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Alex Meier Eintracht-Fans demonstrieren für den Fußballgott

Etwa 300 Eintracht-Fans treffen sich am Stadion und fordern einen neuen Vertrag für Alex Meier. Eine Online-Petition verspricht Freibier.

Alex Meier-Demonstration
Die Forderung des Tages: Alex Meier muss bleiben! Foto: Rolf Oeser

Als Alex Meier zu Eintracht Frankfurt kam, war Marco Russo acht Jahre alt. Seinen Lieblingsverein kann sich der 22-Jährige ohne den schlaksigen Torjäger schwer vorstellen. Daher hat Russo, ein Frankfurter Bub, wie er selbst sagt, eine Demonstration für den Verbleib von Meier bei der Eintracht auf die Beine gestellt. „Es ist einfach ein Unding und nicht nachvollziehbar, wie man mit jemandem so umgehen kann, der so lange im Verein ist“, sagt Russo den gut 300 Fans, die seinem Aufruf gefolgt sind und sich am Sonntagnachmittag im Schatten des Waldstadions versammelt haben. Russo hatte den Aufruf bei Facebook gestartet und nach der dortigen Resonanz noch mit deutlich mehr Teilnehmern gerechnet, aber enttäuscht sei er nicht.

Die versammelten Fans sind gut drauf, die Rede von Russo wird mehrfach durch Sprechchöre unterbrochen. Die müssen dann auch nicht unbedingt mit Alex Meier zu tun haben. Ein Sprechchor wie „Deutscher Pokalsieger“ oder „Europapokal“ darf es schon auch sein. Russo erträgt die Unterbrechungen geduldig, der junge Mann freut sich über die gute Stimmung und sagt abschließend: „Bitte Herr Bobic, überdenken Sie das nochmal, der Mann gehört einfach zur Eintracht dazu.“

Dann übergibt Russo das Mikro an Konstantin Sold. Der hat seit 14 Jahren eine Dauerkarte bei der Eintracht, genauso lange, wie Meier im Verein war. „Wir müssen uns nicht alles gefallen lassen, den Abschied von Alex Meier per Pressemitteilung zu verkünden, war unter aller Sau“, findet er. Sold holt zum Rundumschlag gegen die Kommerzialisierung im Fußball aus, redet sich richtig in Rage. Bis ein freudscher Versprecher für gute Stimmung sorgt. Statt „Alex Meier“ rutscht Sold „Eintracht Meier“ heraus. Großes Gejohle und spontane „Eintracht Meier“-Sprechchöre sind die Folge. Wenn Sportvorstand Fredi Bobic sage, er handele im Sinne von Eintracht Frankfurt, dann müsse er wissen, dass der Verein aus den Fans und den Mitgliedern bestehe. Und die wollten nun mal einen neuen Vertrag für den langjährigen Torjäger.

Sold hat eine Online-Petition gestartet, um einen neuen leistungsbezogenen Einjahresvertrag für den Fußballgott zu erkämpfen. Wenn ausreichend Leute mitmachen, will Sold sogar 1000 Liter Freibier springen lassen. Bis Sonntagabend hatten knapp 1300 Personen die Petition unterzeichnet.

Terrence Troesch steht im hinteren Teil der Menschenmenge und sieht die Sache recht differenziert. Sportlich sei es richtig gewesen, den Vertrag eines Großverdieners im Verein nicht zu verlängern. „Aber gerade in der Europa League wäre es wichtig, einen erfahrenen Spieler wie ihn dabei zu haben“, findet der Vorsitzende des Eintracht-Fanclubs „New York“.

Manch einer ist auch nur aus Neugier zum Stadion gekommen, um mal zu sehen, wer da überhaupt kommt, wenn dazu aufgerufen wird, sich an einem sonnigen Sonntag vor einem leeren Stadion und einer verwaisten Geschäftsstelle zu versammeln. Auch zwei Fernsehsender sind vor Ort. Dass Fußball-Fans für den Verbleib eines verdienten Spielers demonstrieren ist ein Novum im bezahlten Fußball. Der Reporter eines Bezahlsenders hat Russo vor die Kamera gebeten. Das Interview läuft etwas holprig, der 22-Jährige ist „kein Medienprofi“, wie er unumwunden zugibt, findet aber, der Verein solle jetzt für Meier da sein. Als das Interview im Kasten ist, gibt es von den umstehenden Fans spontanen Applaus. Nur einer widerspricht und betont noch, es ginge ja hier nicht um ein Gnadenbrot für Meier. Die Leistung des 35-Jährigen sei schlicht gut genug für eine Weiterbeschäftigung als Spieler.

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