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50er Jahre in Frankfurt Toll, überall Läden und Leute

Städtebau-Professor Mäckler auf der Suche nach Orten, „wo wir gern leben“.

Diesmal recht freundlich: Christoph Mäckler als Sympathisant der 50er-Jahre-Bauten mit dem „Wacker“ am Kornmarkt. Foto: Martin Weis

Wenn der Architekt Christoph Mäckler mit seinen großen schwarzen Schuhen und dem kleinen schwarzen Notizheft irgendwo in der Stadt rumsteht, dann folgt manch ein Passant interessiert seinen Blicken. „Mäckler meckert“ zitierte Manfred E. Schuchmann vom Hessischen Rundfunk Volkes Stimme.

Mit dem Ruf muss der Städtebauprofessor also leben, nachdem er über 40-mal im Hessen-Fernsehen landauf, landab die Architektursünden der Wiederaufbau-Jahrzehnte aufgespießt und manche Stadtverwaltung vorgeführt hat. „Er ist ja eine Krähe, die auch mal anderen Krähen ein Auge aushackt“, erläuterte der Redakteur.

Am Mittwoch hatte sich Mäckler neben der Parkhauseinfahrt am Kornmarkt aufgebaut, die Augen wohlwollend zum Kaffee Wacker auf der anderen Straßenseite gerichtet. Da gibt der Kornmarkt ein fast ungestörtes Bild des Städtebaus der 50er Jahre ab und dieses galt es zu preisen. In einer neuen Reihe fürs Fernsehen will der Baumeister nämlich auf „gelungene Orte“ zu sprechen kommen.

Am Kornmarkt, der früher in geschlossener Fachwerkhaus-Reihung von der Katharinen- bis runter zur Leonhardskirche führte, sind durch einen zerstörerischen Straßenbau Sünden ohne Ende begangen worden. Doch das 1914 gegründete Kaffee Wacker hält sich dort und reißt die Lage raus. „Ich finde hier städtisches Leben“ bekundete Christoph Mäckler und deutete auf das Gebäude-Ensemble zwischen Weißadlergasse und Kleinem Hirschgraben: „Toll, überall Läden.“ Als da sind: Kontrast (Einrichtungen), „Tabak Büttner“, „Wacker“ und ein Lokal „Leib & Seele“, das sich für Sitzplätze im Freien einen halben Meter zusätzliches Stück Bürgersteig erkämpft hat. Nördlich des Kleinen Hirschgrabens ist die Lage schon wieder anders, da habe der Kaufhof die Kaufhalle (von 1956) beim Umbau zum Sport-Palast in „eine grausige Kiste“ verwandelt.

Aber gemeckert wird nicht, der Architekt hat vielmehr in sein Notizbüchlein bereits eingezeichnet, wie vor dem Lokal der eroberte Bürgersteig noch durch ein Mäuerchen aufgewertet werden könnte. Auf dass die Leute ihr mitgebrachtes Mittagsbrötchen auch da ohne größere Umstände zu sich nehmen könnten. Wie gegenüber, vor dem Lokal „Paninoteca“, vor „Landkarten Schwarz“ und „Zweitausendeins“. „So ein Baum, so eine Mauer …“ schwärmte Mäckler – „und unten laufen die Leute vorbei“. Man könnte sogar noch die Verkehrsinsel zwischen Ein- und Ausfahrt des Parkhauses vergrößern „und ein Wasserhäuschen draufstellen“. Ja, „was meinen Sie, was da los wäre!“ Lebendiges Leben im Zwickel der überbreiten Fahrbahnen.

Vielleicht sind es ja diese Lagen, die zur „Platz-Besetzung“ einladen; eher als die mit viel Geld umgebauten Orte, wie etwa der Roßmarkt. Darauf, wie es jenseits der Hauptwache aussieht, wollte Mäckler an diesem Tag aber keinen Gedanken verwenden. Er erwähnte am Rande, dass Frankfurt an „bedrohten Orten“ stets reich gewesen sei, sich dann aber „immer Initiativen gründen – und alles bleibt, wie es ist“. Mit leisem Seufzen schloss der nach Kronberg Übersiedelte: „Je älter ich werde, desto mehr merke ich, wie ich an dieser Stadt hänge.“

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