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Ärzte in Frankfurt Linke will Gesundheitskioske

Weil Kinderärzte in Frankfurt fehlen, fordert die Partei als Ergänzung Stadtteilangebote. Vorbild ist ein Projekt in Hamburg.

BGH-Urteil zu Schutzimpfungen
Auch gesunde Kinder müssen regelmäßig zum Arzt - etwa für Vorsorgeuntersuchungen oder zum Impfen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Es gibt zu wenige Kinderärzte. Das meinen nicht nur viele Eltern, die auf der Suche nach einem Arzt für ihren Nachwuchs sind, sondern auch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV Hessen). Der Verband fordert deshalb von den Krankenkassen, Geld für 15 zusätzliche Artzsitze in Hessen. Denn anders als bei Bäckern oder Supermärkten ist die Anzahl der Ärzte, die in einem bestimmten Bereich eine Praxis eröffnen dürfen, politisch vorgegeben, um eine wohnortnahe Versorgung zu gewährleisten.

Zusätzlichen Bedarf sieht die KV in sechs Landkreisen und vier Städten (siehe Infobox). Frankfurt aber ist nicht dabei. Hier, erläutert KV-Sprecher Karl M. Roth, gebe es statistisch gesehen sogar eine Überversorgung. Aber auch er sieht, dass die Praxen voll und die Mediziner ausgelastet sind. Das liege aber vor allem daran, dass Eltern heutzutage schneller zum Arzt gingen als früher. Zum einen täten sich Eltern schwerer damit, auch bei fiebernden Kindern einfach mal abzuwarten, merkt er an. „Die Fähigkeit richtig einzuschätzen, ob man warten kann, nimmt ab“, sagt Roth.

Wann ist ein Arztbesuch wirklich nötig? 

Hinzu komme, dass es auch neue Handlungsfelder gebe. So gebe es mehr der sogenannten U-Untersuchungen, bei denen der Entwicklungsstand von Kindern ärztlich überprüft wird. Und Eltern müssten häufiger zum Arzt gehen, um sich selbst eine Krankschreibung für den Arbeitgeber zu besorgen, um sich ums Kind kümmern zu können. Eltern sollten sich daher öfter fragen, ob ein Artztbesuch wirklich nötig sei.

Weil viele Eltern genau darauf keine richtige Antwort finden, schlägt die Linken-Fraktion im Stadtparlament nun eine Ergänzung zur ärztlichen Betreuung vor: In den Stadtteilen könnten Einrichtungen installiert werden, in denen ausgebildetes Personal Eltern berät und durch eine erste medizinische Einschätzung die Praxen entlastet.

Die Idee dieser „Gesundheitskioske“ kommt nach Recherchen der Linken-Fraktionsvorsitzenden Dominike Pauli aus Finnland. Aber auch in Hamburg habe die Krankenkasse AOK ein entsprechendes Pilotprojekt gestartet. Eine erste Evaluierung hat laut der Ärztezeitung „Ärzteblatt“ ergeben, dass es im ersten Jahr mehr als 3000 Beratung in verschiedenen Sprachen gegeben habe. Inzwischen habe sich der Gesundheitskiosk zu einer festen Institution entwickelt, zitierte das „Ärzteblatt“ Anika Jurkuhn von der AOK Rheinland/Hamburg.

„Das wäre auch für viele Frankfurter Stadtteile eine gute Ergänzung des medizinischen Angebots“, sagt Pauli. Einen entsprechenden Antrag fürs Stadtparlament erarbeitet ihre Fraktion gerade.

Ärzte-Versorgung in Hessen: Hessenweit gibt es 477 niedergelassene Kinderärzte. Sie erfüllen gemeinsam 403 Versorgungsaufträge. Das heißt, nicht alle Mediziner arbeiten Vollzeit. 

In Frankfurt gibt es 71 niedergelassene Kinderärzte, die 59 Versorgungsaufträge erfüllen. 
Eine Unterversorgung sieht die KV in Hessen in Darmstadt (hier fehlen statistisch zwei Ärzte), Fulda (2,5), Offenbach (1) und Kassel (1,5). Neue Arztsitze fordert die KV zudem für die Landkreise Main-Kinzig (2), Waldeck-Frankenberg (1,5), Lahn-Dill (1,5), Groß-Gerau (1), Werra-Meißner (0,75) und Rheingau-Taunus (0,75). cir

 

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