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Alt-Sachsenhausen Frankfurter Polizisten im Partyviertel

Platzverweise und Randale: Unser Autor hat eine Nacht mit Polizisten und ihrer Body Cam im Frankfurter Partyviertel Alt-Sachsenhausen verbracht.

Video-Dokumentation
Die Polizisten ziehen durchs Amüsierviertel. Foto: Rolf Oeser

Die Body Cam bleibt also zunächst ausgeschaltet. Aber sie wird zum Einsatz kommen, da sind sich die Polizisten sicher. Womöglich um sogenannte Solidarisierungseffekte zu unterbinden, von denen die Polizei regelmäßig berichtet. Einmal zum Beispiel kontrollierten die Beamten einen mutmaßlichen Hooligan, der mit neun Freunden unterwegs war. Der Mann habe versucht, sich der Kontrolle zu entziehen, es ging hoch her. Nur zwei Polizisten standen zehn nicht gerade zierlich wirkenden Männern gegenüber. Doch die Freunde des Verdächtigen griffen nicht ein. Mit Sicherheit, weil die Kamera lief, so die Polizei.

In Alt-Sachsenhausen ist jetzt der maximale Party-Level erreicht. Und dazu gehört, ein rot-weiß-gestreiftes Hütchen, das an Baustellen als Absperrung eingesetzt wird, auf dem Kopf zu tragen. Findet zumindest ein Mitglied einer Gruppe von augenscheinlich betrunkenen jungen Männern. Die Polizisten können über das Erscheinungsbild weniger lachen. Sie vermuten, dass die Absperrung von irgendeiner Baustelle geklaut wurde. Die Kontrolle der jungen Leute beginnt – und damit Diskussionen ohne Ende. Jede Ansage der Polizisten wird nochmal und nochmal kommentiert. „Haben Sie nichts Besseres zu tun“, fragt einer der Jugendlichen die Beamten. Einsatzleiter Falk Heinrich scheint eine solche Frage nicht zum ersten Mal zu hören – und er scheint wenig Lust auf eine allzu ausführliche Antwort zu haben: „Jetzt sind wir hier, und jetzt kümmern wir uns um diesen Sachverhalt und haben gerade nichts Besseres zu tun“, erklärt er dem jungen Mann.

Schließlich scheint alles geklärt, die Baustellenabsperrung wird abgelegt, doch dann fangen die Jugendlichen auch noch an, sich gegenseitig zu schubsen. Den Polizisten reicht es, sie greifen den Wortführer heraus und durchsuchen ihn. Kommissarin Hofmann erklärt dem Mann, dass die Kamera läuft, und drückt auf den Knopf an der Weste. Verbotene Gegenstände hat er nicht dabei. Die Polizisten belassen es bei einer Ermahnung. Sollten die Jugendlichen nochmal auffallen, bekämen sie einen Platzverweis. Doch so weit kommt es nicht. Folglich werden die Aufnahmen von der Kontrolle nach sechs Monaten gelöscht. So sieht es der Datenschutz vor.

Im Jahr 2017 gab es 26 Aufnahmen, die länger gesichert wurden, weil sie in einem Strafverfahren als Beweismittel dienten. Doch es ist eine andere Zahl, die die Body Cam in den Augen der Polizei zu einem Erfolgsmodell werden ließ. Die Zahl der Widerstandshandlungen in Alt-Sachsenhausen ist um mehr als 40 Prozent zurückgegangen, seit die Kamera eingesetzt wird.

In dieser Nacht müssen sich die Beamten zwar noch den Ruf „ACAB“ anhören (die Abkürzung steht für „All Cops are Bastards“). Tätlich angegangen werden sie aber nicht. Dennoch landen zwei Männer in Gewahrsam. Sie waren Platzverweisen nicht nachgekommen. Die Body Cam bleibt in beiden Fällen ausgeschaltet.

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