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Ausschreitungen in Frankfurt Krawall gegen das Kapital

Bei der Demonstration gegen den Kapitalismus in Frankfurt fliegen Farbbeutel, Flaschen und Pflastersteine. Dabei wird ein Polizist schwer verletzt, erst am Montagmorgen ist er außer Lebensgefahr. Zudem gehen Dutzende Fensterscheiben zu Bruch.

01.04.2012 15:48
Moritz Zimmermann
Bei einer Anti-Kapitalismus-Demonstration wurden in Frankfurt mehrere Menschen verletzt. Foto: Michael Schick

Ein schwer verletzter Polizist, einige leicht verletzte Demonstranten, zahlreiche eingeschlagene Scheiben und 465 Festnahmen. Das ist die Bilanz der Demonstration gegen den Kapitalismus in der Frankfurter Innenstadt am Samstag. Die Polizei spricht davon mit „massiver Gewalt attackiert“ worden zu sein, die Veranstalter kritisieren das Vorgehen der Einsatzkräfte.

Tausende Menschen haben am Samstag am Europäischen Aktionstag gegen den Kapitalismus teilgenommen. In zahlreichen europäischen Städten und in New York wurde gegen die Krisenpolitik der EU protestiert. In Frankfurt kam es dabei schon kurz nach Beginn der Demonstration zu schweren Ausschreitungen, bei denen ein Polizist schwere traumatische Verletzungen erlitt, und auf der Intensivstation behandelt werden musste. Am Montagmorgen ist er auf dem Weg der Besserung. „Es besteht keine Lebensgefahr. Er wird aber noch einige Zeit im Krankenhaus bleiben müssen“, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Ob der Beamte noch auf der Intensivstation liegt, konnte der Sprecher nicht sagen.

Zahlreiche Verletzte

Auch 14 weitere Polizisten, mehrere Demonstranten und ein Passant wurden verletzt. Bei den Auseinandersetzungen wurden Steine und Flaschen geworfen, die Beamten setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Die Veranstalter sprechen von 6000 Teilnehmern, die Polizei geht von 4000 Demonstranten aus. Innenminister Boris Rhein verurteilte die Gewalt und sprach von „aus ganz Europa angereisten Chaoten“, die den Schutz des friedlichen Demonstrationszuges ausgenutzt hätten.

Die Demonstration hatte um 15 Uhr friedlich am Hauptbahnhof begonnen. Die Stadtverordnete Jutta Ditfurth (Ökolinx) sagte in einer Rede: „Emanzipatorische Linke haben begonnen, miteinander zu arbeiten, über alle Sprachgrenzen hinweg. Das kann uns niemand mehr nehmen.“

Doch schon am jetzigen EZB-Gebäude kam es zu ersten Zwischenfällen. Farbbeutel flogen auf das von den Einsatzkräften hermetisch abgeriegelte Gebäude. Am Kaiserplatz und in der Bethmannstraße zündeten Vermummte Feuerwerkskörper und rissen Steine aus dem Pflaster.

Polizist von Stein am Kopf getroffen

Auf der Berliner Straße warfen die Demonstranten Steine auf die Polizei, wobei ein Polizist am Kopf getroffen wurde. Außerdem gingen etliche Glasscheiben zu Bruch und die Demonstranten rissen Mülleimer aus der Verankerung und beschädigten geparkte Fahrzeuge. Die Polizei ging zunächst nur vereinzelt mit Schlagstöcken gegen die Randalierer vor. Die Veranstalter forderten die Polizei wiederholt auf, die Provokationen zu unterlassen.

Nachdem auf der Berliner Straße die Fensterscheiben der Polizeiwache ebenfalls zerstört wurde, griffen die Einsatzkräfte in der Battonnstraße am Allerheiligentor dann jedoch durch. Der Zug der Demonstranten wurde zerteilt, eine Gruppe von etwa 100 vorwiegend Vermummten vom Rest isoliert. Zudem riegelte die Polizei umliegende Straßen ab und versammelte etliche Einsatzfahrzeuge inklusive Wasserwerfer rund um das Allerheiligentor. Es kam zu zahlreichen vorübergehenden Festnahmen.

Demonstration aufgelöst

Nach Stunden des solidarischen und am Ende erfolglosen Wartens auf ihre isolierten Mitstreiter, setzten die Demonstranten ihren Weg fort. Die Baustelle der EZB erreichten sie jedoch nicht. Stattdessen kündigten sie an, den Protest in die Innenstadt zur Konstablerwache bringen zu wollen. Das verhinderte die Polizei, der Zug wurde gestoppt, die Demonstration vom Veranstalter aufgelöst.

Noch bis tief in die Nacht liefen Polizei- und Demonstrantengruppen durch die Stadt, es kam zu weiteren Sachbeschädigungen und Brandstiftungen. Zudem griffen einzelne Gruppen Geschäfte und deren Personal an. Die Höhe der Sachschäden kann bislang nicht beziffert werden.

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