei es bereits früher gewesen. Auch er habe mit seinem Geschäft in der Vergangenheit finanzielle Probleme gehabt, doch er habe gekämpft und sei geblieben. Die Ketten aber interessieren sich nicht für den Stadtteil und die Bemühungen des Gewerbevereins.

Flohmarkt und Straßenfest

Nun will der Verein das Potenzial des Stadtteils weiter nutzen. So sind ein monatlicher Flohmarkt und auch Straßenfeste geplant. Die Geschäftsleute seien selbst schon aktiv geworden und hätten das Viertel sauber gemacht. Julia Rademacher vom Hotel Le Méridien beklagte, dass der erste Eindruck vieler ihrer Gäste nicht immer gut sei. „Wir merken bei den Bewertungen, dass sich die Leute nicht sicher fühlen.“ Es sei positiv, dass die Polizeipräsenz zuletzt verstärkt worden sei. Da das Hotel seine Aktivitäten demnächst auch auf den gesamten Wiesenhüttenplatz ausbauen wolle, dürfe diese Präsenz nicht wegfallen. „Es ist wichtig für die Touristen.“

Eskandari-Grünberg gab zu bedenken, dass Drogenabhängige und Bettler aber nicht nach außen, also an den Stadtrand, gedrängt werden dürften. Al-Wazir stimmte zu und erklärte, dass immer beides – Hilfsprogramme und Polizeipräsenz – gleichermaßen angeboten werden müssen, damit „die Junkies nicht einfach nur den Platz wechseln“. Bei den Mieten, so die OB-Kandidatin, müsse man ernsthaft über eine Erhöhung von Subventionen diskutieren, um dem Anstieg entgegenzuwirken. Der Wirtschaftsminister sprach eine Quote bei Neubauten an, um eine soziale Durchmischung zu gewährleisten.

Bei Geschäftsräumen, wo solche Möglichkeiten wegfallen, helfe eventuell ein Gespräch mit dem Hausbesitzer. „Nicht jeder ist raffgierig“, sagte Al-Wazir. Auch der Kauf von Belegungsrechten durch die Stadt könne eine Option sein.

Interessante Anregungen präsentierte Tim Krätke vom Online-Ferienhausanbieter „e-domizil“ in der Taunusstraße. Er wünschte sich freies WLAN im Bahnhofsviertel, um die Attraktivität zu steigern. Außerdem solle der Fokus des Stadtmarketings nicht nur auf den Finanzsektor Frankfurts gelegt werden, sondern es sollten auch die guten Bedingungen für moderne, digitale Start-ups herausgestellt und beworben werden.

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