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Antaios-Verlag Ein Tumult und sein Nachgang

2017 sorgt der rechtsextreme Antaios-Verlag mit seiner Präsentation auf der Buchmesse für Schlagzeilen und stilisiert sich seitdem als Opfer.

Frankfurter Buchmesse 2017
Ein Auftritt der rechtsextremen Identitären am Antaios-Verlag auf der Buchmesse 2017 löste Tumulte aus. Foto: Michael Schick

Es waren Szenen, mit denen irgendwie alle gerechnet und auf die manch einer auch wohl gewartet hatte. Am 14. Oktober, dem Buchmesse-Samstag, herrscht am späten Nachmittag in Halle 4.2. Chaos. Gegendemonstranten unterbrechen mit lautem Protest die Veranstaltung des rechtsextremen Antaios-Verlages. Rund 100 von ihnen stehen ebenso vielen Anhängern von Verleger Götz Kubitschek gegenüber. Auf der Bühne zwei Vertreter der völkischen Identitären Bewegung. Im Publikum: AfD-Anhänger, bekannte Neonazis und Autoren des Antaios-Verlages. Es kommt zu Rangeleien. Die Bilder gehen durch die Medien.

Kubitschek und sein Verlag können ihre Veranstaltung nicht wie geplant abhalten. Eigentlich eine Niederlage, die jedoch binnen Stunden in einen Erfolg umgemünzt wird. Die rechte Medienmaschinerie gibt den Spin vor: Der Gegner - die politische Linke - habe sich desavouiert. Die Provokation sei gelungen. Der Identitären-Chef Martin Sellner aus Österreich postet ein Video mit dem Titel „Übernahme einer Buchmesse“.

Doch es ist nicht allein der zur politischen Tugend erhobene Narzissmus der „Neuen“ Rechten, der diese Umdeutung möglich macht. Auch bürgerliche Kommentatoren - insbesondere solche, die nicht vor Ort waren - übernehmen das Opfer-Narrativ der Rechten. Manche auch gleich die Wortwahl: Deutschlandfunk Kultur etwa berichtet von „linksextremen Gegendemonstranten“. Quelle: ein Gespräch mit Antaios-Autorin Caroline Sommerfeld.

Ein knappes halbes Jahr später bei der Leipziger Messe läuft es für Kubitschek und Co. nicht mehr ganz so rund. Die Messe hat unter anderem entschieden, alle rechten Verlage örtlich zusammenzufassen - was unter anderem zur Absage der Teilnahme der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ führt. Tumulte gibt es dennoch. Doch diesmal verfängt das rechte Opfernarrativ nicht. Auch weil gefilmt wird, wie Unterstützer des Antaios-Verlages handgreiflich werden.

Mehrere Verlage verklagten Antaios auf Unterlassung

Das Geschehen auf der Frankfurter Buchmesse hatte indes auch noch das eine oder andere Nachspiel abseits der Öffentlichkeit. Mehrere Verlage verklagten Antaios auf Unterlassung. Der Verlag hatte 2017 in Frankfurt ein Flugblatt mit Buchempfehlungen anderer Verlage für „das konservative, rechtsintellektuelle Milieu, das AfD-Milieu“ verteilt.

Auf Unterlassung klagen wollte auch Antaios-Autor Martin Semlitsch. Dieser hatte es dem Historiker und Publizisten Volker Weiß übel genommen, dass dieser im Gespräch mit einer österreichischen Tageszeitung von einen klar antisemitischen Twitter-Dialog Semlitschs während der Buchmesse berichtet hatte. Vertreten wurde Semlitsch in der Angelegenheit von Jochen Lober aus Köln - ein als rechter Szene-Anwalt geltender Jurist aus Köln. Weiß verweigerte die Abgabe einer Unterlassungserklärung - und hat seitdem von Semlitsch und Lober eigenen Angaben nach nichts mehr gehört.

Ob es dieses Jahr auf der Buchmesse zu ähnlichen Szenen kommen wird wie 2017, wird im wesentlichen davon abhängen, ob andere rechte Verlage versuchen werden, das Konzept von Kubitschek zu kopieren. Antaios selbst hat bislang keinen Stand angemeldet.

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