Lade Inhalte...

Abtreibungsgegner Der Mann hinter den Mahnwachen gegen Abtreibung

Ein Frankfurter Rechtsanwalt mit Kontakten zu ultrakonservativen Netzwerken organisiert die Aktionen vor Pro Familia.

Pro Familia
Vor Ostern demonstrierten Abtreibungsgegner als Mahnwache vor der Beratungsstelle von Pro Familia in der Palmengartenstraße. Foto: Peter Jülich

Der Organisator steht meistens etwas abseits. Wenn sich die Aktivisten der Initiative „40 Tage für das Leben“ vor der Beratungsstelle von Pro Familia in der Palmengartenstraße postieren, um aus ihrer Sicht das Werk Gottes zu verrichten und Frauen von einer Abtreibung abzuhalten, hält sich der Frankfurter Rechtsanwalt Tomislav Cunovic meist am Rand der Gruppe auf. Manchmal mit einem Marienporträt vor der Brust, sehr oft mit Sonnenbrille. Als gelte es, nicht zu sehr aufzufallen. Der Organisator will, dass seine Botschaft im Mittelpunkt steht, nicht er selbst.

Bereits zum dritten Mal hielten in diesem Frühjahr die Abtreibungsgegner unter dem Banner der weltweit agierenden Initiative „40 Tage für das Leben“ ihre „Mahnwache“ im Frankfurter Westend ab, hielten Bilder von Kleinkindern und Föten in die Höhe, sangen Kirchenlieder oder beteten auf Knien. Adressat dieser Aktionsform: Frauen auf dem Weg zur Schwangerschaftskonfliktberatung.

Aktionsform und Name stammen ursprünglich aus den USA, wo solche Mahnwachen von evangelikalen Aktivisten bereits seit mehreren Jahren organisiert werden. Doch längst hat „40 Tage für das Leben“ nicht nur Landesgrenzen überwunden, sondern auch die zwischen den christlichen Konfessionen. Der Frankfurter Ableger wurde im Januar 2017 gegründet – in den Räumen der kroatisch-katholischen Gemeinde in Offenbach.

Diese stellte der örtliche Pfarrer, Tomislav Dukic, zur Verfügung. Der Geistliche ist in der Vergangenheit immer wieder dadurch aufgefallen, dass er nationalistische Politiker und Publizisten in die Offenbacher Gemeinde einlud. In den sozialen Netzwerken hetzt er zudem gegen Serben, Atheisten, Linke und andere vermeintliche „Feinde Kroatiens“ Dukic waren die selbsternannten „Lebensschützer“ herzlich willkommen. Dokumentiert wurde das Treffen in der Offenbacher Gemeinde in der Zeitschrift der Kroatenseelsorge – einer kirchlichen Organisation, welche die kroatischen Gemeinden in Deutschland betreut. Rund 50 Interessierte waren gekommen. Ein Foto zeigt einen gut gefüllten Gemeindesaal. Ganz am Rand steht wieder einmal Tomislav Cunovic. Anderthalb Monate nach diesem Treffen, am ersten Tag der vorösterlichen Fastenzeit, begann die erste Mahnwache im Westend.

Cunovic, der Mann am Rand, war da schon auch außerhalb der kroatischen Gemeinde bekannt. Vor gut zwei Jahren gehörte Cunovic zu Mitbegründern der Frankfurter Ortsgruppe der Vereinigung „Im Namen der Familie“. Die ultrakonservative Organisation initiierte 2013 erfolgreich ein Referendum in Kroatien, durch das die Ehe in der Verfassung ausschließlich als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert wurde. Cunovic rührte bereits damals in Frankfurt die Werbetrommel für die homophobe Kampagne der „Familienschützer“.

Deren Ziele reichen inzwischen noch weiter. Unlängst versuchte die Organisation  die Ratifizierung der Istanbuler Konvention zum Schutz von Frauen zu verhindern, weil sie darin ein Werkzeug zur Implementierung der „Genderideologie“ sieht. In Frankfurt organisierte Cunovic für „Im Namen der Familie“ im April 2016 die Vorführung eines Films, in dem die kroatische Beteiligung am Holocaust relativiert wird. Danach machte er erst wieder mit der Anti-Abtreibungsmahnwache von sich reden.

In Kroatien ist Cunovic derweil innerhalb der christlich-fundamentalistischen Szene aufgestiegen. Mittlerweile gehört er dem Rechtsteam der ultrakatholischen Organisation Vigilare an. Vigilare veranstaltet in der kroatischen Hauptstadt Zagreb regelmäßig das „Tradfest“, ein „Festival“ der Tradition und konservativer Ideen – so die Selbstbezeichnung. Tatsächlich ein Vernetzungstreffen christlicher Fundamentalisten.

Sowohl Vigilare als auch „In Namen der Familie“ werden zum Umfeld des ultrakonservativen internationalen Netzwerks „Agenda Europe“ gezählt, dessen Existenz und geheimes Manifest erst unlängst bekannt wurde. Zu den gemeinsamen Zielen der beteiligten Organisationen zählen unter anderem: strafrechtliche Ahndung von Homosexualität, Ende der Sexualerziehung und ein absolutes Verbot von Abtreibungen.

Die Mahnwachen sind in diesem Zusammenhang ein nicht unwichtiges PR-Vehikel. Deshalb werden sie wieder kommen. Zur nächsten Fastenzeit im Advent. Tomislav Cunovic wird vermutlich auch wieder dabei sein – irgendwo am Rand.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen