Lade Inhalte...

Andenken Eine Straße für Fritz Bauer

Über 500 Namen stehen auf der städtischen „Vorschlagsliste zur Straßenbenennung“. Doch einer fehlt: An den Aufklärer Fritz Bauer (1903 bis 1968) hat dabei bisher noch keiner gedacht. Das soll sich jetzt ändern: Freunde des Naxos-Kinos möchten den verstorbenen Generalstaatsanwalt würdigen.

Foto: picture-alliance/ dpa

Per offenem Brief ergeht an die Mitglieder des Stadtparlaments von Bürgern die Aufforderung, „eine Straße oder einen Platz der Stadt nach dem 1968 verstorbenen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer zu benennen und ihm die Ehrenbürgerwürde zu verleihen“. Und zwar soll es „eine markante Straße oder ein nicht zu kleiner Platz sein“ – so schließt das Schreiben.

Unterzeichner ist Wolf Lindner, Leiter des Naxos-Kinos. Dem nämlich gehen Leben und Sterben des unerschrockenen Juristen, des leidenschaftlichen Moralisten Fritz Bauer seit Monaten nicht mehr aus dem Sinn. Denn Ende November ist in der Naxoshalle an der Wittelsbacherallee die Hessen-Premiere der Dokumentation „Fritz Bauer– Tod auf Raten“ gelaufen. Und wie schon bei der Biennale und im Berliner Zeughaus-Kino zuvor, erfuhr der Film von Ilona Ziok in Frankfurt einen enormen Andrang und rührte die Emotionen auf.

Mancher Zuschauer fühlte sich im „trotz ausgeteilter Decken unterkühlten Saal“ direkt „in das Klima im Nachkriegsdeutschland“ versetzt, resümiert die Humanistische Union, die vertreten war. Sie vergibt im Namen ihres Gründungsmitglieds Fritz Bauer regelmäßig einen Preis für bürgerrechtliches Engagement.

Streit nach Film-Premiere

Wolf Lindner hatte das Interesse für die Film-Premiere angeheizt, indem er die Ankündigung mit dem Titel „Fritz Bauer ermordet?“ unter die Leute brachte. Vielleicht auch darum entbrannte um den Film nach der Hessen-Premiere beinahe ein ebensolcher Streit wie einst um die Person Fritz Bauers selbst. Auf dessen Betreiben nämlich hatte 1952 ein Braunschweiger Gericht festgestellt, dass Widerstand in der Nazi-Zeit nicht als Landesverrat anzusehen, das Regime vielmehr als ein Unrechtsstaat zu gelten hat. Das entsprach nicht Volkes Meinung, der seit 1956 als Hessischer Generalstaatsanwalt Tätige wurden bedroht und angefeindet.

Als man ihn 1968 mit Schlaftabletten im Magen tot in der Badewanne seiner Frankfurter Wohnung fand, kursiert bald die These von Selbstmord oder Mord. Die Film-Dokumentation verzichtet aber darauf, „die Ergebnisse der vorliegenden einfachen Obduktion zu benennen“, wie die Filmemacher selber feststellen. Die Frage blieb weiter im Raum, warum damals keine „gerichtliche Obduktion nach der Strafprozessordnung“ von der Staatsanwaltschaft beantragt worden war.

Man habe „den Blick auf das Werk von Fritz Bauer nicht durch Mord- oder Verschwörungstheorien verstellen“ wollen, hieß es. Auf die Art blühten diese neu auf.

Nicht zuletzt, weil ein öffentliches Andenken an den Initiator der hier 1963 eröffneten Auschwitz-Prozesse in Frankfurt fehlt, war der Film entstanden, sagte die Autorin im Filmgespräch nach der Premiere. Der Name des Fritz Bauer Instituts (zur Erforschung der Wirkung des Holocausts) werde doch „vorrangig im akademischen Bereich wahrgenommen“, hieß es im Publikum.

In Stuttgart, wo Bauer geboren wurde, hat man dem seit 1933 von den Nazis verfolgten und 1935 emigrierten Juristen bereits 2003 einen Weg gewidmet. Seit 2010 ist er dort Namensgeber einer Straße im Stadtteil Sillenbuch. An seinem Beispiel ließen sich einige Aspekte der deutsch-jüdischen Geschichte zeigen, hieß es.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen