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Badesalz „Der Gauland spiegelt sich in jedem zweiten Depp“

Henni Nachtsheim und Gerd Knebel über ihre neue Badesalz-CD, ihre größten Erfolge und den schlimmsten Moment im Leben.

"Badesalz" präsentiert neue CD
Das Duo "Badesalz" präsentiert seine neue CD. Foto: dpa

Gerd, Henni, es ist lang her, dass Ihr zuletzt eine Badesalz-CD gemacht habt. 14 Jahre.
Gerd Knebel: Lang her.

Henni Nachtsheim: Ja, lange Zeit.

Das Warten hat ein Ende. „Mailbox-Terror“ heißt euer neues Werk. Leitmotiv ist ein Anrufbeantworter. Warum?
GK: Wir haben eine neue Form gesucht. Henni wollte schon seit Jahren wieder mal ’ne Platte machen. Ich hab gesagt: Wiederholen wir uns nicht, wenn wir dasselbe machen wie damals, Sketch, Sketch, Sketch? Irgendwann kam ich auf dieses Ding und hab gesagt: Anrufbeantworter, wie findst’n des?

HN: Das war so’n Pingpong, das offizielle Badesalz-Büro ist ja bei mir zu Hause, und da landet immer der Krempel auf dem Anrufbeantworter. Wir hören da so viel Zeug. Leute laden uns ein: Ihr müsst mal kommen, Partykeller …

Im Ernst?
GK: Ja, natürlich. Auch wenn wir unterwegs sind: Ihr müsst kommen!

HN: Der Gerd hat mir zum Geburtstag eine Art Blind Date geschenkt, wir sind aufs Amigos-Konzert …

Was? Zu diesem Schlagerduo?
HN: … ich wusste es vorher nicht, bis wir vor die Halle fuhren. Dann seh ich den Truck mit den zwei Fressen drauf – ich hab geschrien!

GK: Ehehehehe!

HN: Wir sind da rein, nur Omas und Opas, und dann kommt tatsächlich ein Typ mit seinem Sohn, beide aus dem Odenwald, und sagt, er wollte uns einladen, er hätte den Partykeller renoviert, und dann sagt er: Mir ham da was ganz Feines – mir ham jetzt nämlich LED-Lampen!

Huuiii! LED-Lampen!
HN: Das war für ihn der Punkt, an dem ich spätestens sagen muss: Ach so, ja, dann kommen wir!

GK: Und diese LED-Lampen tauchen dann auf der CD wieder auf.

HN: Weil wir es lieben, wenn jemand nix zu bieten hat, aber daraus ein Riesending macht.

Auf der Platte habt ihr einen Song: „De Äppler un de Handkäs wern immer gute Freunde sein …“ – plötzlich singen die genialsten Musiker dieses Lied für euch.
HN: Das läuft auch über den Anrufbeantworter. Ich frag’, wieso blinkt der – da ist der Max Mutzke drauf!

Der das Stück tatsächlich live im Konzert gesungen und euch dann die Aufnahme geschickt hat.
HN: Wir saßen davor und sind bald ausgeflippt. Beim Andreas Kümmert genauso.

Abzüge gibt es natürlich für die Verwendung des Begriffs Äppler.
HN: In dem Lied? „De Äppler un de Handkäs“?

GK: Was? Kennt man doch: Äppler.

Nein, Äppler ist ein Modebegriff. Es heißt Ebbelwei.
GK: Das ist doch kein Modebegriff. Äppler! Gibt’s seit meiner Jugend.

Den hat eine Firma eingeführt, als diese Apfelwein-Mixgetränke in Mode kamen.
HN: Ich kenn das aber schon ewig: „Gebbema en Äppleeeeer!“

GK: Ich kenn das auch, die ganzen coolen Jungs, die Batschkapp-Jungs, im Cooky’s und alle – „Äppleeeer!“

HN: Genau: „Zwei Äppler!“

GK: Die ganzen Roadies! „Trinkemer’n Äpplää!“ Kenn ich nur!

Für euch völlig okay? Äppler?
GK: Für mich ganz normal!

HN: Du sagst, es heißt Ebbelwei?

Ja. Ebbelwei.
HN: Siehste – das wäre in dem Lied schon mal gar nicht gegangen: „De Ebbelwei und de Handkäs“, das wäre holprig gewesen.

Ah. Versmaß. Guter Punkt.
HN: Weil die Sprachrhythmik bei uns auch eine gewisse Rolle spielt.

Okay – das ist was anderes.
HN: Aber interessant!

Der Islam gehört zu Darmstadt, heißt es auf eurer CD. Und zu Frankfurt?
HN: Auch.

GK: Auf jeden Fall.

Da sitzen die Ur-Hessen am Stammtisch und feiern den Islam, weil ihre Frauen dann in der Burka herumlaufen müssten.
HN: Ich stehe total drauf, wenn wir diese reaktionären Arschlöcher spielen. Die Sprüche von Islamisten und von Rechten und Extremlinken ähneln sich ja verdammt – das schwappt alles ineinander über. Du weißt zum Teil gar nicht mehr, wer ist jetzt der Konservative, der Linke, der Rechte? Gruselig.

Klingt da am Stammtisch die Gesellschaftskritik von euch durch?
GK: Auf unsere Art. Wir haben nie diesen politischen, diesen kabarettistischen Zeigefinger.

HN: Matthias Beltz hat mal gesagt, wir wären die schwimmende Grenze zwischen Comedy und Kabarett und auf unsere eigene Art manchmal viel politischer.

GK: Du musst nicht mal die Namen erwähnen. Dobrindt, Merkel. Das spiegelt sich alles in den Leuten wider. So ein Typ wie der Gauland spiegelt sich doch in der Kneipe in jedem zweiten Depp. Frauke Petry findest du in der spießigen Nachbarin. Ist doch alles da.

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