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Ausstellung Sinti und Roma Die Zeit ist reif

In Darmstadt beginnt heute eine Ausstellung über das Leben der Menschen, die als „Zigeuner“ verfolgt und diskriminiert wurden.

Das Ausstellungsplakat von Marcus Mantel thematisiert erlittenes Unrecht. Foto: Josef Behringer

Auf einer Schautafel, sagt Udo Engbring-Romang, „wird ‚der Zigeunergrad‘ gemessen.“ Engbring-Romang zitiert die rassistische Fremdbezeichnung, mit der Sinti und Roma bis heute oft verunglimpft werden, um die menschenverachtenden Kriterien zu verdeutlichen, nach denen die Nationalsozialisten Menschen selektierten. „Was heißt es, wenn mein Großvater ein ‚Achtelzigeuner‘ war? Um das zu wissen, muss ich weit in die Geschichte zurückgehen.“

Rassistische „Zigeunerbilder“ und Antiziganismus

Genau das tut die Ausstellung „Hornhaut auf der Seele – Die Geschichte der Verfolgung der Sinti und Roma in Hessen“, die der Historiker und Politologe Engbring-Romang für den hessischen Landesverband des Verbands Deutscher Sinti und Roma erarbeitet hat. Ab heute sind die mehr als 60 Infotafeln mit Texten und Bildern im Darmstädter Justus-Liebig-Haus zu sehen. Mit einem Schwerpunkt auf der Zeit des Nationalsozialismus, bietet die Ausstellung Informationen über die Diskriminierung und Verfolgung der Minderheit „vom 15. bis 20. Jahrhundert“ und beleuchtet, wie sich tradierte „Zigeunerbilder“ auf Sinti und Roma in Hessen auswirkten. Die Tafeln seien „selbst erklärend“, sagt Engbring-Romang und schon für Schüler ab der 7. Klasse verständlich.

Bereits vor knapp zehn Jahren hat der in Darmstadt ansässige Verband Deutscher Sinti und Roma die seither mehrfach überarbeitete Ausstellung das erste Mal und seither immer wieder an verschiedenen Orten Hessens gezeigt. Ungefähr genauso lange ist der Verband bereits auf der Suche nach einem Ort, an dem eine umfassendere Ausstellung, in der es auch verstärkt um die in der Mehrheitsgesellschaft verankerten rassistischen „Zigeunerbilder“ und Antiziganismus gehen soll, dauerhaft zu sehen sein kann, sagt der Landesvorsitzende Adam Strauß. Geeignete Räumlichkeiten zu finden sei „eine dringliche Angelegenheit, um in der Bevölkerung Rassismus und Vorurteile abzubauen“. Dies gelte umso mehr in Wahlkampfzeiten, in denen die NPD vielerorts auf rassistischen Plakaten gegen Sinti und Roma hetze, auch wenn einzelne Kommunen, wie etwa Bad Hersfeld, diese schon entfernen ließen.

Lange Zeit habe er daran gezweifelt, dass der politische Wille für eine solche Dauerausstellung überhaupt vorhanden sei, sagte Strauß weiter. Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) habe aber bereits Unterstützung in Höhe von 20 000 Euro zugesagt und werde auch zur Eröffnung der Ausstellung im Rahmen des Darmstädter Gedenkjahres „Gegen das Vergessen“ sprechen.
Strauß hofft daher darauf, dass die gewünschte Dauerausstellung ab 2014 einen Ort in Darmstadt finden wird.

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