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Ausstellung Künstler prangern Sexismus im Fitnessstudio an

Zwischen perfekt gestylten Körpern und plattem Sexismus: Die Ausstellung „Red Roses Club“ des Kollektivs „saasfee*“ nimmt Fitnessstudios aufs Korn.

saasfee*
Geld vom Land für die Macher von „saasfee*“: Alex Oppermann, Boris Rhein und Moni Friebe (von links). Foto: Christoph Boeckheler

Von der Decke hängen Autoreifen, auf dem Boden liegen Boxhandschuhe, Weiß auf Schwarz stehen die Trainingsregeln an den Wänden. Die Letzte: „No rules“. Man glaubt beinahe, den Geruch von Schweiß und Benzin wahrnehmen zu können, so sehr ähnelt der Ausstellungsraum im Pavillon des Künstlerkollektivs „saasfee*“ einer bizarren Mischung aus Fitnessraum und Kellergarage. Auf einem Reifenstapel prangt das Abbild von Kleinmädchenliebling Prinzessin Lillifee. „Red Roses Club“ heißt die Ausstellung der Künstlerin Sonja Yakovleva, die gegen Sexismus und Schönheitsideale im Fitnessstudio ankämpft. Und zwar buchstäblich. 

Das Künstlerkollektiv „saasfee*“ wurde 1999 von Moni Friebe und Alex Oppermann ins Leben gerufen; seit 2008 waren sie immer wieder mit Ausstellungen aufstrebender Künstlerinnen und Künstler im Pavillon am Eschenheimer Tor zugegen. Rund 90 Ausstellungen in neun Jahren kann „saasfee*“ mittlerweile vorweisen, und seit April dieses Jahres ist der Pavillon nicht nur renoviert. Es gibt auch einen Vertrag mit dem neuen Eigentümer. Erleichterung für das Künstlerkollektiv, zu dessen Mitarbeitern im Pavillon inzwischen auch Tae-Ry Park, Al Dhanab und Annette Abel zählen. Von nun an sind auch längerfristige Planungen und größere Projekte möglich. 

Der Fokus der Dauerausstellung des Künstlerpavillons liegt auf dem Audiovisuellen. So schallen durch den Park hinter dem Haus sphärische Töne des Künstlers „Señor Coconut“; ein Gong, das weiße Rauschen eines Radios ohne Empfang, dann etwas, das kurz klingt wie eine riesige Menschenmenge. Neben dem Eingang des Pavillons steht ein weiteres Dauerausstellungsstück, die „Seele des Pavillons“: Byrd. Heute ist er allerdings schlecht drauf. „Lass mich einfach in Ruhe“, tönt es aus dem Lautsprecher. Byrd ist eine künstliche Intelligenz, von „saasfee*“ entworfen. Eine LED-Matrix spiegelt in Farben und Formen seine sehr menschlich schwankende Stimmung wider.

Im vergangenen Jahr wurde der Pavillon erstmals von der hessischen Kulturstiftung finanziell unterstützt. Kunst- und Kulturminister Boris Rhein nannte den Pavillon „die schwebende Nationalgalerie Berlins in Klein.“ Kuratorin Abel betont: „Alle, die hier arbeiten, tragen das seit Jahren mit Herzblut.“

Ausstellungen wie die des „Red Roses Club“, die mit einer performativen Inszenierung begann, leben vom Interaktiven. Deswegen gab es fünf „Aggro Fit“-Treffen im saasfee*-Pavillon, bei dem Privatpersonen das von der Künstlerin konzipierte Training ausprobierten. „Natürlich will sie mit Lillifee auch provozieren“, sagt Moni Friebe. Und was die Kunst angeht, gilt wohl ohnehin dasselbe wie für Yakovlevas Frauenfitness: no rules.

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