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Ärger im Bistum Limburg Showdown der Hirten

In der Koselburg in Frankfurt trifft Bischof Tebartz-van Elst auf Stadtdekan zu Eltz. Die Geistlichen weihen eine Krabbelstube und eine Wohnanlage für Behinderte ein. Doch die Anwesenden interessieren sich hauptsächlich für den Bischof und die Krise.

Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst ist zurzeit sehr gefragt. In Frankfurt ging es den Journalisten nicht um religiöse Dinge. Foto: Andreas Arnold

Hier steht er. Er kann nicht anders. Eigentlich will Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst so schnell wie möglich von seinem Dienstwagen, einem bescheidenen VW Passat, in die Koselburg, die er heute einweihen soll. Doch wahrlich, zwischen ihm und der Koselburg stehen die Journalisten, und siehe, ihre Zahl ist Legion.

„Haben Sie Fehler gemacht?“, fragt ein Reporter, und der Bischof lächelt sein schönstes Lächeln, bevor er mit lupenreiner Wort-zum-Sonntags-Stimme antwortet: „Kein Mensch ist ohne Fehler.“ Was er denn zur Kritik an seinem angeblich selbstherrlichen Führungsstil sage, hakt der Reporter nach. „Ich freue mich immer, wenn Menschen auf mich zukommen“, sagt Tebartz-van Elst und bittet höflich darum, den Weg frei zu machen, er habe die Koselburg einzusegnen. Amen.

Versuchung widerstanden

Doch vor der Tür zur Koselburg lauert die Versuchung in Gestalt von Stadtdekan Johannes zu Eltz. Der gehört zu den Aufrührern wider seine Exzellenz, unlängst hatte er dem Bischof öffentlich den Vorschlag gemacht, sich für sieben Jahre in die armseligste Großstadtpfarrei des Bistums zu verziehen, bevor er wieder auf dem Bischofsstuhl zu Limburg Platz nimmt. Wie immer Tebartz-van Elsts persönliche Versuchung aussehen mag, er widersteht ihr, lächelt etwas dünn, die beiden murmeln etwas, im Gemenge sind nur die Worte „versuchen“ und „positiv“ zu verstehen.
Dann wird eingesegnet. Eine Krabbelstube und betreutes Wohnen wird es künftig hier geben, aber die Mehrheit der Gäste ist aus einem ganz anderen Grund hier. „Das ist kein Showdown und kein Shootout“, sagt Stadtdekan zu Eltz beinahe beschwörend in seinem Grußwort, der Limburger Bischof befinde sich in Frankfurt ja schließlich nicht „in Feindesland“, sondern in seinem Bistum. Dann gibt zu Eltz seiner Hoffnung Ausdruck, dass man an diesem Tag vielleicht gute Gespräche führen könne „über das, was uns wirklich wichtig ist“. Im Saal erhebt sich unüberhörbarer Applaus. Auch der Bischof klatscht. Nicht enthusiastisch. Und vielleicht ein wenig spät. Aber er klatscht.

Vornehme Zurückhaltung

Von Jetlag ist bei Tebartz-van Elst nichts zu spüren. Dabei war er am Tag zuvor noch in Rom, um sich Rückendeckung beim Vatikan zu holen. Dort hatte er unter anderem ein Treffen mit dem Präfekten der Bischofskongregation, Marc Ouellet. Das lief wohl ganz gut. Jedenfalls ist Tebartz-van Elst noch tags darauf „dankbar für die große Unterstützung aus Rom“ – immerhin das hatte er zuvor den Journalisten auf dem Parkplatz erzählt. Bei der Einsegnung hält der Bischof sich vornehm zurück und geht mit keinem Wort auf das aktuelle Geschehen ein. Er erzählt ein Gleichnis aus dem Matthäus-Evangelium, in dem es grob gesagt um einen klugen Mann geht, der sein Haus auf Fels baut, und einen weniger klugen, der auf Sand baut. Der Bischof selbst hat mit seinen Bauprojekten in jüngster Vergangenheit ein eher unglückliches Händchen gehabt, ist aber zweifellos ein kluger Mann.

Klug genug jedenfalls, an diesem Tag zumindest öffentlich jedem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Fast schon verzweifelt betonen die Offiziellen, dass es hier und heute doch ausschließlich um die Koselburg gehe, jenes geschichtsträchtige Gemäuer aus dem 19. Jahrhundert, das schon Krankenhaus und Studentenwohnheim war und jetzt, frisch renoviert, Behinderten Obdach und Kindern Betreuung bieten soll. Es hilft nichts. Die Gespräche am Rande der Veranstaltung drehen sich alle um dasselbe Thema: den Bischof und die Krise. Egal, auf wessen Seite die Katholiken stehen: Glücklich ist mit der Situation keiner. Doch zur Lösung dürfte der gestrige Tag wenig beigetragen haben. Die Fronten stehen wohl unverändert. Direkt neben der Koselburg steht die Pfarrkirche der katholischen St.-Bernhard- Gemeinde. „O heiliger Bernardus, führe auch uns“, steht in dicken Lettern über der Eingangstür des Gotteshauses. Für die Katholiken des Bistums Limburg bleibt dies zumindest bis auf weiteres ein frommer Wunsch.

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