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Abiparty im Grüneburgpark Wettsaufen in Uniform

Abiturient gegen Verbindungsbruder: Die Mitglieder der schlagenden Verbindung Alsatia fordern Abiturienten bei ihrer Feier im Grüneburgpark zum Trinkspiel heraus. Vorwürfe, sie hätten zum Alkoholmissbrauch animiert, weisen sie zurück.

Auf die Plätze, fertig ... Mitglieder der Alsatia beim Wetttrinken gegen Abiturienten. Am Abend eskalierte die Feier im Grüneburgpark. Foto: Stephan Morgenstern

Die Regeln waren eindeutig: Ein Abiturient tritt gegen einen der Verbindungsjungs der Straßburger Turnerschaft Alsatia an. Beide müssen ein 0,3-Liter-Glas leeren. Wer schneller ist, gewinnt. Siegt der Abiturient, gibt es eine zweite Runde. Dann eventuell noch eine dritte. Verliert der Verbindungsbruder dann wieder, ist sein Kontrahent der große Sieger des Nachmittags. Sein Preis: ein „Gutschein für ein extremes Sauf-Wochenende“, wie es auf einem Schild am Stand der Alsatia bei der Abi-Feier im Grüneburgpark hieß.

Der Auftritt der schlagenden Verbindung, deren Mitglieder in ihren Uniformen in den Park gekommen waren, warf am Wochenende Fragen auf. Wurden Abiturienten durch das Trinkspiel zum Alkoholmissbrauch animiert? Wurde das Wettsaufen auch mit Leuten gespielt, die bereits deutlich zu viel getrunken hatten?

Mitnichten, sagt Fabian Arzt, Mitglied bei der Alsatia. Er rechtfertigt am Montag das Spiel. Kein Teilnehmer sei bedenklich alkoholisiert gewesen, betont er: „Mit Leuten, die bereits stark betrunken waren, hätten wir das Spiel auch gar nicht gespielt“. Seine Verbindungsbrüder und er seien aber ohnehin nur bis zum späten Nachmittag im Park gewesen. Im Übrigen hätten die Kontrahenten auch alkoholfreies Bier trinken können, so Arzt: „Viele haben das auch gemacht“. Exzesse habe es am Stand der Alsatia jedenfalls keine gegeben.

Unklar blieb allerdings, was das Trinkspiel eigentlich sollte. Zunächst sagte ein Mitglied der Turnerschaft, man wolle den jungen Leuten „deutsche richtige Trinkkultur“ beibringen. Der Verbindung gehe es lediglich um den Wettbewerbsgedanken, nicht um ein Besäufnis.

Kein Zutritt für Frauen

Verbindungsexperten unter den Studierenden der Goethe-Universität gehen derweil davon aus, dass die Turnerschaft im Grüneburgpark vor allem Reklame für sich machen wollte. Auch im Internet wirbt die Alsatia um neue Mitglieder. Unter anderem heißt es, in der Verbindung erlerne man „Sicherheit auf gesellschaftlichem Parkett und unverzichtbare Schlüsselqualifikationen“.

Ob Wettsaufen dazu gehört, steht nicht auf der Seite. Für den 19. April lädt die Alsatia aber wieder zur „Semesterantrittskneipe“ in ihr Verbindungshaus nach Sachsenhausen ein. Gäste sind willkommen, aber keine Frauen. Die dürfen bei der Verbindung auch nicht Mitglied werden.

Den Gutschein für das „extreme Sauf-Wochenende“ konnte die Verbindung übrigens behalten. Keiner der Abiturienten siegte im Trinkspiel.

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