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Attac in Frankfurt Attac ruft zum Widerstand auf

Rund 200 Menschen demonstrieren zehn Jahre nach der Lehman-Brothers-Pleite in Frankfurt für eine Reform der Finanzwelt. Es gibt eine Performance von Attac.

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Als Sklavenarbeiter verkleidete Aktivisten ziehen vor dem Euro-Zeichen am Willy-Brandt-Platz Bulle und Bär. Foto: peter-juelich.com

Die Stimmung ist bedrückend: Wie Gefangene ziehen Männer und Frauen in grauen Ganzkörper-Anzügen, total erschöpft den Karren mit Bulle und Bär vom Willy-Brandt-Platz über die Hauptwache bis zur Börse. Bei manchen dieser „Sklaven der Finanzmärkte“ – wie sie sich nennen – hat man an diesem Samstagmittag Angst, dass sie gleich zusammenbrechen, bei anderen hat es etwas von einer Zeitlupen-Version der Michael-Jackson-Thriller-Choreographie. Erst vor der Börse können sie sich befreien. Sie ziehen ihre grauen Anzügen aus: Darunter tragen sie bunte Kleidung. Die Botschaft: Sie holen sich von Bulle und Bär, die für die Frauen und Männer in Grau für den Finanzmarktkapitalismus stehen, zurück was ihrer Ansicht nach allen Menschen gehört: Bezahlbarer Wohnraum, freie Bildung, Gesundheit für alle.

An diesem 15. September war es genau zehn Jahre her, dass Lehman Brothers, eine der größten US-Investmentbanken, Pleite ging, und damit eine weltweite Finanzkrise auslöste. Das ist auch der Grund, warum die Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerks Attac mit ihrer Performance unter dem Titel „Finance for the People – Für die Vielen, nicht die Wenigen“ zum Protest aufgerufen hatten. Weltweit gab es laut Attac 90 Aktionen. 200 Demonstranten schließen sich laut Polizei in Frankfurt friedlich an. „Unser Wirtschaftssystem geht über Leichen“ oder „Eure Gier tötet“ steht auf den Protest-Schildern.

„Wir wollen nicht nur die Menschen von den Zwängen der Finanzmärkte befreien, sondern auch die Natur, die zunehmend zerstört wird“, sagt Alfred Eibl, der für „Finanzmärkte und Steuern“ bei Attac zuständig ist. Das Netzwerk störe zudem, dass zehn Jahre nach dem großen Crash, immer noch eine „grundlegende Reform des Finanz-und Bankensystems“ trotz Versprechungen der Politik ausgeblieben sei. „Die Jagd nach Rendite und das Konkurrenzprinzip breiten sich immer weiter aus. Schulen, Pflegeheime und Krankenhäuser werden in Anlageobjekte umgewandelt, die Profite bringen müssen. Die Interessen der Schülerinnen und Schüler, der Pflegebedürftigen und Kranken fallen hinten runter“, betont Eibl. Und weiter warnt er davor, dass die Bürger für die Kosten aufkommen müssten, würde es zu einer weiteren schweren Finanzkrise kommen. So plädiert er für kleinere Banken und ein demokratisch kontrolliertes Finanzsystem.

Extra aus Freiburg ist eine 54-jährige Demonstrantin angereist. „Ich selbst war zwar nicht von der Lehman-Brothers-Pleite betroffen, aber ich bin gegen den Neoliberalismus, Aktien, überhaupt bin ich gegen alles, was man verchecken kann.“ Sabine (26) aus Köln sagt: „Statt die Banken zu retten, hätte man das Geld lieber in Bildung oder für Geflüchtete ausgegeben.“ Und sie betont: „Wir müssen von unten, von der Straße aus, Druck machen, ansonsten bewegen sich die Politiker nicht.“ Wenig später werden die Aktivisten von Attac die Paulskirche besetzten.

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