Lade Inhalte...

Bahnhof Frankfurt-Höchst Baguettes am Bahnhof

Vier junge Betriebswirte betreiben in Frankfurt an der Nordseite der S-Bahnstation am Höchster Bahnhof einen Imbiss. Es ist internationale Küche: französisches Brot, kombiniert mit orientalischem Belag.

Hungrysons am Bahnhof Höchst
Revin Kapoor (Mitte) und Sajan Lund (rechts) bereiten ein Baguette zu. Ihren Stand ?Hungry Sons? gibt es vorerst noch bis 3. Juli. Foto: Rolf Oeser

Die vier jungen Männer reden schnell und wortgewandt. Sie flechten wirtschaftliches Fachvokabular ein. Kunststück, sie sind ja auch Betriebswirte. Da geht es um Franchise, Investment, Feedback, Marketing. Aber: Es handelt sich nicht um ein Referat an der Uni. Die 22- bis 26-Jährigen stehen am Nordausgang des Höchster Bahnhofs, eingehüllt in eine Wolke von Gebratenem. Seit April betreiben sie dort den Imbiss „Hungry Sons“ – hungrige Söhne, die hungrig nach Erfolg sind, so ihr Motto.

Ihr Imbiss ist ein sogenannter Pop-up-Store, also ein temporäres Angebot. Noch bis 3. Juli bieten die Jungunternehmer indisch mariniertes Hühnchen, Knoblauchwurst vom Rind oder indische Grillkartoffeln. Die kommen mit einer leicht scharfen Soße aus Tunesien auf eine Baguettehälfte, das toppen sie mit Rohkost und einer süßlichen Cocktailsoße.

Wie es im Juli mit dem mobilen Stand weiter geht, ist nicht entschieden. „Es läuft gut“, sagt Raul Kapoor. Auch die Bahn ist gesprächsbereit. Dennoch ist das Projekt als Versuch angelegt. Die vier Freunde kommen eher aus der Tech-Branche, wie sie sagen.

Potenzielle Arbeitgeber sind Unternehmen, wie Google oder Amazon. In diesem Bereich haben sie auch Berufserfahrung in Praktika gesammelt. Allerdings: vor einem Computer sitzend. Ein Zustand, der nicht unbedingt zu ihren Interessen passt. Sie sind DJs, Musiker, Ausdauerläufer. Und: Sie kochen gerne. „Schon immer“, versichert Raul Kapoor.

Dazu kommt: „Wir sind viel gereist“, erzählt Harun Kukukhel. Nach New York, China, Australien, Nordafrika. Von jeder Reise haben sie kulinarische Eindrücke mitgebracht. Und irgendwann hat sich die Idee festgesetzt. Warum nicht ein eigenes Fast-Food-Produkt kreieren und vermarkten? Die Studien-Inhalte im echten Leben anwenden.

Die vier beginnen mit einer stadtweiten Standortanalyse. Viel Laufpublikum soll ihr Imbiss haben, gerne Schüler. Die gibt es am Höchster Bahnhof, denn Leibnizschule, Friedrich-Dessauer-Gymnasium und somit auch das Bildungs- und Kulturzentrum Bikuz liegen in Duftweite. Das Geschäftsmodell fußt darauf, viel zu verkaufen. Die Preise sind mit 3,50 Euro für ein Baguette moderat. Die Gewinnmarge niedrig. Aber das Segment ist bewusst gewählt. „In der Preisklasse gibt es nicht viel Konkurrenz“, sagt Revin Kapoor. „Pizza, Döner, Hamburger.“

Mulmig ist ihnen, als sie ihren Professoren das Vorhaben skizzieren. Die Kommilitonen entscheiden sich für Investmentbanking oder Consulting. Sie schuften nicht von morgens um 7 Uhr (Einkauf und Gerichte vorbereiten) bis abends um 23 Uhr im Imbiss (Verkauf bis 22 Uhr). Die Professoren sind allerdings begeistert. Nicht nur zerstreuen sie die Bedenken der jungen Männer, sie helfen auch. Beraten etwa zu steuerlichen Fragen. „Ein Steuerberater ist teuer“, sagt Raul Kapoor.

Überhaupt sind die Freunde beeindruckt vom Zuspruch den sie bekommen. Mit der Bahn haben sie 100 bis 200 mal telefoniert, sagt Kapoor. Ihr Ansprechpartner sei immer freundlich und hilfsbereit gewesen. Das Jugendhaus Nied – dort sind die Kapoor-Brüder quasi aufgewachsen – stellt ihnen freitags die Küche fürs Testkochen zur Verfügung. Jeden Morgen nutzen sie die Küche des Turnvereins 1877, um die Speisen vorzubereiten.

Natürlich wollen sie nicht bis ans Lebensende Baguettes am Bahnhof belegen. Langfristig soll ihr Imbiss zum Franchise-Unternehmen werden, zur Kette. Vorbilder sind der Sandwich-Gigant „Subway“ und Lars Oberndorfers Best-Worscht-in-Town. Auch die haben mit einer einzelnen Bude angefangen. Die Hungry Sons haben Oberndorfer einfach mal um Rat gefragt. Hat er ihnen bereitwillig erteilt. „Ein cooler Typ“, sagt Raul Kapoor.

Hungry Sons , Baguettes mit orientalischem Touch, noch bis 3.Juli, Mo. -Fr. 11-22 Uhr. Nordseite Bahnhof Höchst.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen