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Ausstellung in Frankfurt 100 Jahre Damenwahl

Eine Sonderausstellung zur Frauenbewegung im Historischen Museum in Frankfurt zeigt: Es gibt noch viel zu tun.

Ausstellung in Frankfurt
Das Recht auf Bildung: Frauen haben erst seit 1908 die Möglichkeit, an deutschen Universitäten zu studieren. Foto: Christoph Boeckheler

Raus mit den Männern aus dem Reichstag und raus mit den Männern aus dem Landtag und raus mit den Männern aus dem Herrenhaus, wir machen draus ein Frauenhaus“, singt das Ensemble zur Eröffnungsfeier im Historischen Museum. In die Ausstellung „Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht“ dürfen Männer aber schon rein.

Die Sonderausstellung beleuchtet die Anfänge der Frauenbewegung im Kaiserreich bis hin zu ihrer ideologischen Spaltung im Nationalsozialismus und den Entwicklungen der Gegenwart. Dabei porträtiert sie Schlüsselfiguren wie Bertha Pappenheim, Leiterin des Israelitischen Frauenvereins in Frankfurt, und Toni Sender, Kriegsgegnerin und Generalsekretärin des Frankfurter Arbeiterrates.

Das die Frauenbewegung nichts an Relevanz eingebüßt hat, zeigen aktuelle Zahlen. So sank 2017 der Frauenanteil im Bundestag mit 30,9 Prozent auf das Niveau von 1998. 1919, als Frauen erstmals in das deutsche Parlament einziehen durften, schafften es 37 an der Zahl, was einem Anteil von 8,7 Prozent entspricht. Auch die Themen gleiche Bezahlung und die Überrepräsentation von Frauen in schlecht bezahlten sozialen Berufen verdeutlichen, dass die Emanzipationsbewegung weiterhin nötig ist.

450 Exponate sind zu sehen, viele davon aus dem Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel. Fahnen der Suffragetten sind darunter und ein Korsett aus der Zeit, als bürgerliche Ehefrauen sich noch einengender Kleidung unterworfen haben. Dann wiederum kommt man an einer Büste von Rosa Luxemburg vorbei, an historischen Bügeleisen, an einer Schwesterntracht von Frankfurter Rot-Kreuz-Schwestern von 1914.

Eindrucksvoll präsentiert werden auch internationale Vergleiche. Die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung, bei der erstmals auch Frauen das aktive und passive Wahlrecht hatten, fand am 19. Januar 1919 statt. Als erstes Land führte Neuseeland schon 1893 das Frauenwahlrecht ein, Finnland zog 1906 nach. Die Aufzählung endet 1932, obwohl beispielsweise die Schweiz erst 1971 Frauen ein Stimmrecht gab.

Im interaktiven Teil des Museums erfahren Besucher in einem Quiz, seit wann deutsche Frauen ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes den Führerschein machen dürfen (1958), wann die Vergewaltigung in der Ehe strafbar wurde (1997) oder seit wann der Deutsche Fussballbund „Damenmannschaften“ erlaubt (1970).

Bundesfamilienministerin und Schirmherrin Franziska Giffey (SPD) ist auch zur Ausstellungseröffnung gekommen. Sie betont, dass Frauenrechte „niemals ein Geschenk waren. Es war immer ein Kampf, bei dem Frauen so einiges einstecken mussten. Es wurde sogar behauptet, Frauen hätten ein kleineres Gehirn.“ Mit Blick auf die unterrepräsentierten Männer im Saal ergänzt sie: „Auch Männer haben oft für uns gestritten. Das finde ich auch wichtig.“ Es gebe noch heute viele Themen, wo es sich lohne, hinzuschauen.

Am Ende der Ausstellung hat Giffey unter die Frage, was sie sich für die zukünftige Frauenbewegung wünscht, auf ein Post-it geschrieben: „Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen“ und „Frauen in Führungspositionen“. Die SPD-Politikerin gibt sich aber zuverichtlich, was das angeht. Schließlich habe sie in der Bundespolitik gelernt: „Penetranz schafft Akzeptanz“.

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