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Alltagsseximus „Männer, hört auf mit euren dummen Anmachen!“

Ein Jahr nach der #Metoo Bewegung wird zwar mehr über Themen wie Alltagssexismus gesprochen. Aber auf der Straße gehen die dummen, plumpen Anmachen weiter. Das ist respektlos. Also Schluss damit.

Demonstration gegen sexualisierte Gewalt und sexistische Übergriffe
Demonstration gegen sexistische Übergriffe: Viele Frauen werden täglich mit Alltagssexismus konfrontiert. Foto: imago

„Heute ist dein Glückstag, ich ficke heute alles“, sagt dieser Typ an der Hauptwache. Ein paar Wochen später auf der Mainzer Landstraße bin ich auf dem Rad unterwegs, und da sagt ein anderer Herr: „Also, wenn du deinen Rock noch weiter hochziehst, haben wir alle etwas davon.“

Seit Jahren muss ich mir so dumme, plumpe, widerliche Anmachsprüche anhören. Meinen Freundinnen geht es ähnlich. Meistens sind wir so geschockt, dass uns die Worte fehlen. Es ist einfach so respektlos! Muss ich bodenlange, weite Röcke anziehen und aufhören, die Lippen rot zu schminken, damit ich in Ruhe gelassen werde? „Das war doch nur ein Witz“ oder „Na ja, ich habe dich doch nicht vergewaltigt“, sind häufige Antworten von Männern.

Klar ist es keine Vergewaltigung, und damit will ich es auch nicht gleichsetzten. Aber diese Sprüche möchte keine Frau hören. Zwischen Kompliment und dummer Anmache liegen Welten. Ich habe das Gefühl, dass zwar seit der „Me Too“-Debatte mehr darüber in der Öffentlichkeit gesprochen wird, aber leider erreicht es nicht die Männer, die so dumme Sprüche weiterhin ablassen. Ein junger Mann sprach mich an mit: „Ich bin dir die letzten 20 Minuten hinterhergelaufen. Lass uns ausgehen.“ Er verstand nicht, dass das unheimlich war. Ich wurde ihn nur los, weil ich beteuerte, einen Freund zu haben. Leider ist das meist die einzige Möglichkeit. Ein normales Nein wird nicht akzeptiert. Ätzend.

Aber nicht nur auf der Straße hört man so was. Auch bei einem früheren Arbeitgeber gab es einen Vorgesetzten, der zu spät kam und sagte: „Sorry, ich hatte gestern Sex und musste noch duschen. Übrigens dein Hintern gefällt mir.“ Widerlich. Von meinen männlichen Freunden höre ich solche Geschichten nie. In einem Zumbakurs sagte ein Trainer: „Ich wünsche euch heute Abend viel Sex.“ Was soll das? Ich glaube auch nicht, dass es mit einem ernsthaften Flirtinteresse zu tun hat.

Denn welche Frau reagiert auf so etwas und ruft: „Geil, heute ist mein Glückstag! Vielen Dank, dass du mich erhörst und mich fickst.“ Sehr unwahrscheinlich. Es geht doch vor allem um Macht. Gepose.

Männer, hört auf damit.  

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