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Bahnhofsviertel in Frankfurt Jagd auf die Großdealer

Die neue „Regionale Einsatz- und Ermittlungseinheit“ soll für mehr Sicherheit im Bahnhofsviertel in Frankfurt sorgen.

Bahnhofsviertel
Innenminister Peter Beuth (in der Mitte stehend) lässt sich von einem Polizisten die Auswertung von Überwachungsvideos zeigen. Foto: Peter Juelich

Zur Bekämpfung der Drogen- und Straßenkriminalität im Bahnhofsviertel hat am Freitag eine neue Schwerpunkteinheit der hessischen Polizei offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) und der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill besuchten am Vormittag die neu gebildete „Regionale Einsatz- und Ermittlungseinheit“ (REE), die ab sofort die im November vergangenen Jahres gegründete „Besondere Aufbauorganisation Bahnhofsgebiet“ (BAO) ersetzt. Die neue Einheit besteht aus insgesamt 137 Beamten, die im Gebäude des 4. Polizeireviers an der Gutleutstraße untergebracht sind. Sie ist damit die größte Polizeidienststelle in Hessen.

Polizeipräsident Bereswill sagte, für die nötigen Umbauten am Gebäude und die technische Ausstattung der neuen Einheit seien einmalig 400 000 Euro investiert worden. Miete und Betrieb der Büros kosteten rund 200 000 Euro pro Jahr. Die REE unterstützt mit ihren Strukturen das 4. Revier, das eigentlich für die gesamte Bahnhofsregion zuständig ist. Die Leitung der REE übernimmt Polizeioberrat Markus Sabais, der Führungsstab umfasst insgesamt elf Beamtinnen und Beamte. 

Bereswill sagte, dass die verstärkte Polizeipräsenz im Bahnhofsviertel, die mit Gründung der BAO vor gut einem Jahr begonnen hatte, bereits jetzt sichtbare Folgen habe. Seit November vergangenen Jahres hätten die Beamten rund 64 000 Personen kontrolliert, bei jeder zweiten Kontrolle habe man die Betroffenen anschließend durchsucht.

Crackküchen ausgehoben

Bei diesen Kontrollen habe man insgesamt 45 Kilogramm unterschiedlicher Drogen sichergestellt und 8700 Ermittlungsverfahren eingeleitet – also eins nach jeder siebten Kontrolle. „Das zeigt, dass unsere Kolleginnen und Kollegen nicht wahllos durchsuchen, sondern sehr gezielt arbeiten“, sagte Bereswill.

In Bezug auf die Kriminalität könne man schon jetzt eine „überaus positive Wirkung“ des verstärkten Einsatzes im Bahnhofsviertel feststellen, sagte Bereswill. Taschendiebstähle hätten im Vergleich zum Jahr 2015 um 46 Prozent abgenommen, Diebstähle von EC- und Kreditkarten um 49 Prozent und Diebstähle in Gaststätten und Hotels ebenfalls um 49 Prozent.

Die Zahl der angezeigten Drogendelikte sei wegen der verstärkten Kontrollen im selben Zeitraum dagegen massiv gestiegen: Die festgestellten Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz hätten um 56 Prozent zugenommen, Fälle von Handel oder Schmuggel von Drogen sogar um 165 Prozent. „Das zeigt, dass wir als Polizei uns nicht auf die Konsumenten konzentrieren“, sagte Bereswill. Vielmehr werde die REE verstärkt nach den Zwischen- und Großhändlern fahnden. 

Insgesamt gehe die Polizei derzeit von etwa 5000 Drogensüchtigen und 200 bis 300 aktiven Straßendealern in Frankfurt aus, berichtete Bereswill. Bei den kleineren Dealern gebe es eine hohe Fluktuation.

Von den weitaus schwerer zu fassenden Zwischenhändlern gebe es etwa 30 bis 50 in der Stadt. Die „Leitdroge im Bahnhofsviertel“ sei inzwischen eindeutig das aus Kokain und Backpulver in sogenannten Crackküchen hergestellte Crack.

Heroin und Cannabis würden mittlerweile weitaus weniger verkauft und konsumiert. In den vergangenen fünf Monaten habe die Polizei sechs Crackküchen ausgehoben, die alle ausschließlich Drogen für das Bahnhofsviertel produziert hätten, sagte Bereswill.

Innenminister Beuth betonte die politische Relevanz der neuen Einheit. „Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist nicht nur für Frankfurt, sondern für ganz Hessen von großer Bedeutung“, sagte er. Die negative Berichterstattung der letzten Zeit habe das Sicherheitsempfinden nicht nur der Frankfurter Bürger verschlechtert. Mit der REE habe man jetzt „die organisatorischen und personellen Voraussetzungen geschaffen, um die Aufgabe, die Sicherheit im Bahnhofsgebiet herzustellen, zu gewährleisten“.

Das Bahnhofsviertel sei weiterhin ein Kriminalitätsschwerpunkt, sagte Beuth. Es sei daher wichtig, „dass wir dort Sicherheit und Ordnung herstellen“. 

Beim Rundgang durch die Diensträume der neuen REE präsentierte der Polizeipräsident unter anderem einen Videoraum, in dem Beamte die Filmaufnahmen der Überwachungskameras am Kaisersack und die der neuen Kameraanlage an der Düsseldorfer Straße, Ecke Niddastraße auswerten.

Die neue Technik sei um Welten besser als die der älteren Kameras, sagte Bereswill. 
In den vergangenen fünf Wochen habe man allein aufgrund der Videoüberwachung 13 Drogengeschäfte aufnehmen und daraufhin auch verfolgen können. In einem Fall habe man eine mit Haftbefehl gesuchte Person erkannt und daraufhin festgenommen. „Das zeigt schon, wie wichtig so eine Anlage ist“, sagte Bereswill.

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