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Bahnhofsviertel Die Stadt greift ein

Vermieter im Bahnhofsviertel wollen aus ihrem Eigentum mehr Profit schöpfen. Die Stadt will bei dieser Entwicklung mitreden und eine Milieuschutzsatzung erlassen.

Bahnhofsviertel
Die Bier-Brezel in der Kaiserstraße 68 schließt Ende November. Foto: Christoph Boeckheler

Es ist nun 13 Jahre her, dass die Stadtverordneten ein Förderprogramm für das Bahnhofsviertel auf den Weg brachten. 20 Millionen Euro stellte die Stadt seit 2004 bereit, um leerstehende Gewerbeflächen in Wohnraum umzuwandeln. Hinzu kamen über ein Förderprogramm des Bundes noch einmal fünf Millionen Euro zur Aufwertung des Wohnumfeldes im Bahnhofsviertel. Die Investitionen haben sich ausgezahlt.

Vor zehn Jahren lebten im Bahnhofsviertel 2400 Menschen, zum Jahresende 2015 waren es 3914. Die Förderprogramme haben aber auch „eine gewisse Eigendynamik“ mit sich gebracht, wie Mark Gellert vom Frankfurter Planungsdezernat einräumt. Denn mit der Belebung des Viertels, kam die Aufwertung und damit einher geht der Wunsch vieler Vermieter, aus ihrem Eigentum mehr Profit zu schöpfen. Ein Verdrängungswettbewerb setzt ein oder wie es Gellert nennt: „Es gibt Begleitumstände, die man nicht berücksichtigt hat.“ Ein Fehler sei es seinerzeit nicht gewesen, auf sozial geförderten Wohnraum zu verzichten. Sonst wäre die Entwicklung ohnehin eine andere gewesen. „Aber heute würden wir da andere Schwerpunkte setzen“, gesteht Gellert zu.

Immerhin, anders als im gewerblichen Bereich, wo die Stadt gar keinen Einfluss auf die preisliche Entwicklung oder den Mix hat, gibt es im Bereich des Wohnens ein gewisses städtebauliches Instrument zur Mitsprache.

Derzeit ist eine Milieuschutzsatzung für das Viertel in Arbeit. „Wenn die gilt, können wir bestimmte bauliche Veränderungen verhindern“, so Gellert. Eine solche Satzung, wie es sie etwa schon im Westend und in Bockenheim gibt, kann die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung ein Stück weit steuern. So hat die Stadt in Vierteln mit Milieuschutzsatzung ein Vorkaufsrecht und kann manche bauliche Veränderung verbieten.

Die Entwicklung bremsen

Womöglich hätte es die Kaiserpassage wie sie nun entsteht, nicht gegeben. Zwar hätte die Stadt nicht verhindern können, dass dort nur sieben alteingesessene von ehemals 50 Ladeninhabern bleiben können, zumindest aber die 71 Designappartements in den oberen Stockwerken hätten womöglich verhindert werden können.

Im Planungsdezernat geht man davon aus, dass die Milieuschutzsatzung 2018 auf den Weg gebracht werden kann. Damit würde die rasante bauliche Entwicklung des Bahnhofsviertels seit 2004 zumindest ein Stück weit eingebremst.

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