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Antisemitismus Anschlag auf Jüdin

Unbekannte haben in der Nacht zum Donnerstag eine Flasche in das Badezimmer einer Frankfurter Jüdin geworfen und „Judenschwein“ gerufen. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist empört.

Bei einer Frankfurter Jüdin wird nachts ein Fenster eingeworfen. Der Staatsschutz hat Ermittlungen wegen Beleidigung und Sachbeschädigung aufgenommen. Foto: privat

Nach einer Reihe antisemitischer Schmierereien und einem Drohanruf bei einem Frankfurter Rabbiner haben Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag eine volle Bierflasche in das Badezimmerfenster einer bekannten Frankfurter Jüdin geworfen.
Wie die Frau, die sich in der Vergangenheit immer wieder öffentlich gegen Antisemitismus positioniert hatte, der Frankfurter Rundschau sagte, habe sie gegen ein Uhr in der Nacht einen lauten Knall am Fenster gehört und sei daraufhin auf den Balkon gelaufen. Sie habe laut gefragt: „Was machen Sie denn da?“ Als Reaktion habe jemand „Judenschwein“ gerufen – und noch andere, unverständliche Beschimpfungen von sich gegeben. Die Fensterscheibe wurde durch den Wurf beschädigt. Aus Angst vor weiteren Attacken wollte die Frau vorerst anonym bleiben.

Politischer Hintergrund der Tat

Ein Sprecher der Polizei bestätigte den Vorfall am Donnerstag auf Nachfrage. Da die Frau antisemitisch beleidigt worden sei, gehe man von einem politischen Hintergrund der Tat aus. Deshalb habe der Staatsschutz bereits Ermittlungen wegen Beleidigung und Sachbeschädigung aufgenommen. Bislang habe man keine Hinweise auf die mutmaßlichen Täter, sagte der Sprecher. Man befrage die Nachbarn der Frau und hoffe darauf, dass sich weitere Zeugen meldeten.

Der erneute Vorfall passt in eine mittlerweile lange Reihe antisemitischer Übergriffe, die sich in den letzten Wochen in Frankfurt ereignet haben. Mitte Juni war die Parole „Juden raus“ an das Fenster einer jüdischen Familie geschmiert worden. Anfang Juli waren antisemitische Parolen an der Baumweg-Synagoge und der Anne-Frank-Bildungsstätte im Dornbusch entdeckt worden. Auf einer antiisraelischen Demonstration vor knapp drei Wochen war immer wieder die Parole „Kindermörder Israel“ skandiert worden.

Zuletzt hatte ein Unbekannter in der vergangenen Woche einem Frankfurter Rabbiner damit gedroht, 30 in der Stadt lebende Juden zu ermorden, falls seiner Familie im Gazastreifen etwas zustoßen sollte. In ganz Deutschland kommt es verstärkt zu antisemitischen Übergriffen, seitdem der Konflikt zwischen Israel und der islamistischen Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, Mitte Juli militärisch eskaliert ist.

Mangelnde Unterstützung durch Stadtgesellschaft

Der Sprecher von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Ralph Klinkenborg, sagte der FR am Donnerstag, Gewalt gegen Sachen und erst recht gegen Personen könnten „nicht geduldet werden“. Der Vorfall müsse aufgeklärt werden und strafrechtliche Konsequenzen haben. Feldmann habe sich stets dafür eingesetzt, „dass die Juden hier in Frankfurt in Ruhe und ohne Angst leben können“, sagte Klinkenborg. Durch die Vorfälle der vergangenen Wochen seien für den Oberbürgermeister „Grenzen überschritten“ worden. Neben der Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft sei für Feldmann klar, „dass die Stadtgesellschaft mit den jüdischen Mitbürgern Solidarität zeigen muss“.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat unterdessen mangelnde Unterstützung durch die Zivilgesellschaft beklagt. „Warum gibt es keine Welle der Solidarität mit uns Juden angesichts der Welle von Antisemitismus?“, fragte Dieter Graumann, der Vorsitzende des Zentralrats, in einem Interview mit der „Rheinischen Post“. Viele Juden fühlten sich von den normalen Bürger allein gelassen, da Solidaritätsbekundungen bisher nur von der politischen Elite kämen, sagte Graumann.

Hinweise zur Tat nimmt die Frankfurter Polizei jederzeit unter Telefon 069 / 755 53111 entgegen.

 

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