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Armut in Frankfurt Stadthaus für Obdachlose öffnen

Lokalpolitiker der Frankfurter Innen- und der Altstadt setzen sich dafür ein, dass das Stadthaus zeitweise für Obdachlose geöffnet wird. In der Zeit zwischen 6 und 8 Uhr gibt es für sie kein Angebot.

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Das Stadthaus am Markt liegt rund 900 Meter von der Hauptwache entfernt. Foto: Christoph Boeckheler

„Wenn wir in diesen Tagen auf den Weihnachtsmarkt gehen, frieren wir schon nach einer Stunde“, beginnt Linken-Politiker Eyup Yilmaz seinen Beitrag nicht ohne Pathos. Er wirbt dafür, dass der Ortsbeirat 1 einen Vorstoß der Linken-Fraktion im Römer unterstützt, das Stadthaus am Markt in der Altstadt allmorgendlich für Obdachlose zu öffnen.

Konkret geht es um die Zeit zwischen 6 und 8 Uhr morgens. Bis 6 Uhr können Obdachlose in der B-Ebene der Hauptwache nächtigen, ab 8 Uhr öffnen aber erst andere Einrichtungen für Wohnsitzlose. Während FDP und Teile von SPD und CDU darauf verwiesen, dass sich Obdachlose wie alle anderen Bürger auch danach in der Hauptwache aufhalten dürften, stören sich die Grünen vor allem daran, dass das Stadthaus nicht neben der Hauptwache liegt. „Soll das dann eine Art Prozession über den Römerberg – vor den Augen der Bürger – werden?“, fragt der Fraktionsvorsitzende Andreas Laeuen.

Darin sieht auch Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) ein Problem: „In der Praxis wird der Vorstoß ad absurdum geführt, denn diejenigen, denen geholfen werden soll, werden vorgeführt“, sagte er. Der Aufgang der Hauptwache zum Goetheplatz, wo die Schlafplätze bis 6 Uhr eingerichtet sind, und das Stadthaus trennen rund 900 Meter.

Yilmaz verwies darauf, dass es keine Räume in der näheren Umgebung gibt. Schon im vergangenen Jahr hatte der Ortsbeirat den Magistrat gebeten, eine Lösung für die Zwischenzeit von 6 bis 8 Uhr zu finden – mit der Antwort in diesem Juni, dass es keine Räumlichkeiten hierfür gebe. Das Stadthaus wird von einer Tochterfirma des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten betrieben – der seinen Fokus auf der Arbeit mit Obdachlosen hat. Laut der Linken-Fraktion könnte die Lectron GmbH auch die Versorgung der Obdachlosen sicherstellen.

Die CDU, die mit einem Antrag scheiterte, die Diskussion vorzeitig zu beenden, sehe ebenfalls den Bedarf für eine Lösung, so der Fraktionsvorsitzende Michael Weber. „Wir wollen auch nicht, dass jemand zwischen 6 und 8 Uhr erfriert. Aber das Stadthaus ist nicht der richtige Ort dafür. Es muss eine bessere und nähere Lösung geben.“

Unabhängig davon, ob Obdachlose nun um 6 Uhr raus müssten aus der Hauptwache, müsse es ein Angebot bis 8 Uhr geben, findet der fraktionslose Ralf Schmidt-Berberich. „Es muss eine Möglichkeit geben, wo sich Obdachlose in Würde aufwärmen und umziehen können“, sagte er. Er schlug deshalb auch vor, das Stadthaus als Anlaufstelle in diesem Winter zu testen. „Wir werden dann ja sehen, ob es funktioniert – und haben dann auch Zeit, vielleicht eine bessere Lösung für das kommende Jahr zu finden.“

Dieser Idee folgte sodann eine knappe Mehrheit im Stadtteilgremium. In den Wintermonaten, also ab sofort, soll das neu gebaute Stadthaus morgens zwischen 6 und 8 Uhr als Anlaufstelle dienen. Das Stadthaus sei immerhin aus Steuergeldern finanziert und solle allen Bürgern offenstehen. Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Kai-Oliver Tiffany, hofft, dass in dem Jahr bis zu einer erneuten Diskussion die Kreativität angeregt wird.

Ob das Stadthaus tatsächlich öffnet, muss nun das Stadtparlament bestimmen. Der Antrag wird zunächst in den zuständigen Ausschüssen diskutiert, ehe er auf die Tagesordnung des Plenums kommt.

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