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Armut in Frankfurt Gemeinsam gegen Kinderarmut

Der Frankfurter Jugendring stellt seine Forderungen zur Bekämpfung von Kinder- und Jugendarmut an der Wöhlerschule vor. Die Schüler haben eigene Ideen und der Oberbürgermeister schlägt eine Wette vor.

Mittagessen in Ganztagsschulen
Ein kostenloses Mittagessen in der Schule, das fordert der Frankfurter Jugendring. Foto: dpa

Zögerlich werden die farbigen Zettel nach oben gehalten. Der überwiegende Teil ist rot, ein paar gelbe schnellen noch nachträglich in die Luft, grüne Zettel gibt es fast gar keine. Die Schüler der Wöhlerschule im Dornbusch haben abgestimmt, und der Großteil lehnt die Aussage „Kostenloses Mittagessen an Schulen macht keinen Sinn, weil die meisten es selbst bezahlen können“ ab. Im Laufe des Vortrages werden die Schüler noch mit weiteren Thesen konfrontiert, zu denen sie Stellung beziehen sollen. Die Vertreter des Frankfurter Jugendrings (FJR) schauen gespannt auf die Abstimmungsergebnisse, denn sie stellen ihre Kampagne gegen Kinder- und Jugendarmut vor.

Die Kampagne läuft seit Dezember 2017, und der Jugendring wird in den kommenden Monaten noch weitere Schulen besuchen, um für das Thema zu sensibilisieren. „Kinder verstecken ihre Armut oft. Es wird als Makel gesehen und löst Scham aus“, sagt Sébastien Daudin vom FJR. Auch das führe zu sozialer Ausgrenzung, weil die Kinder Situationen vermeiden wollen, die peinlich sein könnten. Deshalb wolle man alle auf das Problem aufmerksam machen.

Fast jedes vierte Kind in Frankfurt lebt in einer Familie die Hartz IV bekommt. 2015 waren somit 25 675 Kinder betroffen. Eine Diskrepanz, betrachtet man das Bruttoinlandprodukt pro Kopf, das Frankfurt zu einer der reichsten Städte Deutschlands macht. Die Ursachen für Armut – etwa Arbeitslosigkeit, Überschuldung oder Scheidung – könne der Jugendring nicht bekämpfen, aber man versuche die Auswirkungen abzumildern.

Dazu gehöre auch das eingangs erwähnte kostenlose Mittagessen an Schulen, was die FJR-Kampagne fordert. Weitere Punkte sind mindestens eine jährliche Ferienfreizeit für jedes Kind, mehr Kinderspielplätze, mehr Plätze im öffentlichen Raum an denen sich Jugendliche ohne Restriktionen aufhalten können.

Die Schüler des Gymnasiums im Dornbusch formulierten auch eigene Wünsche. Felix ist bereits 18 Jahre und würde sich einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr für alle bis zum Abschluss des Abiturs wünschen. Auch ein Ausbau des Radwegenetzes für eine kostengünstige Fortbewegungsmöglichkeit wurde gefordert. Eine Vertreterin des Elternbeirates wies darauf hin, dass es freien Eintritt in Schwimmbäder für Kinder und Jugendliche geben müsse. Außerdem müssten Schwimmkurse erschwinglich angeboten werden, und die Schulschwimmbäder sollten saniert werden, statt eine zentrale Lösung mit einem Schulschwimmzentrum anzustreben.

Oberbürgermeister Peter Feldmann der ebenfalls vor Ort war, zeigte sich skeptisch angesichts des Schulschwimmzentrums. Er sei ein Fan von kleinen dezentralen Lösungen. Als einen Treffpunkt für Jugendliche brachte er auch die Museen ins Spiel. Als ein Schüler bezweifelte, dass man dort abhängen und sich laut unterhalten könne, schlug Feldmann eine Wette vor. Der Schüler solle 20 Freunde in eins der städtischen Museen mitnehmen und die Probe aufs Exempel machen. Der Oberbürgermeister würde sich im Hintergrund halten und intervenieren, wenn es Ärger oder Beschwerden gebe.

Mehr Infos zur Kampagne gegen Kinder- und Jugendarmut gibt es im Internet unter www.armtm.de.

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