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Aktionsbündnis Gegen Glyphosat-Einsatz in Frankfurt

Das „Aktionsbündnis glyphosatfreies Frankfurt“ fordert, dass alle kommunalen Flächen künftig ohne das Pestizid bewirtschaftet werden.

Glyphosat
Das „Aktionsbündnis glyphosatfreies Frankfurt“ hat zu einer Podiumsdiskussion im Haus am Dom geladen. Foto: dpa

Immer wieder gibt es Applaus, wenn Sätze auf dem Podium fallen wie: „Schluss mit Glyphosat-Einsatz“, oder „Schluss mit dem Einsatz aller Pestizide“. In den USA gibt es Sammelklagen gegen den Saatgut-Riesen Monsanto, der vor Kurzem vom Leverkusener Bayer-Konzern übernommen worden ist. Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen.

Zu der Veranstaltung am Freitagabend im Haus am Dom hat das „Aktionsbündnis glyphosatfreies Frankfurt“ eingeladen. Dieses hat sich im März aus den Frankfurter Kreis- und Ortsverbänden von Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Greenpeace, Naturschutzbund Deutschland (NABU), Naturfreunden und dem Ernährungsrat Frankfurt gegründet. Ihr Ziel: Einen Magistratsbeschluss zu erwirken, dass alle kommunalen Flächen inklusive landwirtschaftlicher Böden und stiftungseigener Flächen zu 100 Prozent glyphosatfrei bewirtschaftet werden. Vorbild sei da unter anderem die Landeshauptstadt Wiesbaden.

Andreas Damm ist Landwirt des Schelmenhäuser Hofs in Bergen-Enkheim. Er selbst nutzt Glyphosat. Er baut Gemüse an. Neben ihn steht Bio-Landwirt Hans-Jürgen Müller aus Nordhessen, der auch Sprecher der Vereinigung Ökologischer Landwirtschaft ist. Er nutzt Kleegras als Alternative. Denn wenn man Kleegras zwischen dem Getreide anbaut, lässt es keinerlei Platz für Unkräuter. Damm sagt: „Ich kann nicht als Alternative Kleegras anbauen. Das ist nicht zu bezahlen, wenn ich 20 Prozent meiner Fläche nicht nutze.“ Er habe auch kein Vieh wie Müller, an das er das Kleegras verfüttern könnte. „Ich bräuchte zudem viel mehr Personal, wenn ich das Unkraut per Hand wie früher zupfen müsste“, sagt er.

Ein weiteres Problem sei, dass er sein Land von 900 Eigentümern, von denen nur einer die Stadt Frankfurt ist, gepachtet hat. „Wie soll ich nur die Parzellen der Stadt, die ein Teil einer Riesen-Fläche sind, nicht mit Glyphosat besprühen? Das ist unmöglich.“

Außerdem gäbe es das Pflanzenschutzmittel nicht ohne Grund: „Es schützt vor Knollenfäule, eine gefürchtete Krankheit an Kartoffeln.“ Und er sagt, dass Biobauern als Schutz vor Krankheiten Kupfer einsetzten: „Und ob Schwermetalle gesünder sind, weiß ich nicht.“

Es sind auch Stadtpolitiker gekommen: Ursula auf der Heide (Grüne), Pearl Hahn (Linke) und Jan Klingelhöfer (SPD). Die beiden Koalitionspartner SPD und Grüne wie auch die Linken-Opposition sind gegen Glyphosat. „Wir haben auch die CDU eingeladen, die für den Einsatz von Glyphosat ist, aber da hatte angeblich keiner Zeit“, sagt Claudia Lenius vom Aktionsbündnis glyphosatfreies Frankfurt.

Ursula auf der Heide bedauert, dass der Koalitionspartner seine Meinung nicht öffentlich vertritt. Denn an der CDU im Stadtparlament scheiterten bislang die Bemühungen der Dreier-Koalition, einen stufenartigen Ausstiegsplan zu entwickeln. „Aber nicht gegen, sondern mit den Landwirten zusammen“, betont auf der Heide. Ein paar Ziele seien schon erreicht: „Schon seit 25 Jahren werden von der Stadt auf Sportanlagen und öffentlichen Grünanlagen keine Herbizide mehr eingesetzt.“

Auch die Kleingartenverordnung der Stadt verbiete den Einsatz von Herbiziden. Das werde aber nicht überprüft. „Laut meinem aktuellen Stand spritzt die VGF nicht mehr auf ihren Gleisen“, so auf der Heide. Die Deutsche Bundesbahn allerdings verwende Glyphosat noch. Andrea Graf vom Bund für Umwelt- und Naturschutz sagt, bei 70 Prozent der Deutschen ließe sich im Urin Glyphosat nachweisen: „Kleingärtner bekommen unaufgeklärt Glyphospat im Baumarkt, und sie sprühen das auf Mauern, wo unsere Kinder spielen.“ Die Auswirkungen seien verheerend: „Insekten- und Vogelrückgang“, so Ina Walenda (Naturfreunde), die aus Schleswig-Holstein berichtet. Sie betont, dass alle Pestizide eine Gefahr seien und verboten werden müssten. „Pestizide findet man im Grund- und Trinkwasser. Landwirte begeben sich in Gefahr. In Frankreich, wo viel mehr Pestizide eingesetzt werden, ist Parkinson eine anerkannte Berufskrankheit.“ Moderator Florian Schwinn (HR) merkt an, dass in den USA nun noch aggressivere Pestizide eingesetzt würden. Denn das Unkraut sei gegen Glyphospat resistent geworden.

Auf der Heide verspricht, dass sie bald einen Runden Tisch organisiert. „Wichtig ist zudem, dass die Bürger aktiv werden.“ 

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