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Anschlagsgefahr Frankfurt rüstet sich gegen den Terror

Nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz sucht die Stadt nach einem wirksamen Schutz gegen Lkw. Die tonnenschweren Barrieren bereiten nicht nur ästhetische Probleme.

Zufahrtsblockaden
Um einem möglichen Terroranschlag vorzubeugen, hat die Stadt tonnenschwere Betonpoller am Opernplatz, der Freßgass und der Hauptwache aufgestellt Foto: Michael Schick

Aus der Sorge um mögliche Terroranschläge mit Fahrzeugen will Frankfurt seine Plätze und Straßen an vielen Stellen umgestalten. „Die Sicherheit hat höchste Priorität“, betonte Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) am Montag. Die Stadt hat dazu in den vergangenen Wochen ein Ingenieurbüro beauftragt, das sich nach geeigneten Lösungen umschauen und Empfehlungen aussprechen sollte.

Bereits Anfang des Jahres hatte die Stadt auf die abstrakte Terrorgefahr reagiert und tonnenschwere Betonpoller am Opernplatz, der Freßgass und der Hauptwache aufgestellt. Die Quader waren zuvor temporär beim Museumsuferfest zum Einsatz gekommen und sind seit Januar an den genannten Orten eine Zwischenlösung, die keine Schönheitspreise gewinnt, wie Stadtrat Frank selbst einräumte. Die Stadt hatte seinerzeit verkündet, langfristig auf versenkbare Poller zu setzen, sich bei der Suche danach aber etwas Zeit zu lassen, da einige Hersteller signalisiert hätten, an besseren Lösungen zu arbeiten.

Ingenieur Bernd Frenz, den die Stadt am Montag eingeladen hatte, seine Rechercheergebnisse zu präsentieren, kann das bestätigen: „Der Anbietermarkt ist sehr stark in Bewegung.“ Fast wöchentlich kämen neue Lösungen auf den Markt. Denn wie Frankfurt haben auch andere Kommunen das Problem, in ihren Innenstädten nicht sehr tief bauen zu können und so tonnenschweren Lastwagen auf Abwegen kaum Masse entgegensetzen zu können. Zudem gilt es, wie es Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) nennt, „eine ästhetische Herausforderung“ zu bestehen.

Die neueste Entwicklung vieler Anbieter im Spagat zwischen Masse und Ästhetik sind sogenannte Stadtmöbel. So referierte der beauftragte Ingenieur Frenz über crashgetestete Fahrradständer, Sitzbänke und Blumenkübel, die durch eine gewisse Einbautiefe Schutz vor Fahrzeugen bieten sollen.

Ordnungsdezernent Frank zeigte sich erleichtert. „Ich habe eine große Sorge genommen bekommen wegen der Einbautiefe.“ Die crashgetesteten Fahrradständer etwa haben laut Frenz ein „wirksames Innenleben“, eine Einbautiefe von 21,6 Zentimetern, und es soll sie ab 400 Euro pro Stück geben.

Bislang hat Frankfurt etwa eine Million Euro in die Abwehr der latenten Gefahr von Terroranschlägen durch Lastwagen oder andere Fahrzeuge investiert. Mit der Umrüstung kommen auf die Stadt weitere Kosten zu, die laut Frank aber nicht das Problem seien. „Es wird nicht am Geld scheitern.“ Vielmehr fürchtet Frank nun die „ästhetischen Diskussionen“, die sich bei der Umgestaltung der einzelnen Plätze abzeichnen würden.

Betonpoller sollen schöneren Stadtmöbeln weichen

Nach der Vorarbeit des Ingenieurbüros sollen nun zunächst Stadtplanungsamt und Straßenverkehrsamt ihre Einschätzungen abgeben, wo die teuren versenkbaren Poller notwendig sind oder wo es vielleicht auch ein paar Sitzbänke oder Fahrradständer tun, die in der Innenstadt ohnehin gebraucht werden. Danach will Frank auch die Stadtverordneten mit einbeziehen, an welchem Ort sich welche Barriere am besten macht.

Dabei sollen nicht nur die bestehenden Betonquader ersetzt, sondern auch bisher nicht geschützte Orte, etwa in Sachsenhausen oder Höchst, sicherheitstechnisch aufgerüstet werden. Dies soll laut Frank am besten dann passieren, wenn an den Örtlichkeiten ohnehin Umbaumaßnahmen geplant sind. „Bei Umbaumaßnahmen wird es künftig auch immer eine Gefährdungsanalyse geben“, kündigte Frank an. Denn crashsichere Fahrradständer seien gar nicht so viel teurer als normale, wenn die Umrüstung im Zuge eines ohnehin geplanten Umbaus erfolgte.

Bis die wenig ansehnlichen Betonpoller am Opernplatz durch formschöne Stadtmöbel oder versenkbare Poller ersetzt werden, dürfte laut Frank aber noch etwa ein halbes Jahr vergehen.

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