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Ärzte in Frankfurt Zu viele Ärzte in der Stadt

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen zeigt auf, wie gut die Stadt Frankfurt mit Medizinern versorgt ist – ein trügerisches Bild.

Arztpraxis
Wer hinter der Tür im Warteraum sitzt, hat Glück, in Frankfurt einen Arzt gefunden zu haben. Foto: imago

Frankfurt ist überversorgt mit Kinderärzten – zumindest auf dem Papier. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, Frank Dastych, präsentierte in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses die Zahlen von Kinderärzten und Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche. Der Versorgungsgrad liegt in beiden Bereichen bei über 100 Prozent. Doch der subjektive Eindruck ist oft ein anderer.

Zunächst erklärte Dastych die Grundlagen der Bedarfsplanung durch die KV Hessen. Diese wurde Anfang der 90er Jahre eingeführt. Die damalige Anzahl der Hausärzte wurde als 100 Prozent genommen, da die Versorgung als ausreichend gut angesehen wurde. 

Bis heute ist diese Zahl unverändert, so dass ein Hausarzt sich um 1671 Einwohner kümmern soll. Bei Kinderärzten sollen 2405 Patienten unter 18 Jahren auf einen Arzt in Frankfurt kommen.

Dastych berichtete, dass zum 1. März dieses Jahres 66 Kinderärzte in der Stadt praktizierten. Der Versorgungsgrad liege bei 115,6 Prozent, die Stadt sei damit überversorgt. Bei der Verteilung der Niederlassungen zeigte sich eine klare Ballung im Innenbereich Frankfurts. „Die beste Relation hat aber Frankfurt-Höchst“, sagte der Vorstandsvorsitzende, der HNO-Arzt ist. 

Am besten versorgt ist Frankfurt-Höchst

In den zurückliegenden Jahren wurden zahlreiche Praxen verlegt. In diesem Zusammenhang sieht der KV-Chef sowohl einen Trend zu Gemeinschaftspraxen, als auch zu Teilzeitbeschäftigung und Anstellungsverhältnissen. Als positiv bezeichnete Dastych den Nachfolgebedarf. Demnach müssen 41 Prozent der Kinderärzte bis 2030 altersbedingt einen Nachfolger finden. Der hessische Durchschnitt liegt bei 52 Prozent. In den vergangenen drei Jahren wurde immer ein Nachfolger gefunden.

Im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie gibt es in der Stadt 91 Ärzte (Stichtag 1. März). Auch hier liegt der Versorgungsgrad weit über 100 Prozent. Allerdings sei die Quote bei der damaligen Festlegung verfälscht worden, weil nicht alle praktizierenden Psychotherapeuten als 100 Prozent angenommen worden seien, so Dastych. Dies spiegle sich nun in Versorgungsgraden von bis zu 400 Prozent in einigen Teilen Hessens wider. Die Nachfolgequote von Frankfurter Kinder- und Jugendpsychotherapeuten liege mit 59 Prozent ebenfalls über dem hessischen Durchschnitt.

Als eines der größten Probleme der Bedarfsplanung machte Dastych die nicht aktuellen Bevölkerungszahlen aus. Gut zwei Jahre hinke die Planung der tatsächlichen Bevölkerungszahl hinterher. „In einer dynamisch wachsenden Stadt wie Frankfurt ist das natürlich besonders kritisch.“ In Hessen seien mehr Ärzte erforderlich und die Zeitkapazität müsse steigen. Gleichzeitig teilte er aber mit, dass die Frankfurter Kinderärzte momentan nicht zu 100 Prozent ausgelastet seien. Wer also einen Kinderarzt suche, bekomme auch einen. „Das ist dann aber oft nicht der Wunscharzt.“ 

In den Versorgungsgraden spiegele sich allerdings auch nicht wider, dass Pendler von außerhalb in Frankfurt einen Arzt zum Beispiel in der Mittagspause aufsuchten. „Das lässt sich aber nicht so leicht ändern. Wenn wir die Zahlen dementsprechend anpassen, gibt es im ländlichen Raum weniger Ärzte, obwohl die älteren Leute dort nicht so mobil und auf kurze Wege angewiesen sind.“

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