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Anne Frank Spuren in Wehmut

Anne Frank wurde vor 85 Jahren in Frankfurt geboren. In der Stadt finden sich noch Spuren von der Autorin des berühmten Tagebuchs, die 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen starb.

12.06.2014 11:14
Beate Rohkohl-Hildenbrand
Ganghoferstraße 24 - hier lebte die Familie Frank von April 1931 bis März 1933. Foto: Christoph Boeckheler

An der Hauswand der Villa im Dornbusch hängt seit 1957 eine Gedenktafel für Anne Frank. Dort, in der Ganghoferstraße 24 im Dichterviertel, wohnte sie mit ihrer Familie von 1931 bis 1933. Die Mieterin, die nun seit knapp zehn Jahren in diesem Haus lebt, ist den Umgang mit wildfremden Menschen gewohnt. Es kommt oft vor, dass einzelne Leute, Gruppen oder Schulklassen plötzlich vor ihrem Haus stehen. „Manche denken, hier wäre ein Museum“, sagt die Mieterin, „aber es sind Privatwohnungen.“

Anne Frank wäre heute 85 Jahre alt geworden. Im Laufe der Jahre hat es schon viele Menschen ins Dichterviertel gezogen, um sich auf die Spurensuche des Mädchens zu begeben, das im Konzentrationslager Bergen-Belsen 1945 starb. Sie alle haben die kleine Gedenkplakette am Zaunpfosten mit einem Zitat von Anne Frank aus ihrem Tagebuch gelesen: „Die endgültige Formung eines Charakters hat jeder selbst in der Hand.“

Viele Besucher sind es gewesen. Die Mieterin erinnert sich noch gut an einige. Die Kanadier, zum Beispiel, die eines Tages vor der Tür standen. Vielleicht weil sie ihre eigenen Wurzeln suchten. „Das war eine nette Begegnung“, erzählt die Bewohnerin.

Spaziergang ums Geburtshaus

Doch wie ist es eigentlich, in einem so bekannten Haus zu wohnen? „Am Anfang habe ich oft in den Hof geschaut und an das Foto von Anne Frank gedacht, das sie in einer Holzkiste hier im Hof zeigt“, erzählt die Mieterin. „Aber irgendwann gewöhnt man sich daran.“

Idyllisch muss es damals im Dichterviertel gewesen sein. Denn auch jetzt noch ist der Straßenlärm weit weg, es gibt viel Grün. Allerdings war damals das Nachbargrundstück zur Linken noch nicht bebaut. Daher wirkt das alte Haus auf historischen Fotos viel größer.

Zweite Station: das Geburtshaus von Anne Frank. Es liegt zwei U-Bahnstationen entfernt in weniger idyllischer Lage. Der Marbachweg ist eine Durchgangsstraße, im Haus mit der Nummer 307 hat die Familie Frank von 1927 bis 1931 gewohnt. Aber auch dieses Haus wirkt wie aus der Zeit gefallen. Keine Zeichen von Modernisierung wie Rollläden oder Parabolantennen stören den Eindruck. Allein die große Birke an der Straßenseite macht den Zeitsprung deutlich: Sie war zur Zeit von Anne Frank ein kleines Bäumchen.

Von der Seitenstraße lässt sich ein Blick auf den Balkon werfen. Es gibt ein Foto, das zeigt Anne auf dort dem Schoß einer Zugehfrau. Ihre Mutter ist ebenso auf dem Bild, drei Nachbarskinder und Schwester Margot sitzen auf dem Schoß des Hausmädchens.

Als Familie Frank damals ins Haus Nummer 307 zog, war der Marbachweg noch unbefestigt, auf der anderen Straßenseite befanden sich Felder und Wiesen. Ganz so grün ist es heute nicht mehr. Doch Spuren von Anne Frank finden sich immer noch. Anlässlich des 85. Geburtstags lädt die Bildungsstätte Anne Frank am heutigen Donnerstag, 12. Juni, zu einem Spaziergang rund um das Geburtshaus ein. Treffpunkt ist um 17 Uhr in der Hansaallee 150.

Die Bildungsstätte Anne Frank ist ein Ort, an dem sich Jugendliche und Erwachsene mit der Geschichte des Nationalsozialismus und ihren vielfältigen Bezügen zur Gegenwart auseinandersetzen können. Dabei bilden die Biografie und das Tagebuch von Anne Frank den Ausgangs- und Bezugspunkt.

Anne Franks Cousin zu Besuch

Eine weitere Aktion der Bildungsstätte ist die festliche Preisverleihung heute um 11 Uhr zum Abschluss des Jugendwettbewerbs „Anne Frank heute“. Das Team der Bildungsstätte wollte bei der Ausschreibung wissen, welche Bedeutung Anne Frank für die Jugendlichen von heute hat. Der Weg sollte über die Kunst führen: Über 150 Kunstwerke sind inzwischen angekommen. Darunter ein Erinnerungsschrank und eine Schülerzeitung mit einem fiktiven Interview, verrät, Eva Berendsen, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

An der Veranstaltung nimmt auch Anne Franks Cousin Buddy Elias mit seiner Frau Gerti teil. Er ist der letzte lebende direkte Verwandte von Anne. Seit dem Tod von Otto Frank, Annes Vater, im August 1980, verwaltet Elias über den Anne-Frank-Fonds die Autorenrechte am Tagebuch.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bs-anne-frank.de oder unter der Telefonnummer 069/5 60 00 20.

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