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Atelierfrankfurt Viel Platz für Kunst

150 Kreative arbeiten schon im neuen „Atelierfrankfurt“ im Frankfurter Ostend. Sie residieren in unmittelbarer Nähe zu anderen Kreativen wie dem Ensemble Modern oder der Romanfabrik. Die Eröffnung des „Atelierfrankfurts“ wird vom 19. bis 23 November gefeiert.

Im neuen Gebäude gibt es 130 Räume für Künstler und Kreative. Der Maler Xue Liu (32) hat eines der kleinsten Ateliers. Foto: Andreas Arnold

Noch riecht es nach frischer Farbe. In den langen Gängen hängen provisorische Schilder, die Wände sind unverputzt. Doch hinter den schnöden Stahltüren geht es bereits kreativ zu. Rund 130 Atelierräume gibt es im Haus des Atelierfrankfurt in der Schwedlerstraße im Ostend. Etwa 150 Künstler haben sich in den vergangenen Monaten auf einer Fläche von 11.000 Quadratmetern eingerichtet.

„Über zweieinhalb Jahre waren wir mit der Planung beschäftigt“, sagt Corinna Bimboese von Atelierfrankfurt. Der gemeinnützige Verein gründete das Atelier- und Ausstellungshaus vor zehn Jahren, um Künstlern und Kreativen eine Plattform zu geben. Nun feiern sie in der kommenden Woche Eröffnung – mit einem fünftägigen Festival. Bei wenig Geld müsse man eben Zeit und Geduld mitbringen, so Bimboese.

Das alte Gebäude aus dem Jahre 1912 – zwischen Hanauer Landstraße und dem Osthafen gelegen – wurde als Lagerhaus konzipiert und zuvor von der Commerzbank als Aktenlager genutzt. „Anfangs konnten wir uns nicht vorstellen, wie Künstler und Kreative hier arbeiten sollen“, sagt Bimboese. Da es kaum Zwischenwände gab, wurden sie nachträglich in die sechs Stockwerke eingezogen, auch Strom und Wasser wurden neu verlegt. Die Ateliers sind zwischen 15 und 120 Quadratmeter groß.

Maler Xue Liu hat einen der kleinsten Räume. Viel passt nicht hinein, Schreibtisch, Staffelei und ein kleines Regal füllen sein Zimmer im dritten Stock. Der Absolvent der Städelschule ist trotzdem zufrieden, riesige Arbeiten könne er hier allerdings nicht anfertigen. An der Wand aufgereiht stehen kleinere Bilder mit unterschiedlichen Gesichtern. „Das ist eine Porträtserie von Obdachlosen und Flüchtlingen“, erklärt der gebürtige Chinese. Die Männer und Frauen malte er in einem Heim für Wohnsitzlose in Frankfurt.

Die ursprüngliche Zahl von 45 Ateliers, so viele waren es am alten Standort des Vereins in der Hohenstaufenstraße, hat sich verdreifacht. 34 Ateliers sind nahtlos aus den alten Räumen in der Hohenstauffenstraße ins Ostend umgezogen. Der Rest wurde neu besetzt, schon 120 sind belegt. Etwa 80 Prozent wurden an bildende Künstler und 20 Prozent an Kreative – wie Grafik- und Modedesigner, den Weissbooks-Verlag oder Filmemacher – vergeben.

Damit vor allem die bildenden Künstler eine vergleichsweise niedrige Miete zahlen, staffeln sich die Preise im Gebäude, sagt Bimboese. Vom zweiten bis zum fünften Stock beträgt der Quadratmeterpreis 6,75 Euro kalt, mit Nebenkosten zwei Euro mehr. Das Erdgeschoss ist mit 11 Euro und das Dachgeschoss mit 9,50 etwas teurer. Der Verein selbst verdient nichts mit den Mieteinnahmen. Darum möchte er auch Räume für Veranstaltungen vermieten.

Thomas Werner hat sich in seinem Atelier bereits gut eingerichtet. Die 100 Quadratmeter große Fläche des Malers ist zweigeteilt in einen Arbeits- und einen Aufenthaltsraum mit Schreibtisch und kleiner Kochecke. An den Wänden hängen seine Bilder dicht an dicht. „Mit dem Umzug habe ich auch meine Arbeit umgestellt“, seine Technik und das Material geändert, mache nun mehr mit dem Computer. Werner, zuvor in der Hanauer Landstraße ansässig, wird auch im Atelierfrankfurt von der Stadt gefördert. „Ohne die Unterstützung der Stadt könnte ich das Atelier nicht zahlen“, sagt Werner. Ihm gefällt der Standort; er sei froh, dass er nicht nach Fechenheim oder Offenbach ausweichen müsse.

Geld für Brandschutz benötigt

Das Atelierfrankfurt erhielt ebenfalls Unterstützung von der Stadt. Mehr als eine halbe Million Euro kostete der Umbau. Das Kulturamt finanzierte ihn gemeinsam mit dem Hauseigentümer Michael Loulakis und zahlreichen privaten und institutionellen Spendern. Dem Verein fehlten dennoch 150.000 Euro, um den Brandschutz im Gebäude zu erneuern. Bei einer Benefizaktion durch das Auktionshaus Christie’s, die im September organisiert wurde, kamen rund 82.000 Euro zusammen. „Wir suchen immer nach Sponsoren, sind aber sehr optimistisch“, sagt Bimboese.

Von Anfang an fühlten sie sich mit offenen Armen im Viertel empfangen. Residieren sie doch in unmittelbarer Nähe zu anderen Kreativen wie dem Ensemble Modern, der Romanfabrik oder dem „Lola Montez“ in der Honsellbrücke. Auch die freuten sich, dass das Viertel weiter belebt werde.

Künftig sollen die Künstler auch im Haus essen können. Hans Romanov, der Betreiber des ehemaligen Yachtclubs und des Neglected Grassland, will nämlich einen Mittagstisch anbieten. Noch sind die Räume leer und die Küche nicht eingerichtet. Bevor in der Küche gekocht werden kann, soll ein fünf Meter langer Lastwagen das Essen anbieten. Das sogenannte Vereinslokal soll bis etwa 20 Uhr geöffnet seinn – auch für die Menschen von außen.

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