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Abend der 1000 Lichter Ein Umzug für alle

Im Internet war im Vorfeld ein Schreckenszenario gezeichnet worden. Doch der „Abend der 1000 Lichter“ im Frankfurter Nordend steht ganz im Zeichen der Menschlichkeit und Integration.

Eine schöne Stimmung herrschte beim Laternenmarsch der Second Planet Soli-Initiative. Foto: peter-juelich.com

Viel wurde gestritten, nichts ist passiert: Entgegen der im Vorfeld geäußerten Befürchtungen ist der „Abend der 1000 Lichter“ zu einem fast unscheinbaren Symbol für Menschlichkeit und Integration geworden.

Im Internet war ein Schreckensszenario gezeichnet worden. Eltern sorgten sich um ihre Kinder, Kritiker äußerten sich teils heftig über den geplanten Umzug vom Friedberger Platz zum beliebten Martinsfeuer im Günthersburgpark. Dabei wollten die Organisatoren von „The second planet“ schlicht „einen schönen und gemütlichen Umzug für alle“, wie Pressesprecherin Aicha Mendoughe sagte. Das schließe in Zeiten wie diesen unbedingt auch Flüchtlingsfamilien mit ein.

In Kommentaren auf ihrer Facebook-Seite war hingegen von „Politik auf dem Rücken der Kinder“ oder einer „Überschwemmung einer traditionellen Veranstaltung“ die Rede. Dass sich auf Facebook bis zum Abend rund 14 000 Besucher zum Umzug angemeldet hatten, trug kaum zur Beruhigung bei.

Die Realität sah am Mittwoch dann ganz anders aus. Für Sicherheit und Ordnung sei gesorgt, hatte Mendoughe bereits am Mittag gegenüber dieser Zeitung versichert. Tatsächlich hatte sie sich nun mit rund 30 Ordner am Friedberger Platz eingefunden. Neben Süßigkeiten und Getränken hatten sie über 70 bunte Laternen mitgebracht. „Die haben wir am Sonntag mit den Flüchtlingskindern selbst gebastelt“, sagte Mendoughe. Komplett aus gespendetem Material, wie sie betonte. Zudem waren Übersetzer für vier verschiedene Sprachen vor Ort. „Damit alle verstehen, worum es hier geht.“

Für die Anwohnerin Vivi Schenderlin war der Sinn der Aktion von Beginn an klar: „Sankt Martin ist das Fest des Teilens“, sagte sie. Es gebe keinen besseren Zeitpunkt, ein Zeichen für die Menschlichkeit zu setzen, so die Nordenderin. Die nach Polizeiangaben rund 400 Besucher waren ihr noch zu wenig: „Eigentlich müsste hier halb Frankfurt stehen.“

Viele Teilnehmer wussten hingegen gar nicht, dass es sich um eine vermeintlich politische Aktion handelte. Eine Mutter aus der Nachbarschaft kam vorbei, weil sie hörte, dass sich hier einige Leute zum Umzug treffen. Wie viele andere war sie positiv überrascht, als sie die Flüchtlingsfamilien mit den Laternen für Erinnerungsfotos posieren sah: „Das macht es natürlich noch besser“, sagte sie.

Als der Umzug schließlich an Hessens größtem Martinsfeuer ankam, hatten sich tausende Besucher bereits um die Feuerstelle versammelt, die Neuankömmlinge schoben sich fast unbemerkt dazwischen. Und alle Kinder reckten gemeinsam Hälse und Laternen. Es habe keine Zwischenfälle gegeben, resümierte der Leiter der zuständigen Polizeidienststelle Dieter Titze. Und zeigte sich ein klein wenig enttäuscht: „Ich persönlich hätte mich ja über noch mehr Besucher gefreut.“

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