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Badesaison in Frankfurt Anschwimmen im neuen L

Das Hausener Freibad, der Frankfurter liebstes seiner Art, startet nach Komplettsanierung in die Jahreszeit des Schwimmens unter freiem Himmel. Gerade rechtzeitig. Und noch besser: Alle sind zufrieden mit dem neuen Bad. Selten in Frankfurt.

23.04.2011 00:16
Anita Strecker
Im neuen Freibad. Foto: FR/Arnold

Waltraud Beck ist gleich im Badeanzug zum Eröffnungsfest des neu aufgebauten Schwimmbads Hausen erschienen. Bloß keine Zeit verlieren. Nach einjähriger Diaspora im Rebstockbad wird es für die 85-Jährige höchste Zeit, endlich wieder in der Hausener Heimat abzutauchen. Während Sportdezernent Markus Frank (CDU) in Anzug und Krawatte neben weiteren offiziellen Anzugträgern die Eröffnungsrede nebst Zahlen, Daten und Fakten vom Lieblingsbad der Frankfurter ins Mikro spricht, prüfen Waltraud Beck und ihre Frühschwimmerkolleginnen Lydia Lesch und Ingeborg Benecke schon mal die neuen Einstiege ins sonnenglitzernde Wasserbecken. „Endlich wieder hier.“

Erwarten kann es an diesem heißen Gründonnerstag niemand so recht, bis Frank endlich per Knopfdruck die Folie vom randvollen Edelstahlbecken rollen lässt. „Endlich.“ Kurz vor Drei ist das der Kommentar, der im Bad am häufigsten zu hören ist. Zu Hunderten sind sie gekommen: Schüler wie Lara und Dena, die sich seit dem frühen Nachmittag auf der Liegewiese fläzen, sich zum Saisonstart über heißere Temperaturen als auf Mallorca freuen – die Samstag sogar bis zur 28-Grad-Marke steigen. Und natürlich sind alle Hausen-Fans da, die Frühschwimmer des Freundeskreises Hausener Schwimmbad. Hier kennen sich alle – Küsschen links, Küsschen rechts, Handtuch über der Schulter und nichts wie rein.

Auch für Puritaner

Auch Verleger KD Wolff hat auf den letzten Drücker noch eine Einladung erhalten. „Die hatten mich vergessen, da hat mein Sohn aus London gestern per E-Mail nachgefragt.“ Jetzt steht er da, Sektglas in der Hand, Schwimmtasche zwischen den Beinen und wartet aufs Anschwimmen im angestammten Gewässer, das sich noch viel toller präsentiert, als es sich die Schwimm-Puritaner, die Spaßbäder und allen Schnickschnack wie der Teufel das Weihwasser fürchten, je erträumt hätten. Alle sind jetzt im großen „L“ vereint. Der Querfuß ist Flachwasser, der Längsriegel für Schwimmer, der in seiner Breitseite 25 Meter und längs wettkampftaugliche 50 Meter bietet.

Toll geworden, findet KD Wolff. Seit Jahrzehnten kommt er jeden Morgen, dreht seine Runden im Nichtschwimmerbecken und hat mit seinem verstorbenen Verlegerkollegen Siegfried Unseld einst sogar eine Unterschriften-Rettungsaktion gestartet, als die Stadt das kleine Bad von anno 1961 abreißen wollte. Schnapsidee: Die Fangemeinde war stärker. Und ist treu bis heute. Deshalb ist auch Unseld-Junior Joachim selbstverständlich gekommen, ins „urbanste und schönste Schwimmer-Schwimmbecken der Stadt“. Steht im Anzug da und ärgert sich, dass er keine Badehose eingepackt hat. „Ich dachte, das ist nur Feier heute.“

Enger in der Umkleide

Aber ohne Wasserprobe geht so was nicht. Lau, ganz ohne Kälteschock, berührt das Wasser den Bauch, umspült die Arme. Frühschwimmerinnen Maren, Dagmar, Renate sind längst im Wasser, während die „Vorschwimmerinnen“ vom Freundeskreis mit rosa Palmen auf grauen Bademützen noch in 16-Meerjungfrauen-Formation den Wassergang eröffnen. So lange können die drei nicht warten. Toll ist das Bad geworden, finden sie. Neu, aber ohne Schnickschnack. „Sogar die Bäume und Büsche sind alle erhalten, toll.“

Während sie durchs Wasser pflügen, laufen im neuen, grün-blauen Umkleidetrakt erste Besichtigungstouren. Neue Toiletten, neue Duschen – dafür hat die Sammelumkleide an Platz eingebüßt. „Das wird eng morgens“, prophezeit eine Frau. Denn ab jetzt sind sie ja alle wieder da.

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