Lade Inhalte...

„Atelier Frankfurt“ Fast wie bei den Künstlern daheim

„Hessens größtes Kulturzentrum“ an der Schwedlerstraße lädt zu den Open Studios. Viele Interessierte schauen sich bei den Kreativen um.

Open Studios im Atelier Frankfurt
Kontrastreich: die neonfarbenen Striche von Diana Ninov in ihrem Atelier. Foto: Michael Schick

Eng an eng stehen die etwa ein Dutzend Besucher in dem kleinen Raum Nummer 3.02. Grelle, neonfarbene Striche, Rechtecke und Zeichnungen an den Wänden und dem Boden wirken raumeinnehmend. Der Kontrast beim Blick aus dem Fenster im dritten Stock auf die Hanauer Landstraße könnte an diesem grauen Novembertag kaum größer sein. Als das Licht gelöscht wird, leuchten die farbigen Kunstwerke von Diana Ninov noch kräftiger.

Die Kommunikationsdesignerin hat am Samstagnachmittag im „Atelier Frankfurt“ neben mehr als 200 weiteren Künstlern ihren Werkraum für Besuch geöffnet. „Hessens größtes Kunstzentrum“, das seit vier Jahren in der Schwedlerstraße 1 – 5 beheimatet ist, hat am Wochenende zu den „Open Studios“ geladen. Auf sechs Etagen verbirgt sich hinter fast jeder Tür eine neue kreative Werkstatt, die von den schmucklosen, teils unverputzten Gängen des ehemaligen Lagerhauses abzweigen.

Im Erdgeschoss präsentiert eine Kinder-Theatergruppe improvisierte Szenen, bei denen Besucher zuschauen oder auch mitmachen können. „Hereinspaziert“ ist auf einem Schild an der Tür zu lesen. Vier Mädchen und ein Junge spinnen Geschichten um einen Fantasie-Begriff aus, der mal für eine Pizza-Sorte, mal für einen Film herhalten muss. Nebenan lesen Autoren eines Verlages. Ein älterer Mann berichtet in amüsanten Worten von einer Samenspende. Einige Räume weiter bietet ein Modelabel „Stoff für Frankfurt“. Hinter Tarnnetzen ist ein Partyraum – an diesem Tag unbespielt –, der an eine Cafeteria angrenzt. Manch Besucher läuft zunächst etwas irritiert durch das riesige, verwinkelte Gebäude, dessen einzelne Etagen über einen Aufzug, Treppen im Haus sowie zwei Wendeltreppen im Außenbereich mit Blick auf den Innenhof erreicht werden können.

Kunsthistorikerin Ana Karaminova gibt bei ihrer Führung ein wenig Orientierung. „Das Besondere ist, dass die Künstler heute ausnahmsweise ihre Ateliers öffnen“, sagt Karaminova und weiter: „Normalerweise ist das Atelier ein Ort der Isolation, in dem Inspirationen verarbeitet werden“. 

In Diana Ninovs Studio stehen neben ihren Werken Bücher in Regalen, darunter ein Computer auf einem Schreibtisch, Obst und Tee daneben. Nachdem die Künstlerin davon berichtet hat, dass sie vom klassischen Zeichnen gekommen ist, nach und nach ihr Farbenspektrum erweitert hat, sagt sie zum Abschluss: „Ich bin überwältigt von so vielen Menschen“. Besucherin Elisabeth Geurts gefällt die intime Atmosphäre und dass man mit den Künstlern ins Gespräch kommen könne. Die Mainzerin sagt: „Es ist hier viel persönlicher als auf Ausstellungen, weil die Künstler die Türen zu ihren Schaffensräumen öffnen“. Fast sei es, als würde man zu ihnen nach Hause kommen, ergänzt Geurts.

Unterschiedliche Gerüche wehen den Besuchern auf dem Weg durch die Etagen um die Nase. Mal riecht es nach Ölfarbe, mal nach Essen oder etwas muffig. In einem geöffneten Zimmer sitzt ein Mann mit dem Rücken zur Tür in seinem Fotostudio vor seinem Computer und bearbeitet ein Porträt.

Im vierten Stock liegt die Künstlerwerkstatt von Johannes Kriesche. Auf dem nackten, grauen Betonboden sind Farbkleckse zu sehen. An den Wänden seine Werke: Gemälde von Ruderern, Schwimmern sowie Tankstellen als „Lichttempel“. 

„Kunst ist eine große Poesie“, sagt Kriesche, der seine Gemälde mit Paraffin, einem Versiegelungsmittel, bearbeitet und Werke aus Glasperlen herstellt. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen