Lade Inhalte...

Ausstellungen in Frankfurt Frankfurt feiert die Moderne

Das Bauhaus wird 2019 100 Jahre alt. Zum Jubläum planen drei Frankfurter Museen große Ausstellungen. Sie wollen damit nicht nur die Moderne feiern, sondern auch die Verbindung zum Neuen Frankfurt zeigen.

Römerstadt
Kinder spielen in der Römerstadt. Foto: Rolf Oeser

Mit drei spektakulären Ausstellungen zum Bauhaus und zum Neuen Frankfurt will sich die Kulturstadt Frankfurt 2019 über die deutschen Grenzen hinaus profilieren. Das Deutsche Architekturmuseum (DAM), das Museum Angewandte Kunst (MAK) und das Historische Museum planen Projekte, die sich ergänzen und zeitlich parallel ablaufen. Finanziell ermöglicht wird diese Feier der Moderne durch die Bundeskulturstiftung und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Sie stellen der Stadt eine hohe sechsstellige Summe zur Verfügung.

Es ist eine große Kraftanstrengung, die von zwei Jubiläen ausgelöst wird: 2019 wird das Bauhaus 100 Jahre alt, 2025 feiert das Neue Frankfurt seinen 100. Geburtstag. Die Frankfurter wollen sich an die Spitze der Jubiläumsbewegung setzen: „Wir möchten nicht abwarten, bis die gesamte Bauhaus-Karawane gequakt hat“, sagt Wolfgang Voigt, der frühere stellvertretende Direktor des DAM.

Der renommierte Architekturhistoriker gehört jetzt zu einer Arbeitsgruppe, die Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und Planungsdezernent Mike Josef (SPD) zur Vorbereitung der Jubiläen ins Leben gerufen haben. „Das kann eine tolle Sache werden, ich bin vollkommen euphorisch“, sagt die sonst so betont ruhige und überlegte Kulturdezernentin.

Die Frankfurter Museumsleute wollen exemplarisch die Zusammenhänge zwischen Bauhaus und Neuem Frankfurt aufzeigen: „Das Bauhaus war die Akademie, das Neue Frankfurt war die Werkstatt der Moderne“, urteilt Matthias Wagner K, der Direktor des MAK. Das Bauhaus als Bildungsstätte für Kunst und Handwerk existierte von 1919 bis 1933, zunächst in Weimar, dann in Dessau, zuletzt in Berlin, bis die Nazis es schlossen. Das Neue Frankfurt begann 1925 als städtebauliches Programm mit Wohnsiedlungen, griff aber auf Design, Musik, Film und Kunst über.

„Neuer Mensch, neues Bauen“ ist der Arbeitstitel für die Schau des Architekturmuseums. „Wir konzentrieren uns auf die Architektur und die Frankfurter Siedlungen der 20er Jahre“, sagt der Architekturhistoriker Voigt. Das Museum wird aber auch über Schulbauten dieser Zeit informieren, die Entstehung des riesigen IG Farben-Hauses in den Jahren 1928 bis 1931 zeigen und das 1924 eröffnete Institut für Sozialforschung mit einbeziehen.

„Wir blicken auf Mode- und Graphik-Design, die Innenarchitektur und anderes mehr“, sagt MAK-Direktor Wagner K. „Moderne am Main 1924-1933“ hat das Team des MAK seine Ausstellung genannt. Die Experten wollen zeigen, wie sich Bauhaus und Neues Frankfurt gegenseitig beeinflusst haben. Der Weg von Künstlern wie Willi Baumeister, Paul Renner und Max Beckmann wird verfolgt – sie unterrichteten in den 1920er Jahren an der Kunstschule Frankfurt.

Da kommt auch eine Ikone des Neuen Frankfurts zu Ehren. Die berühmte Frankfurter Küche, entworfen von der Wiener Architektin Margarethe Schütte-Lihotzky für die Wohnsiedlungen der 20er Jahre. Die Frankfurter Küche versammelte viele Funktionen auf engstem Raum – um die Zeit für Hausarbeit zu reduzieren.

Das Historische Museum will unter anderem zeigen, wie sich die Bauhaus-Bewegung und das Neue Frankfurt in Israel niederschlugen. Dort entstand etwa Ende der 20er Jahre die sogenannte „Weiße Stadt“ als Teil von Tel Aviv: Mehr als 4000 Gebäude im Stil des Bauhauses. Doch die Stadt Frankfurt will die Moderne nicht nur mit Ausstellungen feiern. Sie möchte die denkmalgeschützten Wohnsiedlungen des Neuen Frankfurt, die zum Teil ziemlich heruntergekommen sind, sanieren.

Diese Sanierung umzusetzen, wird die Aufgabe von Planungsdezernent Josef sein. Bereits im neuen städtischen Haushalt 2017 ist für die Vorbereitungen Geld eingestellt. So könnte etwa die Siedlung Römerstadt mit ihren 600 Reihenhäusern in den nächsten Jahren renoviert werden.

Für knappes halbes Jahr zu sehen

Der städtische Wohnungskonzern ABG, dem die Römerstadt gehört, ist bereit, diese Aufgabe anzugehen, sagt ABG-Geschäftsführer Frank Junker.

Peter Cachola Schmal, der Direktor des Deutschen Architekturmuseums, kündigt für Herbst 2017 einen wissenschaftlichen Kongress in Frankfurt zur Moderne an. Er soll die Anstrengungen der Stadt bündeln.

Im März und April 2019 wollen die drei Museen ihre Ausstellungen eröffnen. Sie sind dann für ein knappes halbes Jahr zu sehen. „Aber nach 2019 soll es weitergehen“, sagt Schmal. Die Kommune will aus der Bewegung des Neuen Frankfurt mittelfristig eine kulturelle Marke entstehen lassen, mit der die Stadt international werben kann.

Im Jahr 2025, wenn der 100. Geburtstag des Neuen Frankfurt ansteht, könnte es zum Beispiel eine neu geschaffene Dauerausstellung zu diesem Thema geben. Wenn alles so positiv verläuft, wie es die städtischen Experten in ihrer Arbeitsgruppe planen, ist diese Dauerschau dann in einer der bis dahin sanierten Frankfurter Wohnsiedlungen der 20er Jahre zu sehen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum