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Abiball Fast wie im Highschool-Film

An diesem Wochenende feiern Schüler ihren Abiball – am liebsten pompös. Doch nicht alle können sich das leisten.

Schülerinnen in Abendrobe
Beim Abiball gibt es heutzutage meistens einen Dresscode. Foto: Getty Images

Noch vor 15 Jahren war der Abiball kein so großes Ding. Irgendein Kleidchen oder Sakko angezogen, und dann feierte man in der Aula. Irgendein Schüler stellte sich ans Laptop und machte den DJ. Heute ist es eher wie in diesen Highschool-Filmen: wunderschöne Roben, tolle Location, Catering und ein Profi-DJ oder eine Liveband. Der Abiball steht oft auch unter einem Motto: „Der große Gatsby“,oder „Tausend und eine Nacht“ beispielsweise.

Florian Schusta feiert am heutigen Samstag im Saalbau Bornheim mit seinem Jahrgang der Frankfurter Wöhlerschule den Abiball. „Abi lief I can fly!“, angelegt an den Hit von R. Kelly „I believe I can fly“. „Drei Jahre vorher sucht unsere Schule schon die Räumlichkeiten“, erzählt der 18-Jährige. Er selbst ist im Abiball-Komitee. „Jeder Schüler durfte aus Platzgründen maximal drei Begleitpersonen mitbringen.“ 600 Tickets hätten sie verkauft. „Uns war wichtig, dass es preislich im Rahmen bleibt. Mit 26 Euro pro Karte sind wir im Vergleich mit anderen Schulen noch sehr günstig.“

Schließlich sei ihre Schule gesellschaftlich sehr durchmischt. Vorab hätten sie Gelder durch Kuchenverkäufe oder durch Abipartys, die sie organisiert hatten, eingenommen. „Auch haben wir beim Abiball im Vorjahr gekellnert und mit dem Trinkgeld schon Geld verdient.“ Außerdem gab es Spenden von Eltern. 15 000 Euro haben sie durch den Ticketverkauf eingenommen. „Das Geld ist direkt ins Catering geflossen“, sagt Schusta. 3200 Euro haben sie zusätzlich für die Liveband bezahlt. Es gebe auch Schulen, die Unternehmen suchten, die den Ball sponsern.

Die Planung kann schon 18 Monate vorher beginnen

Kevin Saukel, Stadtschülersprecher vom Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Höchst, macht erst nächstes Jahr Abitur. Eineinhalb Jahre vor dem Abiball beginnt aber schon die Planung. Wie der diesjährige Jahrgang soll der Abiball in der Offenbacher Stadthalle sein, da die Aula viel zu klein sei für 700 Menschen.

Beim Ball selbst gebe es einen Dresscode: Anzug und Abendkleid. „Man sollte schon ordentlich angezogen sein, sonst wird man schief angeschaut.“ Viele kauften sich neue Sachen. Denn der Abiball sei wichtig. „Da geht man auf jeden Fall hin.“ Man beende einen Lebensabschnitt. „Danach wird man seine Schulfreunde nur noch selten sehen. Es ist deshalb schön, wenn der gesamte Jahrgang noch einmal eine gemeinsame Feier hat“, sagt Saukel.

Und was sagen die Eltern? „Die Eltern sehen die Abibälle durchwachsen“, sagt der Frankfurter Stadtelternbeirat Eckhard Gathof. Das ist etwa die Sache mit den Vertragsabschlüssen. „Im Abiball-Komitee unterschreiben oft Schüler Verträge. Für den Veranstaltungsraum, für den Caterer, vielleicht noch für eine Band, die auftritt. Sie sind volljährig und haftbar.“ Das sei den Schülern aber oft nicht bewusst. „Wenn dann nur drei Leute zum Ball kommen, dann hat man es geschafft, mit dem Abiball in die Privatinsolvenz zu schlittern.“ Am Ende löffelten dann die Eltern die Suppe aus. „Die Schulen sollten die Schüler bei der Organisation mehr begleiten.“

Sorgen macht sich Gathof auch über die soziale Komponente der teuren Feiern. „Es muss möglich sein, dass sich alle den Abiball leisten können, sonst ist das eine elitäre Veranstaltung.“ Er betont: „Ich kann verstehen, dass der Abschluss für die Schüler ein großes Ereignis ist. Aber vielleicht muss es nicht ganz so pompös sein.“

Der Frankfurter Trend- und Zukunftsforscher Andreas Steinle erklärt sich das Phänomen folgendermaßen: Die Abifeiern dienten dazu, „eine Art Anker in der Biografie zu schaffen, damit nicht alles vorbeirauscht“.

Die Saalmiete ist ein wichtiger Kostenfaktor

Die jungen Erwachsenen wollten in der großen Zeitgleichheit von Studieren, Reisen, Auslandsaufenthalten und vielen Freiheiten eine „Beständigkeit über den Moment hinaus gewinnen“.

Eine beliebte Location für den Abiball ist das Gesellschaftshaus im Palmengarten. „Bei uns werden seit 2013 regelmäßig Abschlussbälle gefeiert“, sagt Marketingleiterin Clara Schmidt. In der Regel kämen die Schulen aus Frankfurt, wie das Lessing-Gymnasium oder die Anna-Schmidt-Schule. Aber auch aus der Region feierten Abiturienten im Gesellschaftshaus: von der International School Frankfurt Rhein-Main aus Königstein bis hin zur Albert-Einstein-Schule in Schwalbach. Platz sei für 750 Menschen. Die Saalmiete liegt bei 7500 Euro.

Es geht aber noch nobler. Fabian Pflume war bis vor Kurzem noch hessischer Landesschulsprecher. Der 19-Jährige hatte bereits vergangene Woche seinen Abiball mit seinem Jahrgang der Internatsschule Schloss Hansenberg, die in Geisenheim im Rheingau liegt. Und zwar feierten die 200 Abiturienten im Kurhaus Wiesbaden. Die Mietkosten lagen bei 23 000 Euro. „Das waren 50 Euro pro Ticket. Allein wenn noch die beiden Elternteile mitfeierten, waren das 150 Euro. „Das war ganz schön teuer“, sagt Pflume.

Pflume betont: „Mir war es selbst gar nicht wichtig, so pompös zu feiern. Ich hätte das Geld lieber für eine coolere Abschlussfahrt verwendet.“ Doch für viele seiner Mitschüler sei der Abiball eben das Highlight der Schulzeit. Aber nicht alle hätten Eltern, die sich solche Eintrittspreise und Glamour-Outfits leisten könnten. „Ich weiß von einigen Mitschülern, die echt mit sich kämpfen mussten, um nach finanzieller Hilfe beim Förderverein zu fragen.“

Und wie war der Ball eigentlich im noblen Kurhaus Wiesbaden? „Ein schöner Abend. Aber ich hatte schon viele schöne Abende – und für keinen musste ich 50 Euro pro Kopf ausgeben“, sagt Pflume. (mit dpa)

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