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Babywatching in Frankfurt Feinfühliger durch Babywatching

Kita-Kinder haben den Umgang von Mutter und Baby beobachtet. Die Ergebnisse des Pilotprojekts liegen nun vor. Danach zeigen Kinder, die sich am Babywatching beteiligt haben, mehr Empathie und Tatendrang.

Kita-Kinder beim Babywatching. (Archivbild) Foto: peter-juelich.com

Elsa robbt auf ihrem Bauch. „Deine Windel ist ja ganz schön voll“, meint ihre Mutter, und zückt eine frische. Die Kinder, die im Kreis um Elsa und ihre Mama sitzen, schlagen die Hände vors Gesicht. Igitt, volle Windel!

„Was macht die Mama denn mit der Elsa“, fragt eine Erzieherin. Na, was wohl? Wickeln! Und wie fühlt sich das für Elsa an? Guut. Zuschauen, wie eine Mutter mit ihrem Säugling umgeht, und in Worte fassen, welche Gefühle sich dabei regen. Das ist, einfach gesagt, Babywatching.

Erfunden hat es der Münchner Kinderpsychiater und Pychoanalytiker Karl Heinz Brisch. Als er die Ergebnisse des Frankfurter Pilotprojekts vorstellt, schlägt er den Bogen bis zu Spiegelneuronen. Durch Beobachten durchlebe der Mensch das, was er sehe. Aber das im Geiste Durchlebte verlerne er wieder, wenn er es nicht versprachliche. Anders gesagt: „Jemand muss ins Wort bringen, was das Baby ereilt.“

Deshalb seien die Erzieher im Projekt geschult, die Kinder durch Fragen anzuleiten, sich über das Gesehene auszutauschen. Zu fühlen, was der andere fühlt, sich in den nächsten hineinversetzen, sei etwas spezifisch Menschliches. „Wenn das gelingt, werden Kinder empathiefähig.“

Die Fähigkeit zu lieben und eine gute, dauerhafte Beziehung zu anderen aufzubauen, sei ein Grundstein unserer Gesellschaft, sagt der leitende Oberarzt der Kinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Das geht mit Babywatching ziemlich gut.“ Im Ergebnis des Projekts, das die Forscher in einer Begleitstudie untersucht haben, seien die Kinder weniger ängstlich und aggressiv geworden, hätten mehr Empathie und Tatendrang gezeigt. Der Wortschatz der Kinder habe sich verbessert. Außerdem hätten Erzieher gelernt, ihre Gefühle besser auszudrücken. Mütter hätten ihr Baby weniger zudringlich umsorgt.

Auch für Demente hilfreich

Babywatching habe es auch schon in einem Heim für Demente gegeben, erzählt Brisch. Eine Frau, die zwei Jahre nicht gesprochen habe, habe plötzlich wieder etwas gesagt. „Die Dementen kommen aus tiefen Schichten ins Wort zurück.“

Mit 200.000 Euro habe die Stadt das Pilotprojekt gefördert, sagt Annette Gork vom Stadtschulamt. Da die positiven Ergebnisse nun feststünden, seien die Träger der Kitas gefragt, zukünftige Projekte mitzutragen. Die Stadt übernehme nur noch 50 Prozent der Kosten.

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