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Apfelwein-Messe Der erste Schluck entscheidet

Kelterer aus 17 Ländern stellen auf der Apfelweinmesse aus, darunter große Marken und kleine Manufakturen.

Apfelweinmesse
Wohl bekomms: Verkostung eines italienischen Cidre. Foto: Michael Schick

Ein wenig ist es wie in der Liebe. Der erste Kuss, in diesem Fall der erste Schluck, sagt Michael Stöckl, müsse Lust auf den zweiten machen. Macht er das nicht, wird es eng. Da endet das geschmackliche Wohlwollen oftmals schon nach Sekunden. Stöckl ist Initiator der Cider World, der Frankfurter Apfelweinmesse. Und die ist ein Schmelztiegel des fruchtigen Weines. Knapp einhundert Aussteller sind angereist in das Gesellschaftshaus des Palmengartens. Und wer bisher meinte, Frankfurt habe so etwas wie den Alleinherrschaftsanspruch über den Apfelwein, der wird hier eines Besseren belehrt. Aus 17 Ländern kommen die Kelterer.

Davy Uprichard ist Cider-maker aus Belfast, ein gedrungener Herr mit rundem Gesicht. Er ist einer derjenigen, die eingeladen wurden, das diesjährige Gastland Irland zu vertreten. Der Unterschied zwischen irischem Cider und deutschem Apfelwein sei der, dass es in Deutschland mehr Apfelsorten gebe, sagt Uprichard. Das eröffne natürlich auch geschmacklich mehr Möglichkeiten.

2009 hat Stöckl die Messe ins Leben gerufen. Als ausgebildeter Sommelier habe er immer schon eine Leidenschaft für Apfelwein gehabt. Es sei einfach ein tolles Getränk. Ein Eindruck, der mehr und mehr Zuspruch findet in der Gesellschaft. Die Menschen schätzten die Eigenschaften des Apfelweins immer mehr, der Trend dauere seit 25 Jahren an.

Auf zwei Etagen sind die Stände aus aller Welt aufgebaut. „Vollgas zu den Iren?“, fragt ein Mann seine Freunde. Die allerdings zeigen sich noch etwas zögerlich. Andere streichen auf ihrer Liste ab, an welchen Ständen sie sich schon durchgekostet haben. Und wieder andere schütten gläserweise Apfelwein weg – was einem Todesurteil für selbigen gleichkommen dürfte. Neben den großen bekannten Namen gibt es auch kleine Manufakturen.

Apfelwein mit Identifikationspotenzial

„Born in the Wetterau“ ist so eine. Sperriger Name, juveniles Auftreten. Geschäftsführer Kjetil Dahlhaus kommt eigentlich aus der Werbebranche. Sein Produkt: „Apfelwein mit Identifikationspotenzial“. Einen ehrlichen Schoppen biete man, sagt Dahlhaus. Will heißen: handgemacht und bodenständig. Seit 2014 gibt es das kleine Unternehmen auf einem im Frankfurter Großraum eigentlich übersättigten Markt. Doch Vielfalt mache den Apfelwein stark, sagt Dahlhaus.

Hinzu kommt nun allerdings noch der Cider aus dem Ausland. Näher am Apfelsaft sei der, sagt Stöckl, wesentlich süßer als der hiesige Apfelwein. Sebastian von Höfer Jäckel sieht darin viel Potenzial für Deutschland. Gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern betreibt er von Bayern aus eine Website, auf der sie Cider aus aller Welt vertreiben. Sie wollen das Getränk im Land des Bieres bekannter machen. Österreich und die Schweiz sollen bald folgen. Der Cider, sagt Sebastian von Höfer Jäckel, sei einfach ein „geiles Produkt“: frisch und lecker. Auf der Messe suche man nach Partnern. In die engere Wahl komme, wer nachhaltig produziere und handgemachten Cider anbiete. An einem irischen Stand probiert er einen solchen gemischt mit Erdbeere. Nach dem ersten Schluck fällt sein Urteil positiv aus. Es scheint, als könne sich da etwas entwickeln.

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