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Antisemitismus-Vorwurf in Frankfurt Abraham Melzer darf nicht lesen

Die Saalbau storniert einen Mietvertrag für eine Lesung des Publizisten Abraham Melzer in Frankfurt. Hintergrund ist ein Beschluss des Stadtparlaments, dem Antisemitismus in der Stadt keinen Raum zu geben.

Antisemitismus
Der Publizist Abraham Melzer darf sein Buch „Die Antisemitenmacher“ nicht im Bürgerhaus Gallus vorstellen. Foto: Imago

Die Saalbau Betriebsgesellschaft hat den Mietvertrag für eine Lesung des deutsch-israelischen Publizisten Abraham Melzer storniert. Der 72-Jährige hatte kommende Woche sein Buch „Die Antisemitenmacher“ im Bürgerhaus Gallus vorstellen wollen. „Nach eingehender Recherche über die Inhalte der Buchvorstellung kann die Veranstaltung am 13. Oktober im Saalbau Gallus nicht stattfinden“, teilte die Tochtergesellschaft der ABG Frankfurt Holding Melzer nun in einem kurzen Schreiben mit, das der FR vorliegt.

Die Saalbau bezieht sich dabei auf den vergangene Woche im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtparlaments gefällten Beschluss, „Antisemitismus keinen Raum geben“ und im Speziellen der Israel-Boykott-Bewegung „BDS“ keine Räume mehr vermieten zu wollen. ABG-Geschäftsführer Frank Junker sagte der FR, die Absage sei auf diese Beschlussfassung der Stadt zurückzuführen. „Wir wollen nicht, dass Räume der Stadt von Personen genutzt werden, die antisemitische Gruppierungen unterstützen.“ Melzer, der die Lesung nicht im Namen der BDS angemeldet hatte, habe durch sein Auftreten im Ausschuss verdeutlicht, dass er bei der Buchvorstellung Positionen der BDS unterstützen werde, so Junker.

Juristische Schritte angekündigt

Melzer bezeichnete die Kündigung der Saalbau gegenüber der FR als „Unding“. Den Vorwurf, ein Antisemit zu sein weise er entschieden zurück. „Meine halbe Familie ist in Auschwitz umgekommen. Ich bin in Israel aufgewachsen, habe in der israelischen Armee gedient. Ich liebe Israel, aber ich liebe es nicht blind“, betonte der Publizist, der bereits rechtliche Schritte eingeleitet hat. Sofern die Saalbau ihre Entscheidung bis Anfang kommender Woche nicht zurücknehme, werde er vor Gericht ziehen – „ich bin bereit bis zum Bundesgerichtshof zu gehen. Es geht darum, dass ich in diesem Land frei reden darf. Ich lasse mir nicht den Mund verbieten.“

Frank Junker sagte, er betrachte einen Rechtsstreit mit Melzer „völlig entspannt“. „Das ist sein gutes Recht. Ich bin selbst Jurist, ich sehe dem gelassen entgegen.“ 

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