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Archäologischer Garten Geheimgang in den Dom entdeckt

Am Dom legt das Denkmalamt Frankfurt einen von mächtigen Mauern eingefassten geheimen Gang frei: Der König wollte seinerzeit offenbar von seinen Untertanen auf dem Weg von seiner königlichen Pfalz zum Gottesdienst nicht gesehen werden.

Grabungsleiter Semmler macht den Königs-Weg frei. Foto: Schick

Im Schatten des Domturms haben Archäologen mächtige Mauern eines fünf Meter breiten Ganges freigelegt. Als Denkmalamtsleiterin Andrea Hampel den „wertvollen Fund“ aus dem 9. Jahrhundert am Dienstagmorgen vorstellte, sah sie vor ihrem geistigen Auge den König „gemessenen Schrittes und in repräsentativen Kleidern“ durch jenen Gang in die Kirche schreiten. Das Gemäuer lag unter der breiten Freitreppe zum Archäologischen Garten, die im Vorfeld der neuen Altstadt-Bebauung abgebrochen worden ist.

Der König wollte seinerzeit offenbar von seinen Untertanen auf dem Weg von seiner königlichen Pfalz zum Gottesdienst nicht gesehen werden. Und nass werden wollte er auch nicht. 15 Meter lang war die überdachte Verbindung. Laut Expertin Hampel war sie „repräsentativ beleuchtet“ und „ausschließlich dem König vorbehalten“. Allenfalls die Familie werde außer ihm Zutritt gehabt haben. Der erste Herrscher, der hindurchschritt, wird Ludwig der Deutsche gewesen sein. Sein Vater, Ludwig der Fromme, hatte um 822 auf dem Domhügel die Pfalzanlage mit Königshalle erbaut und der Sohn ließ um 855 die Salvatorkirche errichten, ein Kirchlein, das durch die Jahrhunderte zum Dom erweitert wurde.

Da staunen die Touristen, die mit Knöpfen im Ohr und verkabelt mit ihrem Audioguide an den Absperrgittern die Hälse recken. Ob auf Spanisch oder auf Englisch – auch sie suchen dort am Dom akribisch nach Frankfurts Vergangenheit. Jetzt sehen die Gäste die grobe alte Mauer im Erdreich und betrachten, wie Grabungstechniker in dem ausgehobenen Schacht Scherben aus den Erdkrümeln sortieren.

Nach und nach kommt Frankfurts Gründungsgeschichte zum Vorschein. Die Untersuchung des Untergrunds hat das Denkmalamt veranlasst, weil über und neben dem Archäologischen Garten neu gebaut wird, zum Beispiel das „Stadthaus“, in dessen Keller die seit langem freiliegenden Mauern des „Gartens“ als eine Dependance des Archäologischen Museums eingerichtet werden.

Bislang unerforschtes Terrain

Zwar hatte es bereits eine großflächige archäologische Grabung im Bereich der niedergebrannten Altstadt vor Jahrzehnten gegeben. Der Grundstückstreifen vor dem Dom blieb aber ausgespart – vielleicht „weil dieser Teil nicht durch neue Bebauung gefährdet war“, glaubt Andrea Hampel. Unerwartet war die Entdeckung nicht, darum wird man auch „den Bereich komplett freilegen“. Gegenwärtig heben Grabungstechniker neben der dicken Mauer aus dem 9. Jahrhundert eine Kloake aus, die bis ins 18./19. Jahrhundert gefüllt wurde. Eimerweise enthält sie Scherben, die davon erzählen, wer am Dom gelebt hat.

Der Königs-Gang ist für die Ausgräber besonders aufschlussreich; „vergleichbare Baustrukturen“, berichtet die Denkmalschützerin, kenne man hier nicht. Darum müssten bei den Bauarbeiten für die neue Altstadt die Mauern erhalten werden.

Ob sie auch sichtbar bleiben können, liege in der Entscheidung der Bauherrin Dom-Römer-GmbH – also bei der Stadt. Jedenfalls liegt der Fundort nahe dem zu rekonstruierenden Gebäude „Goldene Waage“ laut Plan im Bereich eines kleinen Platzes. Die Bauherrin, hieß es am Dienstag, wolle „die abschließenden Ergebnisse abwarten“.

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