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ABG-Chef Junker „Wir wollen arrondieren – an den Rändern der Stadt“

Frank Junker, Chef der Frankfurt Holding, spricht im FR-Interview über den Bau von neuen Wohnungen, die soziale Mischung und das Verhältnis Frankfurt/Region.

07.05.2013 21:48
M. Weis

Frank Junker, Chef der Frankfurt Holding, spricht im FR-Interview über den Bau von neuen Wohnungen, die soziale Mischung und das Verhältnis Frankfurt/Region.

Herr Junker, beim Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt haben Sie mit einem Appell für Aufregung gesorgt. Sie baten Landwirte und Gemeinden der Region, Ihnen freie und brachliegende Flächen für den Wohnungsbau zu melden. Die Bauern haben heftig protestiert. Das Echo bei den Landwirten war negativ, das stimmt. Aber das entsprang einem Missverständnis. Die ABG Holding will nicht großräumig freie landwirtschaftliche Flächen für den Wohnungsbau in Anspruch nehmen. Es geht uns um die Arrondierung von bestehenden Baugebieten an den Stadträndern. Es gab aber sehr positive Reaktionen von Bürgermeistern der Region, etwa vom Bürgermeister der Stadt Friedberg, Michael Keller (SPD).

Was hat er Ihnen angeboten? Wir verhandeln konkret über ehemalige housing areas und Kasernen-Areale, die von der US-Armee geräumt worden waren. Auf einem Teil dieser Grundstücke könnte die ABG Wohnungen errichten.

Wie weit sind Sie in den Verhandlungen? Ich hoffe, dass wir noch in diesem Jahr zu einem Abschluss kommen. Wir wollen gemeinsam zeigen: Wohnungsbau ist eine Aufgabe der Region. Wir prüfen insbesondere Flächen, die über eine gute Anbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr verfügen. Wie die in Friedberg, die eine gute S-Bahn-Anbindung haben.

Die ABG hat mit dem Wohnungsbau in der Region ja schon begonnen. Ja. Unser erstes Projekt, das sind 178 Wohnungen auf der Hafenmole in Offenbach, steht vor der Fertigstellung. Ein zweites Vorhaben in Offenbach ist geplant. Auf dem Gelände der früheren Maschinenfabrik MAN Roland wollen wir 170 Wohnungen bauen.

Eine Befürchtung der Region ist stets: Frankfurt als Großstadt exportiert Menschen mit sozialen Schwierigkeiten in Sozialwohnungen im Umland. Genau das wollen wir nicht. Wir exportieren keine sozialen Problemfälle. Die Wohnungen auf dem MAN-Roland-Gelände sind überwiegend nicht preisgebundene Mietwohnungen, 50 der 170 Unterkünfte sind von der Stadt Offenbach mitfinanzierte öffentlich geförderte Wohnungen. Wir sorgen also für eine soziale Mischung in den neuen Quartieren.

Es wird Ihnen vorgeworfen, dass die ABG auch Eigentumswohnungen baut, obwohl das überhaupt nicht ihre Aufgabe sei. Ich kenne diesen Vorwurf. Zwei Argumente halte ich dagegen. Zum einen: Wenn ich Wohnen für alle verwirklichen will, gehören dazu eben auch Eigentumswohnungen für Menschen, die sich das leisten können. Zum Zweiten: Der Wohnungskonzern ABG muss auch Geld verdienen. Das tun wir mit den Eigentumswohnungen.

Wie finanzieren Sie den Wohnungsbau in der Region? Wir haben ja ein Programm vorgestellt, mit dem die ABG bis zum Jahre 2017 rund 1,6 Milliarden Euro in den Wohnungsbau investieren will. Aus diesem Topf stammt das Geld.

Welches Potenzial sehen Sie für den Wohnungsbau der ABG in der Region?Wenn ich die Projekte zusammenfasse, die wir schon angepackt haben, und andere, über die wir verhandeln mit Gemeinden der Region, dann reden wir über gut 1000 Wohnungen.

In den zurückliegenden Jahrzehnten hat sich die Zusammenarbeit der Kernstadt Frankfurt und der Region stets als sehr schwierig erwiesen. Das ändert sich gerade. Die heutige gemeinsame Wohnungskonferenz der Stadt Frankfurt und des Planungsverbandes Frankfurt/Rhein-Main ist ein gutes Beispiel dafür. Zunächst gab es Einladungen von Stadt und Planungsverband für zwei getrennte Treffen. Jetzt sitzen alle gemeinsam an einem Tisch. Ich finde das ziemlich ermutigend für die Zukunft.

Das Interview führte Claus-Jürgen Göpfert

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