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Ausländerbehörde in Frankfurt „Die Ausländerbehörde ist ein Problem für den Standort Frankfurt“

Der Frankfurter Unternehmer Dennis Schmoltzi spricht über seine Erfahrungen mit der Ausländerbehörde. Mehr als die Hälfte seiner Mitarbeiter kommen aus dem Ausland.

Unternehmen in Frankfurt
„Bettzeit“-Geschäftsführer Dennis Schmoltzi sieht „ein Problem für den Standort Frankfurt“. Foto: Christoph Boeckheler

Beim Start-up-Unternehmen „Bettzeit“, gehört die Internationalität der Belegschaft zum Geschäftsmodell. Wie Dennis Schmoltzi, der das Unternehmen vor fünf Jahren gegründet hat, im Gespräch mit der FR erläutert, werden seine Produkte, die den Kunden einen besseren Schlaf bescheren sollen, in 16 Ländern vertrieben. Die Belegschaft in der Frankfurter Wilhelm-Leuschner-Straße sei inzwischen auf 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angewachsen – hochqualifizierte und junge Leute: Der Altersdurchschnitt, sagt Kommunikationschefin Simi Schuchert, liege bei 27 Jahren.

30 Nationen sind in der Belegschaft vertreten, erzählen Schmoltzi und Schuchert. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter kämen aus dem Ausland und „nicht alle aus EU-Ländern“. Etwa eineinhalb Jahre habe er jetzt nach einer Person mit bestimmten Qualifikationen gesucht, bis er auf einen Argentinier gestoßen sei, der möglichst schnell anfangen soll, berichtet Schmoltzi. Nun aber muss zunächst bei der Ausländerbehörde eine sogenannnte Vorabprüfung beantragt werden, um sicherzustellen, dass kein Deutscher für den Job infrage kommt. 

Für die Vorabprüfungen ist die Psychologin Leonie Freise zuständig, die sich in das Thema Visa und Aufenthaltsgenehmigungen eingearbeitet hat. Um zu erfahren, wie die Abläufe funktionieren, habe sie bei der Frankfurter Ausländerbehörde 50-mal vergeblich versucht anzurufen – bis sie auf die Idee kam, die Ausländerbehörde von Bad Soden um Rat zu fragen. In anderen Städten wie Groß-Gerau oder Mühlheim scheinen die Behörden offenbar gute Arbeit zu leisten. In Mühlheim werde sogar Englisch gesprochen. Leider habe man in Frankfurt andere Erfahrungen machen müssen, sagen Schmoltzi und Schuchert.

Ein „Kollege mit marokkanischer Abstammung aus dem französischen Team“, habe sich am Vorabend um 20 Uhr in die Warteschlange vor der Ausländerbehörde im Gallus gestellt. Er sei zu diesem Zeitpunkt der 49. in der Schlange gewesen. Als er am nächsten Morgen endlich am Schalter anlangte, sei er wieder weggeschickt worden – „weil er kein Deutsch sprach“. Daraufhin sei er nach Paris gereist und habe sich dort ein Visum geholt.

Viele, die sich um einen Visum bemühen, nähmen deutschsprachige Freunde oder Partner mit. Das ist jedoch auch nur dann von Nutzen, wenn es gelingt, bis zum Schalter vorzudringen. Eine Betriebswirtin aus Hongkong habe viele Stunden, „teilweise Tage“ in den Warteschlangen verbracht. Eine andere Mitarbeiterin aus Indien, die seit Mitternacht gewartet hatte, wurde mit der Begründung wieder weggeschickt, sie habe bereits einen Termin bekommen – allerdings erst in einem halben Jahr. Solange hätte sie sich aber nicht in der Bundesrepublik aufhalten dürfen. „Die Ausländerbehörde ist ein Problem für den Standort Frankfurt“, urteilt Schmoltzi.

In der jüngsten Sitzung des Rechtsaussschusses hatte es erneut Kritik an der Arbeit der Ausländerbehörde gegeben. Deren Leiter Norbert Euler räumte ein, es sei nicht gelungen, entscheidende Verbesserungen zu erreichen. Ihm fehle es in allen Bereichen an Personal. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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