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Altstadt Ein Offenbacher als Ideengeber

Dominik Mangelmann legte schon 2004 sein Konzept zur Rekonstruktion der Altstadt vor.

Im Sommer 2005 stellt ein junger Mann der Frankfurter SPD seine Rekonstruktionspläne für die Frankfurter Altstadt vor. Fraktionschef Klaus Oesterling begrüßt den Gast mit den Worten, dieser studiere Bauingenieurwesen und gehöre der CDU an. Aber das Schlimmste sei: „Er ist Offenbacher.“ Die Rede ist von Dominik Mangelmann, der für sich in Anspruch nimmt, mit seinem Konzept von 2004 den Anstoß für die Debatte um den Wiederaufbau der im Bombenhagel von 1944 zerstörten Häuser gegeben zu haben.

Der heute 40-Jährige, der die jahrelangen Debatten nicht nur verfolgte, sondern selbst kräftig mitdiskutierte, ist zumindest den Insidern bekannt. Für manche Architekten ist der Bauingenieur ein rotes Tuch, weil er seine Meinung recht unverblümt mitzuteilen pflegt. So bezeichnete er die von einem renommierten Büro geplante Rekonstruktion für das berühmte Rote Haus, das neben der Goldenen Waage auf dem Krönungsweg vom Römer zum Dom das zweite herausragende Gebäude in der einstigen Altstadt war, im Dom-Römer-Sonderausschuss als „inhaltlich falsch“. Es habe mit der Bauforschung nichts zu tun. In den Entwürfen seien historische Zusammenhänge nicht erkannt worden.

„Es gab ein Riesen-Trara“, erinnert er sich. Unter vier Augen teilten andere sein Auffassung, einer habe ihm gegenüber von einem „Mickey-Mouse-Fachwerk“ gesprochen. Als Quatsch bezeichnet der profunde Altstadtkenner die Behauptung, der Name des dreistöckigen Fachwerkhauses rühre daher, dass es mit Ochsenblut angestrichen worden sei. Ochsenblut werde nach wenigen Minuten braun, Er vermutet, der Name habe mit dem roten Sandstein zu tun, der beim Bau zum Einsatz gekommen sei.

Mangelmann hat sich mit seinen kritischen Bemerkungen nicht beliebt gemacht. Aber immerhin wurde die Dom-Römer GmbH als Bauherrin des historischen Quartiers hellhörig und beauftragte den Offenbacher gemeinsam mit dem Architekten Jochem Jourdan vor zwei Jahren mit der Überarbeitung der Pläne nicht nur für das Rote Haus.

Viel zu retten gab es aber nicht mehr. Ein Umbau hätte viel Geld und Zeit gekostet. Zwar seien einige Fehler korrigiert worden. „Doch das Rote Haus ist leider nur eine Kulisse“, sagt Mangelmann. Entgegen früherer Handwerkskunst sei altes und nicht frisches Eichenholz verwendet worden. Nach seinen Worten ist der über Jahrhunderte gewachsene Gebäudekomplex nicht historisch korrekt errichtet worden. Die Abfolge der Balken entspreche nicht der alten Bauweise. Im Prinzip handle es sich um einen „technischen Industrieholzbau“, urteilt Mangelmann, fügt aber als Trost hinzu, die Mängel seien kaum wahrzunehmen, weil das Fachwerk verputzt worden sei.

Kritisch sieht der Offenbacher auch die Säulenkonstruktion. Die Holzstämme seien ausgehöhlt und mit einem Stahlgestell im Innern ergänzt worden. Im Prinzip seien also auch die Pfeiler nur Kulisse. Er befürchtet, dass die Stahlstützen Kondenswasser bilden könnten und das Holz dann von innen heraus faulen werde.

Mangelmann, der für die CDU seit 2001 im Offenbacher Stadtparlament sitzt, einen langen Zopf trägt, gerne harte Rockmusik hört, mit der Familie in einem Fachwerkhaus lebt und alte Handwerkskunst schätzt, ist durch Zufall zum Rekonstruktionsexperten der Frankfurter Altstadt geworden. Dem Studenten fiel eines Tages eine alte Postkarte des Fünffingerplätzchens in die Hand. Es war die Zeit, als über den Abriss des ungeliebten Technischen Rathauses diskutiert wurde. Ihn packte der Ehrgeiz. Er wollte herausfinden, was sich im innersten Kern der früheren Altstadt rekonstruieren ließe.

Auf Pauspapier zeichnete er über einem alten Grundriss die alten Häuser ein und erstellte später eine Computeranimation. Ende Dezember 2004 stellte er der Jungen Union und vier Monate später dem Ortsbeirat seine Ideen vor. Es geschah nichts. Ein Parteifreund riet ihm, die Koalitionsfraktionen anzusprechen. Das tat er. Oesterling von der SPD habe das Projekt gut gefunden, die FDP habe es zur Kenntnis genommen, und die Grünen seien distanziert gewesen, sagt er. Die CDU lud Mangelmann nicht ein.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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