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Arbeitslose Werkstatt Personalmangel belastet Projekte

Die Frankfurter bleiben abends durstig, weil in Berlin ein Gesetz reformiert wurde: Bei der Werkstatt Frankfurt sind deshalb alle Bereiche von Kürzungen betroffen. Folge: Personalmangel. Und verkürzte Öffnungszeiten - wie auch im Tower-Café am Alten Flugplatz.

Wohl bekomm’s – werktags bis 20 Uhr. Für mehr fehlt Geld. Foto: rolf oeser

Traurig, wie der Sommer bisher mit lauschigen Abenden geizt. Noch trauriger, wenn die raren Gelegenheiten dann so abrupt enden wie zurzeit im Tower-Café am Alten Flugplatz in Bonames. „Letzte Runde!“, flötet die Servicekraft werktags den Gästen zu. Verwunderte Blicke auf die Uhr: 19.50 Uhr? Letzte Runde?

Dabei zählte es in früheren Jahren zu den absoluten Freuden der warmen Jahreszeit, den Sonnenuntergang im Café an der Nidda mit tausend quakenden Nachbarn und manchem Igel zu teilen.

Vorbei. „Uns gefällt das auch nicht“, bedauern die außerordentlich tüchtigen Mitarbeiter. „Wir haben seit April geänderte Öffnungszeiten – wegen Personalmangels.“

Seither gilt im Ausbildungsbetrieb der Werkstatt Frankfurt: 20 Uhr Feierabend an drei Werktagen, sonntags um 19 Uhr, an Frei- und Samstagen immerhin um 22 Uhr. Mittags ist höchstens noch ein Fenster zur Selbstbedienung geöffnet. „Das sind die Auswirkungen der sogenannten Instrumentenreform“, sagt Werkstatt-Sprecherin Gabriele Engelmann. „Da wurden die Mittel um mehr als ein Drittel gekürzt.“

Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt

Die viel kritisierte „Reform der arbeitsmarktpolitischen Instrumente“ der Bundesregierung sollte offiziell die Eingliederungschancen für Langzeitarbeitslose stärken. Gewerkschaften und soziale Einrichtungen beklagen, das Gegenteil sei der Fall. Bei der Werkstatt Frankfurt sind alle Bereiche von den Kürzungen betroffen: ob im Second-Hand-Warenhaus „Neufundland“, im Griesheimer Recyclingzentrum für Elektrogeräte, in den Smart-Supermärkten, bei „Ffmtipptopp“, im „Bauwerk“ – überall bleiben Ausbildungsstellen für arbeitssuchende, oft junge Menschen unbesetzt. „Dabei gibt es so viel Nachfrage“, sagt Gabriele Engelmann. Im Tower-Café macht sich der Verlust stark bemerkbar. Drei Viertel der Plätze für angehende Restaurantfachleute sind nicht belegt, bei den Köchen 50 Prozent.

Der Verein versucht mit Aushilfskräften, den Betrieb aufrechtzuerhalten, so gut es geht. Aber er musste die Öffnungszeiten massiv zurückfahren. „Das ist sehr schade und überhaupt nicht in unserem Sinn – aber nicht anders machbar“, sagt Engelmann.

Seine Auszubildenden bekommt der Werkstatt-Verein vom Frankfurter Jobcenter zugewiesen, das gezielt die Qualifizierung für jede einzelne Person vermittelt. Dort stehen in diesem Jahr nur noch 31,5 Millionen Euro für die Schulung Arbeitssuchender zur Verfügung. Voriges Jahre waren es noch knapp 45 Millionen, im Jahr davor 61,6 Millionen. „Wir müssen einsparen“, sagt Sprecher Steffen Römhild. „Das ist immer schwierig und tut natürlich immer weh. Aber es gibt eben einfach nicht mehr Geld.“

Stadt will fünf Millionen investieren

Noch nicht. Aber bald – zumindest ein wenig mehr. Die Stadt Frankfurt plant, sich selbst für die Förderung von Langzeitarbeitslosen zu engagieren – mit fünf Millionen zusätzlich zum ursprünglichen Haushaltsansatz, sagt Manuela Skotnik, die Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). „Wir wollen Maßnahmen mit Mehrfachnutzen fördern“, kündigt sie an: „Projekte wie das Tower-Café passen da im Prinzip rein, aber das ist noch nicht definitiv zu sagen.“ Mehrfachnutzen heißt in dem Zusammenhang: „Erstens die Qualifizierung Arbeitssuchender, zweitens etwas für die Stadtgesellschaft tun, drittens Arbeitskräfte für die Wirtschaft ausbilden.“

Noch hat das städtische Programm keinen Namen. Es fällt in die Rubrik „Allgemeine Arbeitsmarktförderung“. Letztlich muss ihm der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) zustimmen, indem er den Frankfurter Haushaltsplan genehmigt.

Werkstatt-Sprecherin Gabriele Engelmann lobt jedenfalls schon mal, dass sich die Stadt der Situation angenommen hat – und geht mit gutem Beispiel voran: Kommenden Sonntag ist nachmittags Markt und abends „Green Table Dinner“ vor dem Tower-Café.
An der langen Tafel auf dem Rollfeld will sie selbst mit anpacken. Genug Personal wird dann auf jeden Fall da sein, verspricht sie. Und am Einsatzwillen der Tower-Leute hat es sowieso noch nie gefehlt.

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