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Alte Oper Frankfurt LevelEleven: Skandinavische Stimmgewalt

Schon für sich allein stehen die A-cappella-Formationen „The Real Group“ und Rajaton aus Schweden und Finnland für eine starke Leistung. Kommen die Sänger aber wie am Sonntag in der Frankfurter Alten Oper zu „LevelEleven“ zusammen, dann bricht sich eine Stimmgewalt Bahn, die das geneigte Publikum noch öfter hören möchte.

27.04.2015 14:07
Wolfgang Heininger
Treten seit 2013 zusammen auf: The Real Group aus Schweden und Rajaton aus Finnland. Foto: Pro Arte

Für sich sind die beiden Songgruppen seit langem erfolgreich. Das schwedische Quintett The Real Group wurde bereits 1984 in Stockholm gegründet und gilt inzwischen international als bekanntestes musikalisches Aushängeschild des Landes. Seit nunmehr 28 Jahren tingeln die ehemaligen Studenten der königlichen Musikakademie mit ihrer Mischung von klassischen Stücken bis zum Pop, darunter immer mehr Eigenkompositionen durch die Welt. Nach den Abstechern in Hannover und Frankfurt werden sie zu weiteren Konzertreisen außerhalb ihrer Heimat nach Japan, Italien und in die USA aufbrechen.

Bodenständiger sind ihre sechs finnischen Kolleginnen und Kollegen geblieben. 1997 in Helsinki aus der Taufe gehoben bedeutet der Name Rajaton zwar grenzenlos, doch bevorzugen sie zum einen die Interpretation des heimatlichen Liedgutes, das allenfalls einmal ins Englische transkribiert wird. Zum anderen sind ihre Auslandsbesuche nicht so häufig, auch wenn es sie in diesem Jahr noch nach Kanada und Irland zieht.

„Lasst uns erfreuen herzlich sehr“

Neben Folk in dieser ausdrucksvollen, bunten finnischen Sprache, der auch die Sami-Traditionen in Lappland umfasst, setzt Rajaton vor allem auf sakrale Musik, etwa in Form von Chorälen. Da verwunderte es nicht, dass LevelEleven sein Konzert am Sonntag mit dem deutschen österlichen Kirchenlied „Lasst uns erfreuen herzlich sehr“ (englisch: All Creatures) aus dem 17. Jahrhundert einleitete. Rajaton hat allerdings noch mehr drauf, vertonte Stücke von Queen und Abba und setzt ebenfalls zunehmend auf eigene Arrangements und Kompositionen.

Verantwortlich für Letztere zeichnet dafür meist der Mann mit dem unglaublichen Bass, der 42-jährige Jussi Chydenius. Sein Stimmvolumen bereitet der Verstärkeranlage derart Probleme, dass sie schon ein wenig übersteuert klingt. Und mit Anders Edenroth und Anders Jalkéus von der schwedischen Abteilung bilden die drei ein Schlagzeug- und Rhythmusensemble, das sich gewaschen hat. Das trägt die übrigen Sänger nicht nur, sondern lässt zudem nicht eine Sekunde eine instrumentale Begleitung vermissen.

Es war eine verschworene, dennoch große Fangemeinde, die sich da am Sonntag in der Alten Oper auf Einladung von „Pro Arte“ zusammengefunden hatte. Die genau wusste, was da in den nächsten zweieinhalb Stunden auf sie zukommen würde und entsprechenden Vorschussapplaus verteilte. Und dies, obwohl die beiden Gruppen erst seit 2013 zusammen auftreten.

Nur der Michel aus Lönnberga fehlte

Die revanchierten sich artig und ließen es auch ordentlich krachen, etwa bei der Nordischen Polka, die die skandinavische Melancholie vergessen ließ. Sowohl von den Stimmen als auch vom Programm war alles dabei, was die Besucher mehr und mehr zu Beifallssstürmen hinriss. Variationen zu Mozarts 40. Symphonie, Eleanor Rigby von den Beatles, die Eigenkomposition „Water“, die auf die Knappheit von Trinkwasser aufmerksam macht ... Die Bandbreite war so groß wie die Macht der elf Stimmen. Und niemand hätte sich gewundert, wenn sich auch noch der „Michel aus Lönneberga“ musikalisch unter die Akteure gemischt hätte.

LevelEleven ist ein gelungenes Experiment. Dem Veranstalter gebührt Lob dafür, es nach Frankfurt geholt zu haben. Und es steht zu hoffen, dass die beiden Formationen noch häufig miteinander zu hören sein werden.

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