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Antisemitismus Kein Davidstern mehr im Fenster

Elishewa Patterson aus dem Frankfurter Ostend hat ihre Israel-Flagge von der Fensterbank geräumt. Der Grund: Unbekannte beschmierten das Fenster der Aktivistin mit einem Hakenkreuz und dem Spruch "Juden raus".

Jahrelang stand die Flagge Israels auf Elishewa Pattersons Fensterbank im Ostend. Nun hat die in Frankfurt geborene Jüdin den Davidstern mit den blauen Streifen weggeräumt. Seit vor zwei Wochen ein Hakenkreuz und der Spruch „Juden raus“ an ihr Wohnzimmerfenster geschmiert wurden, traut sich die Anwältin nicht mehr, an dieser Stelle Flagge zu zeigen.

„Als ich das gesehen habe, ist mir das Herz in die Hose gerutscht“, erinnert sich Patterson an den 12. Juni, als sie die Schmierereien entdeckte. Ihre Tochter habe geweint. Die Polizei wurde gerufen, das Fenster gereinigt. Doch der Schock bleibt: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

„Subtilerer“ Antisemitismus ist für Patterson indes traurige Normalität: Neulich hätten Eltern ihren Kindern verboten, mit Pattersons Sohn zu spielen – und auf dem Spielplatz falle schon mal das Wort „Scheißjude“. Besonders ärgert sich Patterson darüber, dass sie oft in Mitverantwortung genommen werde für alles, was in Israel geschieht: „Als ob Juden eine homogene Masse wären.“ Wobei sie „grundsätzlich solidarisch mit Israel“ sei.

Als Vorsitzende des Jüdischen Kulturvereins Ostend steht Patterson in der Öffentlichkeit. Keinesfalls mindere sie jedoch nun ihr Engagement. Im Gegenteil: Seit kurzem organisiert sie Demonstrationen für die Freilassung dreier bei Bethlehem entführter Israelis. Letzten Freitag seien 50 Leute gekommen: Auf dem Nibelungenplatz skandierten sie „Bring back our boys“ und sangen die israelische Nationalhymne. Diesen Freitag wird die Aktion um 14 Uhr wiederholt.

Die israelische Flagge wird Patterson jedoch vorerst nicht wieder ans Fenster stellen – auch, weil sie sich um ihre Kinder sorgt. „Das“, so sagt sie, sei „die eigentliche Katastrophe“: „Ich lebe in einem Land, in dem die israelische Flagge nicht gezeigt werden kann.“ Laut Polizeisprecher André Sturmeit seien antisemitische Schmierereien im Stadtgebiet „ein Phänomen, das nur ganz selten vorkommt“. Patterson beruhigt das nicht.

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